Dem Rentner ist sein Handeln selbst völlig unbegreiflich

Prozess-Start: Versuchtes Blutbad in Heilbronn

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Spielte sich der 70-Jährige zum Herr über Leben und Tod auf?
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Mit einem Messer stach er in der Innenstadt um sich und schrie "Ich fick' euch!"

Es klingt völlig unbegreiflich - wie aus einem schrecklichen Horrorfilm. Dabei ist es real - und geschah mitten in Heilbronn. Völlig ohne Vorwarnung soll ein 70-Jähriger am 17. Februar gegen 21.18 Uhr am Heilbronner Marktplatz versucht haben, ein Blutbad anzurichten. Alkoholisiert, jedoch zurechnungsfähig, soll der in Kasachstan Geborene, der einen deutschen und russischen Pass hat, mit einem 19-Zentimeter-Messer in der Innenstadt losgewütet haben.

Wahllos auf Flüchtlinge in Heilbronn eingestochen

Mutmaßlich wahllos soll er auf vermeintliche Flüchtlinge eingestochen haben - mit dem Ziel, möglichst viele von ihnen zu verletzen oder gar zu töten. An einer Bushaltestelle begann die Gewalt-Orgie: Der Rentner soll einen 26-jährigen Iraker angefasst haben, ihm dann mit Leibeskraft auf den Oberbauch gestochen haben. Der schnellen Reaktion des jungen Mannes sei Dank, ist nichts Lebensbedrohliches passiert: Er riss seine Hand nach oben, das Messer durchdrang den Arm. Zwei Finger kann der Iraker bis heute nicht bewegen!

Messerstecherei  in Heilbronn: Oberkörper als Ziel

Doch damit nicht genug: Der ehemalige Hausmeister soll einen weiteren jungen Mann von hinten angegangen, diesen zu sich gedreht und dann auf ihn eingestochen haben. Ein dritter Geschädigter hielt sich vor der Kilianskirche auf - ein Messerstich auf den Oberkörper fügte ihm eine vier Zentimeter lange Stichwunde zu. Der vierte Mann entging Verletzungen nur, weil er durch die bereits entstandene Aufregung alarmiert war: Er konnte dem Angriff ausweichen, der Messer-Mann soll "Ich fick' euch!" geschrien haben. Passanten sollen den Angreifer überwältigt haben. Keines der Opfer soll ihm vorher bekannt gewesen sein.

Mutmaßlicher Heilbronner Messerstecher selbst fassungslos

Vor dem Heilbronner Landgericht begann heute der Prozess gegen den Rentner. Der Vorwurf: versuchter Mord. Es ist kaum vorstellbar, dass der harmlos aussehende Senior zu solch einer Gewaltorgie fähig ist. Der Heilbronner selbst ist völlig fassungslos über die ihm zur Last gelegte Tat: Angeblich könne er sich nur noch daran erinnern, wie er zu Hause bei der Geburtstagsfeier der Tochter kurz das Bewusstsein verloren habe. Die nächste Erinnerung setzt ein, als ihm Polizisten Handschellen anlegten.

Heilbronner Messerstecherei: Ein Zeichen gegen Asylpolitik?

Besonders entsetzlich: Kurz nach seiner Festnahme soll der 70-Jährige gesagt haben, dass er mit seinen Gewalttaten ein Zeichen gegen die seiner Meinung nach misslungene Asylpolitik in Deutschland setzen wolle. Für ihn ist weder die Gewalt noch diese Motiv-Äußerung heute nachvollziehbar.

Vor Gericht möchte sich der Angeklagte heute nicht zur Sache äußern. Stattdessen schildert der Sachverständige, Psychiater Dr. Dr. Kristian-Olav Rosenau, was ihm der Angeklagte erzählt hat. "Es ist ihm selbst völlig unbegreiflich, wie er in diese Situation kam. Er weiß nicht mehr, wie er das Haus verlassen hat und wie er an das Messer gekommen ist."

Mutmaßlicher Heilbronner Messerstecher übernimmt Verantwortung

Dennoch übernimmt der Angeklagte Verantwortung für das Geschehen. An seine drei Opfer hat er Entschuldigungsbriefe verfasst. Darin fallen Sätze wie "was ich getan habe, ist schrecklich", "ich bin kein Fremdenhasser oder Rechtsextremist". Der mutmaßliche Täter betrachtet sich als unpolitisch, war nie in einer Partei Mitglied oder engagiert. Flüchtlinge tun ihm leid. Als Täter-Opfer-Ausgleich hat der Rentner an jeden seiner drei Geschädigten jeweils 2.000 Euro bezahlt. Seine eigene Ansicht: Er müsse "für den Scheiß, den er gemacht hat, zur Rechenschaft gezogen werden".

Morgen geht der Prozess ab 9 Uhr weiter. Noch fünf Verhandlungstage sind angesetzt. Das Urteil ist am 31. Oktober zu erwarten.

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