Opfer um 500.000 Euro geschädigt

Trickbetrüger entlarvt: Heilbronner Polizei schnappt falsche Polizisten

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Leitender Kriminaldirektor Thomas Schöllhammer(von links), Polizeipräsident Hans Becker und Oberstaatsanwalt Martin Renninger.
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Die Polizei konnte vergangenen Mittwoch einen großen Trickbetrüger-Ring zerschlagen. Die Betrüger gaben sich als falsche Polizisten aus. Ihr Ziel: Geld und Schmuck.

Es ist mitten in der Nacht. Das Telefon klingelt. Wer ruft denn so spät noch an? Das Telefon zeigt die Notrufnummer 110. Das muss wichtig sein. Am anderen Ende der Leitung meldet sich der Oberkommissar: "Wir haben erfahren, dass bei Ihnen bald eingebrochen werden soll. Haben Sie Bargeld oder Schmuck zu Hause? Lassen Sie Ihre Wertsachen doch einfach durch die Polizei aufbewahren. Somit sind diese in sicheren Händen!"

Diese Betrugsmasche hat in letzter Zeit massiv zugenommen - über 5.000 Fälle, in denen sich Trickbetrüger als falsche Polizisten ausgaben, gab es in Baden-Württemberg allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2018. Bei den Tätern handelt es sich oft um Banden, die auf das Geld und den Schmuck ihrer Opfer aus sind. Sie erschleichen sich das Vertrauen der älteren Menschen, üben manchmal stundenlang Druck aus, bis das Opfer seine Wertsachen an die falschen Polizisten herausgibt. Rund 600 Fälle wurden im Zuständigkeitsgebiet des Heilbronner Polizeipräsidiums in den ersten drei Quartalen 2018 erfasst. In 19 Fällen waren die Trickbetrüger erfolgreich.

Heilbronner Polizei identifiziert 20 beschuldigte Trickbetrüger

Die Ermittlungsgruppe des Polizeipräsidiums Heilbronn holte jetzt zum Gegenschlag aus. Nachdem ein 20-Jähriger und eine 19-Jährige am Mittwoch bei einer 72-Jährigen im Kreis Bergstraße Schmuck und Bargeld im Wert von 200.000 Euro erbeutet haben, konnten die Ermittler die Trickbetrüger bis zu einem Juweliergeschäft in Mannheim verfolgen, dessen Betreiber und zwei weitere Beschuldigte festnehmen.

Sichergestellte Objekte

"Mit normalen Ermittlungsmethoden kommen wir nicht weit. Aus diesem Anlass gründeten wir im vergangenen Jahr eine spezielle Ermittlungsgruppe", erklärt Polizeipräsident Hans Becker am Montag bei einer Pressekonferenz in Heilbronn. Die Ermittlungsgruppe machte sich auf die Jagd nach den Trickbetrügern - mit Erfolg. 20 Personen, die mit dieser Betrugsmasche in Verbindung stehen, wurden identifiziert. Das Alter der Beschuldigten - es handelt sich fast nur um Männer - liegt zwischen 16 und 29 Jahren.  Den Trickbetrüger konnten zwölf Einzeltaten nachgewiesen werden. Sie brachten ihre Opfer um knapp 500.000 Euro. Die Gruppe agierte im Raum Heilbronn, dem Hohenlohekreis, Karlsruhe, Ludwigsburg, Mannheim, Pforzheim, Kreis Bergstraße, Speyer und Sinsheim. Den Tätern drohen nun Haftstrafen bis zu zehn Jahren.

Polizei Heilbronn entlarvt falsche Polizisten: So arbeiten Trickbetrüger

"Die Banden gehen sehr professionell und organisiert vor", erklärt Polizeipräsident Becker. Der Keiler - so nennt die Polizei den Strippenzieher am Telefon -  sitzt in einem Call-Center in der Türkei. Er wählt aus dem Telefonbuch ältere Vornamen aus und greift zum Hörer. Hat der Keiler Erfolg, gibt das Opfer die Wertgegenstände an die falschen Polizisten heraus. Als nächstes kommt ein weiterer Trickbetrüger ins Spiel, der die Wertsachen abholt und an Hintermänner weitergibt, die sich um den Verkauf, Banküberweisungen oder den Transport ins Ausland kümmern.

Heilbronner Polizei: Warnung vor weiteren Fällen von Trickbetrügern 

Was tun, wenn sich Trickbetrüger melden? Die Polizei rät dringend, verdächtige Anrufe umgehend über die Notrufnummer 110 zu melden. Die Täter rufen mit einer falschen, im Internet erstellten 110-Nummer an, daher sollte auf keinen Fall die Rückruftaste gewählt werden. Becker: "Wir würden niemals anrufen, um nach Wertsachen oder der Verwahrung dieser zu fragen."

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