Biberratten in den Wertwiesen

Nutrias in Heilbronn: Warum sie auf keinen Fall gefüttert werden sollten

  • Lisa Klein
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Nutrias, auch Biberratte genannt, sind inzwischen auch in Heilbronn zu finden. Doch die Tiere sollten auf keinen Fall gefüttert werden – sie zählen zu den invasiven Arten.

Wer in letzter Zeit in den Wertwiesen in Heilbronn oder am Karlssee auf dem Buga-Gelände spazieren war, hat die Nager möglicherweise längst entdeckt: Gleich mehrere Nutrias leben neben Enten und Nilgänsen am Neckar, in Seen, Teichen und Sümpfen der Region. Die Nutria – auch als Biberratte bekannt – zählt zu den invasiven Arten in Deutschland. Das Nagetier kommt laut Naturschutzbund Deutschland (Nabu) ursprünglich aus Südamerika.

Die Nutria wird gelegentlich mit der aus Nordamerika stammenden Bisamratte verwechselt, die inzwischen ebenfalls als invasive Art in Europa lebt – allerdings ist die Bisamratte kleiner als die Biberratte. Süß anzuschauen sind sowohl Nutria als auch Bisamratte, doch gefüttert werden sollen beide nicht, vor allem nicht in Heilbronn.

Nutrias in Heilbronn: Warum sie auf keinen Fall gefüttert werden sollten

Damit Nutrias und andere Wildtiere nicht zur Plage werden, gilt generell: „Füttern verboten“. Ein Hinweisschild steht auch in den Wertwiesen in Heilbronn. Auch in der baden-württembergischen Stadt Gaggenau (Landkreis Rastatt) gibt es inzwischen mehrere Nutrias, dort wurde sogar ein Zaun errichtet.

Manche Menschen kämen mit tütenweise Brötchen, sagte die Leiterin der städtischen Umweltabteilung in Gaggenau, Elke Henschel, laut der Deuschen Presse-Agentur (dpa). Das Problem: Das Futter lockt Enten, Ratten und Nilgänse – welche übrigens auch zu den invasiven Arten gehören – an. Die Tiere können krank werden oder invasive Arten könnten heimische Tiere verdrängen. „Beobachten Sie die Tiere einfach nur aus der Ferne“, steht in Gaggenau auf den Schildern und ist auch in Heilbronn ratsam.

Nutrias als invasive Art in Deutschland: Bedrohung für einheimische Arten

Nutrias sind laut dem „Wildtierbericht 2018“ des Landwirtschaftsministeriums Baden-Württemberg nacht- und tagaktiv. Hauptsächlich ab der Dämmerung und nachts fressen sie Pflanzen. Tagsüber ruhen sie sich an Gewässern aus. Die Nagetiere leben in größeren Kolonien zusammen, Jungtiere können schon mit zwei Wochen schwimmen. Sie graben Baue, deren Eingang – anders als bei Bibern – über dem Wasser liegt. Nutrias sind gute Schwimmer, an Land allerdings eher unbeholfen.

Nutrias fühlen sich inzwischen auch in Heilbronn wohl, doch gefüttert sollten sie nicht werden – sie gelten als invasive Art.

In Heilbronn müssen Tierliebhaber sich übrigens keine Sorgen machen, dass die Nutrias verhungern. Denn die Stadt kümmert sich mit um die Versorgung der Nager. Regelmäßig sind Häufchen an Karotten und anderem Gemüse an den Lieblingsplätzen der Nutrias zu finden.

Biberratte: Wie kam die Nutria als invasive Art bis nach Heilbronn?

Doch wie ist es dazu gekommen, dass Nutrias als invasive Art in Deutschland leben und sich inzwischen auch in Heilbronn angesiedelt haben? Ursprünglich waren Nutrias in Südamerika beheimatet. Zur Pelzgewinnung kamen sie nach Europa. Ab 1926 gab es dem „Wildtierbericht“ zufolge in Deutschland Nutria-Farmen. Immer wieder seien Tiere entwischt. Eine Theorie in Gaggenau besagt, dass ein Farmer im Elsass Tiere nach dem Ende der Pelzproduktion absichtlich freiließ, die sich dann ihren Weg Richtung Schwarzwald bahnten.

Zum ersten Mal in Baden-Württemberg wurde eine Nutria den Angaben nach 1961 im Neckar-Odenwald-Kreis dokumentiert. Seit den 1980er Jahren häuften sich die Meldungen vor allem aus nördlichen Teilen des Landes. „Von der Oberrheinebene aus konnten sich die Tiere weiter in Baden-Württemberg etablieren und heute noch leben die größten Nutria-Vorkommen am Oberrhein und seinen Seitenflüssen.“ In gut einem Viertel der Gemeinden komme die Nutria inzwischen vor. Seit 1996 unterliegt sie dem Jagdrecht.

Die Nutria ist seit 2016 auf der EU-Liste der invasiven Arten. „Wenn wir sie einfangen würden, dürften wir sie daher nicht freilassen“, erklärte Henschel. Für Menschen sind Nutrias generell ungefährlich, nur für die Natur können die Nagetiere eine Bedrohung darstellen. Durch die Anlage von Bauen an Uferböschungen und Dämmen können Schäden entstehen. Als Kontrollmaßnahmen zum Schutz der Biodiversität wird der Lebendfang mit Fallen empfohlen.

Rubriklistenbild: © dpa / Karl-Heinz Schmidt

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