Krisenteam der Kirche im Einsatz

Kinderporno-Skandal: Warum gibt's noch keine Konsequenzen?

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Symbolbild.
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Der Träger will Kirchenpfleger Rolf Krieg vorerst nicht entlassen. Die Verantwortung für den evangelischen Wilhelm-Busch-Kindergarten hat er allerdings an seinen Stellvertreter übergeben. 

Der Skandal ist da, aber die Fakten fehlen. Ein ehemaliger Heilbronner Kindergartenleiter wird im März wegen Besitzes von Kinderpornografie vor Gericht stehen - viele Fragen zu dem Fall sind jedoch offen. DENN: Obwohl dem Träger bekannt war, dass Ermittlungen gegen Kevin F. liefen, arbeitete dieser zunächst weiter im evangelischen Wilhelm-Busch-Kindergarten. 

"Am 8. Januar haben wir die Anklageschrift bekommen", sagte Rolf Krieg, Leiter der Verwaltung, gegenüber echo24.de am 16. Februar. "Wir haben dann selbstverständlich umgehend reagiert und ihn sofort freigestellt. Außerdem haben wir natürlich mit den ermittelnden Behörden kooperiert."

Es gab eine Sicherheitsmaßnahme

Bei einem erneuten Telefonat mit Krieg klingt das jetzt anders. Da sagt er: "Es stimmt nicht, dass er erst am 8. Januar suspendiert wurde." Als echo24.de nachhakt, wann denn dann genau, kommt folgende Antwort: "Dazu möchte ich jetzt nichts sagen. Es war auf jeden Fall deutlich früher."

Mittlerweile ist bekannt, dass die Mitarbeiter des Kindergartens erst am 15. Februar von den Vorkommnissen erfuhren. Angeblich gab es - nachdem bekannt worden war, dass Ermittlungen gegen Kevin F. liefen - die "Sicherheitsmaßnahme", dass F. nicht mehr mit Kindern allein in einem Raum sein durfte. 

Wie kann diese Maßnahme eingehalten worden sein, wenn die Mitarbeiter doch nachweislich noch gar nicht wussten, dass es  etwas zu beachten gibt? Kirchensprecher Matthias Treiber: "Die Frage ist absolut richtig und natürlich stellen die Eltern diese auch. Wir haben ein Krisenteam zusammengestellt und versuchen genau herauszufinden, wann was genau passiert ist, wann welche Infos vorlagen und wie damit umgegangen wurde." Fakt ist: Die Verantwortung für den evangelischen Wilhelm-Busch-Kindergarten hat Krieg laut Treiber allerdings an seinen Stellvertreter übergeben.

Eltern fordern Entlassung von Kirchenpfleger Krieg

Aber warum erfuhren die Mitarbeiter des Kindergartens erst am 15. Februar von den Geschehnissen? Treiber: "Das müssen wir aufklären." Viele Eltern sind erbost und fordern die sofortige Entlassung Kriegs. Dazu sagt Kirchensprecher Treiber: "Wir wollen hier nicht politisch reagieren und einfach eine Person entlassen. Wir müssen viel mehr aufklären und unsere Strukturen überdenken. Denn es steht fest, dass hier Fehler gemacht wurden! Diese müssen wir genau aufklären."

Matthias Treiber berichtet außerdem: "Da sich die Anwälte von Herrn F. gegen die Freistellung wehren wollten, hat sich die Kirche dann für einen Aufhebungsvertrag entschieden." 

Kirche bittet um Vertrauen

Treiber betont im Gespräch, wie froh die Mitarbeiter der Kirche seien, dass ihnen weiterhin großes Vertrauen entgegen gebracht werde. "Es wäre auch furchtbar, wenn andere Mitarbeiter jetzt unter den Vorfällen leiden müssten - die machen alle einen so tollen Job." Es habe höchste Priorität, das Vertrauen zwischen Eltern, Kindern und Träger wieder zu stärken. Dazu veröffentlicht die Kirche auf ihrer Internetseite auch ein Schreiben

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