Zweite WG in Heilbronn geplant

Eine total andere Wohngemeinschaft

+
WG-Leben ganz normal und doch ein bisschen anders. Die Mädels kommen super miteinander aus. 
  • schließen

Hier leben Mädels mit und ohne Handicap zusammen.

Frauen unter sich: Da wird gekichert und gequasselt am Küchentisch. Eine ist etwas ruhiger - hatte vielleicht keinen so guten Tag. Die Blonde erzählt frei von der Leber weg, warum sie nicht mehr bei ihrem Vater wohnen wollte - und die nächste lächelt verständnisvoll. Ganz normales WG-Leben halt - oder nicht? Ein bisschen anders ist es in dieser Wohngruppe schon. Denn was auf den ersten Blick gar nicht auffällt: Hier wird Inklusion vorgelebt! Zwei der Mädels meistern ihren Alltag mit einem Handicap, das heißt einfach, dass sie manche Alltagssituationen nicht so gut allein hinbekommen. 

"Es ist nicht so, dass wir einfach mal Mädels mit Handicap zu welchen ohne gesteckt haben", sagt Philipp Kionka und lacht. Ein bisschen mehr haben sich die Vermieter Kionka und Samuel Feimer schon bei der Sache gedacht. "Ursprünglich ging es einfach darum, den knappen Wohnraum in Heilbronn sinnvoller zu nutzen. Denn es ist keine Seltenheit, dass in einer riesigen Vierzimmer-Wohnung nur zwei Studenten rumhängen - und das ist ja Blödsinn." Sinnvolle WG-Gründungen waren also ein logisches Ziel. Bei einem Gespräch mit Winfried Lederer von den Offenen Hilfen (OH) Heilbronn, kam dann die Sprache auf Inklusions-WGs. 

Natürlich gibt es fürs Zusammenleben von Mae Phillips, Celin Sommer, Annemarie Nees und Sara Svrga ein paar Regeln. Einige gehören in jede Wohngemeinschaft, andere ergeben sich durch die besonderen Umstände. Celin Sommer ist Studentin in Heilbronn und wohnt in der Vierer-WG. Sie erklärt: "Manchmal merkt man gar nicht, dass hier etwas anders ist. Und wenn doch, dann unterstützen wir einander - das ist selbstverständlich." 

Celin Sommer (links) und Annemarie Nees verstehen sich bestens. 

Es ist auch Teil des Mietvertrags, dass die jungen Frauen sechs Stunden in der Woche gemeinsam verbringen. Aber dabei stoppt natürlich keiner die Zeit. Sommer: "Uns macht's ja Spaß gemeinsam etwas zu unternehmen." Und was die Mädels miteinander anstellen, das klingt erfrischend normal. "Wir kochen gemeinsam, gehen einkaufen oder mal in die Stadt - was man eben so macht in einer WG", sagt Annemarie Nees. Dafür dass die beiden Mädels ohne Handicap die anderen beiden unterstützen, gibt es eine Aufwandsentschädigung. Dadurch ist das Wohnen in dieser WG günstiger als anderswo. Es steht außerdem immer eine Ansprechpartnerin von den Offenen Hilfen für alle Bewohnerinnen zur Verfügung.

Wer darf in der Inklusions-WG wohnen? 

Gerade wird eine weitere Wohnung zur Inklusions-WG umgebaut - ebenfalls in der Uhlandstraße. Aber wer darf da eigentlich einziehen? Wilfrid Lederer, OH-Fachbereichsleiter "Wohnen", erklärt: "Wir kümmern uns um Menschen, die eine kognitive Behinderung haben - natürlich gibt es da ganz unterschiedliche. Wir achten darauf, dass alle WG-Bewohner zusammenpassen. Dazu gibt es ein ganz normales Verfahren, dabei fallen schnell diejenigen raus, die nur eine günstige Wohnung abgreifen wollen." 

Interessenten, die kein Problem damit haben, ihren Mitbewohnern ein bisschen unter die Arme zu greifen, müssen zunächst ihren Lebenslauf an die OH schicken. "Mit denen, die in Frage kommen, gibt es dann ein persönliches Treffen." Lederer betont, dass keine medizinische oder pädagogische Berufsausbildung nötig ist: "Da sollen beispielsweise Studenten mit unseren jungen Leuten zusammen wohnen. Wenn wir spezielle Kenntnisse voraussetzen würden, wäre das ja keine Inklusion mehr."

Lederer sagt außerdem: "Die Inklusions-Projekte sind noch ganz am Anfang. Aber wir können auf jeden Fall sagen, dass sie sehr positiv anlaufen und freuen uns darüber, dass es zwei mutige junge Menschen gibt, die mit uns als Vermieter den Start gewagt haben." Inklusion sei mittlerweile mehr in den Köpfen der Menschen. "Aber es gibt natürlich noch viel zu tun. Wir planen weitere WGs am Südbahnhof soll eine Vier-plus-vier-WG entstehen, in der auch Menschen mit einem größeren Handicap leben können - dabei wird dann die Unterstützung durch die OH natürlich gegeben.

Gebäude gesucht

Philipp Kionka und Samuel Feimer von der Wohnraum Heilbronn GbR sind weiterhin auf der Suche nach Heilbronner Altbauten für neue Projekte und informieren sich momentan aktiv zum Thema Alters-WGs. Auch über weitere private Investoren freut sich das Team.

Interessiert am Wohnen in einer Inklusions-WG?

Du kannst dir gut vorstellen in einer inklusiven Wohngemeinschaft zu leben? Die Offenen Hilfen Heilbronn freuen sich auf deine Zuschrift

Die Top-Themen in Heilbronn und der Region

Mehr zum Thema:

Schulungen: Neues Portal zum Thema Inklusion im Betrieb

Heilbronner Inselspitze: Freiheit für Heilbronner Kulturszene

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare