Sie muss da ganz schnell weg

Hier muss Jana (75) jetzt wohnen

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Sie hat eine Lungenentzündung, keine Wohnung und friert. 

Die kennen wir doch. Die zierliche alte Dame, die immer an den Clubs und in der Stadt mit ihrem Fahrrad unterwegs ist, um Pfandflaschen zu sammeln, ist in Heilbronn beliebt. Viele Jugendliche geben ihr gerne ihre leeren Dosen, halten ein bisschen Smalltalk. Jana gehört irgendwie dazu. 

Was viele nicht wissen: Sie haust in einem heruntergekommen Wohnwagen. Ohne Strom. Ohne fließend Wasser. Es tropft von der Decke und die 75-Jährige hat bereits eine Lungenentzündung. 

Mit mehreren Decken versucht sie sich warm zu halten. "Ach, das geht schon", sagt sie tapfer. Aber im nächsten Moment gibt sie mit zittriger Stimme doch zu: "Es ist so kalt. Und ich werde gar nicht mehr richtig trocken." 

Wie kann das angehen? Beim Erzählen wird sie richtig sauer und bekommt zwischendurch kaum Luft. "Mein alter Vermieter hat mich so gemein übers Ohr gehauen. Rausgeekelt hat er mich." Letztendlich wurde Jana wegen einer angeblichen Beleidigung ("Ihr Schweine") aus der Wohnung geklagt. Jana beteuert, das niemals gesagt zu haben. Auch ihr Anwalt kann nicht helfen. Die Richter glauben den Vermietern und deren Zeugen. Deswegen nun die Wohnwagen-"Lösung".

Der Rettungswagen war schon bei ihr. Da sie aber vom Hausarzt Medikamente gegen die Lungenentzündung bekommt, macht ein Krankenhausaufenthalt keinen Sinn. 

Hilfe vom Staat? Möchte sie nicht in Anspruch nehmen. Man habe ihr angeboten, ins Betreute Wohnen zu ziehen. Aber davor graust ihr: "Ich bin noch nicht so weit." Die Heilbronnerin will sich nicht einsperren lassen. "Ich will frei sein", sagt sie laut: "Aber das versteht keiner."  Angst habe sie davor, nicht mehr raus zu können, dauernd überwacht zu werden. "Ich hab' doch immer meine Miete bezahlt. Und das kann ich auch wieder tun. Ich möchte nur eine kleine Wohnung."

Wenn ihr in ruhigem Ton erklärt wird, dass sie auch beim Betreuten Wohnen wieder ausziehen könnte und das allemal besser wäre als der vergammelte Wohnwagen, dann zögert sie kurz. Letztlich schüttelt sie wieder den Kopf. "Nein, ich will da nicht hin. Es wird doch irgendjemand einer alten Frau vor Weihnachten eine Wohnung geben können?"

Eines steht fest: Jana muss aus dem Wohnwagen raus. Es ist viel zu kalt und wohnen darf sie da eigentlich gar nicht. Vom Vorschlag, wenigstens über Nacht ins Obdachlosenheim zu gehen, will sie nichts wissen. "Auf keinen Fall gehe ich da hin", schimpft sie. "Da gehöre ich nicht hin. Das wäre ja noch schöner. Lieber bleibe ich hier." 

Jana bekommt eine kleine Rente, aber für eine vernünftige Unterkunft und regelmäßige Miete reicht es. "Ich brauche zum Leben gar nicht viel. Deshalb würde ich 500 Euro für Miete bezahlen", sagt sie.

Einige Mädels von der Facebook-Gruppe "Du bist aus Heilbronn wenn..." sind auf Janas Situation aufmerksam geworden. Sie bemühen sich darum, eine Unterkunft für die 75-Jährige zu finden und sind für jede Unterstützung dankbar. "Vor Weihnachten ist es sehr schwer, auf den Ämtern noch etwas zu erreichen und nach einer Wohnung zu fragen. Da werden wir erst im neuen Jahr einen Termin bekommen", erklärt Ramona Ferruggia aus Heilbronn. Gemeinsam mit Alexandra Kurz aus Heilbronn und Svenja Zeitz aus Neckarsulm möchte sie Jana schnellstmöglich ins Warme bringen.

 Wenn also jemand eine Wohnung hat, in der Jana ganz oder wenigstens übergangsweise einziehen darf, wäre das eine große Hilfe. Die Mädels sind erreichbar unter der Mailadresse dreiengelfuerjana@gmx.de und über ihre neue Gruppe "Drei Engel für Jana".

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