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Neckarsulm hängt Weihnachtsbeleuchtung auf – und die Energiekrise?

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Von: Anna-Maureen Bremer

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Die Weihnachtsbeleuchtung soll den Menschen Halt und eine Verschnaufpause bieten. Es gibt aber noch andere Gründe.
Die Weihnachtsbeleuchtung soll den Menschen in Neckarsulm Halt und eine Verschnaufpause bieten. Es gibt aber noch andere Gründe. © Neckarsulm

Die Stadt Neckarsulm entscheidet sich bewusst für die Weihnachtsbeleuchtung. Aber auch hier gibt‘s einen Kompromiss wegen der Energiekrise.

Ja, es sind härtere Zeiten. Ja, wir befinden uns mitten in einer Energiekrise, ist der viele Menschen Angst vor einem Blackout, andere nur vor der nächsten Stromrechnung haben. Und genau in dieser Zeit setzt die große Kreisstadt Neckarsulm mit einer deutlichen Mehrheit im Gemeinderat auf die ohnehin bereits auf LED-Technik umgestellte Weihnachtsbeleuchtung. Auch die Straßenbeleuchtung wird in diesem Winter zunächst nicht in der Zeit von 1 bis 5 Uhr abgeschaltet. Kann man das in diesem Jahr vertreten? Ja, sagen die Neckarsulmer, denn sie haben triftige Argumente.

Weihnachtsbeleuchtung trotz Energiekrise – Neckarsulm schmückt sich

In der Gemeinderatssitzung im Oktober kommt das Thema bereits zum zweiten Mal auf den Tisch. Als Weihnachten noch in weiter Ferne schien, wurde bereits beschlossen „Auch hier muss gespart werden.“ Wird es auch. Ein Kompromiss soll‘s lösen und so teilt die Stadt mit: „Zur Adventszeit wird es die Weihnachtsbeleuchtung in Neckarsulm in gewohntem Umfang, aber mit reduzierter Betriebszeit geben.“

Die Stadt und insbesondere Oberbürgermeister Steffen Hertwig möchte zum einen nach harten Corona-Jahren und einer andauernden Energiekrise den Bürgern etwas Normalität und damit Halt in der Adventszeit bieten. Kraft tanken bei Weihnachtsstimmung. Jetzt könnte einer sagen „Gibt‘s eben nicht in Krisenzeiten.“ Aber da gibt‘s noch auch noch andere Gründe, wirtschaftliche nämlich.

Einzelhandel und Gastronomie sollen in Neckarsulm von Weihnachtsstimmung profittieren

Der Einzelhandel und die Gastronomie sind noch immer gebeutelt. Lockdown, Maßnahmen und Corona-Angst haben die Kunden lange ferngehalten. Oberbürgermeister Steffen Herwtig: „Jetzt machen Energiekrise, Inflation und das schwache Konsumklima den Geschäften und Gaststätten zu schaffen. Gerade in dieser Situation ist es wichtig, den Einzelhandel zu unterstützen. Die Weihnachtsbeleuchtung setzt ein Zeichen der Hoffnung und vermittelt den Menschen ein Stück Normalität.“  

Um die Innenstadt zu beleben, hatte die Stadt die Weihnachtsbeleuchtung in der Kernstadt im Jahr 2020 komplett erneuert und neu konzipiert. In diesem Zuge wurden die alten Glühbirnen durch energiesparende LED-Lämpchen ersetzt. Die Weihnachtsbeleuchtung in den Stadtteilen Obereisesheim und Dahenfeld sowie im Wohngebiet Neuberg wurde im vergangenen Jahr überabeitet. Der Stadtteil Amorbach verfügt bereits seit 2019 über eine erneuerte Weihnachtsbeleuchtung. 

„Da die Weihnachtsbeleuchtung inzwischen komplett auf LED-Technik umgestellt ist, verbraucht diese Schmuckbeleuchtung ohnehin weniger Strom. Gleichwohl beschloss der Gemeinderat eine Kompromisslösung, um Energie einzusparen.“, heißt es in einer Pressemitteilung. „ So wird die Weihnachtsbeleuchtung zwar komplett montiert, die Betriebszeit in der Kernstadt aber reduziert. Die Weihnachtsbeleuchtung ist im Zeitraum zwischen dem letzten Sonntag (Totensonntag) vor dem ersten Advent und dem Dreikönigstag am 6. Januar in Betrieb. In der Innenstadt wird sie abends nur noch von 16.30 bis 21 Uhr (bislang 17 bis 23 Uhr) eingeschaltet.“

Für die Stadtteile und das Wohngebiet Neuberg beschloss der Gemeinderat eine abweichende Regelung, weil dort andere technische Gegebenheiten vorliegen. In den Stadtteilen und im Neuberg ist die Weihnachtsbeleuchtung an die Straßenbeleuchtung gekoppelt und bleibt daher wie bislang helligkeitsabhängig von etwa 17 bis 8 Uhr voll in Betrieb.

Zeitweises Abstellen der Straßenbeleuchtung in Neckarsulm technisch nicht möglich

Und die Straßenlaternen? Ursprünglich sollte die Straßenbeleuchtung im gesamten Stadtgebiet in der Zeit von 1 bis 5 Uhr abgeschaltet werden. Wie sich jedoch bei genauerer Betrachtung herausstellte, darf die Straßenbeleuchtung laut DIN-Vorschrift in bestimmten Bereichen aus Sicherheitsgründen nicht reduziert werden. An Fußgängerüberführungen, Querungshilfen und Wartezonen müssen die Straßenlaternen die ganze Nacht brennen.

Technisch ist es nicht ohne weiteres möglich, diese Beleuchtungspunkte separat zu steuern, um sie von der Abschaltung auszunehmen. Hierzu müssten von den rund 5600 Straßenlaternen im Stadtgebiet mehr als 4000 per Hand umgeklemmt werden. Für diese aufwändigen Arbeiten benötigt der städtische Bauhof insgesamt bis zu einem Jahr Zeit. Weil die Straßenbeleuchtung noch nicht einzeln geregelt werden kann, bleibt in diesem Jahr vorerst noch die komplette Straßenbeleuchtung in Betrieb. 

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