Drei Bomben, zwei Explosionen, vier Verletzte

Briefbomben an Lidl, Hipp und ADM Wild: Mann (66) in Heidelberg angeklagt

  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
    schließen

Ein 66-Jähriger soll im Februar Briefbomben an Lidl, Hipp und ADM Wild verschickt haben. Die Heidelberger Staatsanwaltschaft erhebt nun Anklage.

Update vom 26. Mai: Erst explodierte am 16. Februar eine Paketbombe bei ADM Wild im baden-württembergischen Eppelheim, einen Tag darauf ging nur rund 60 Kilometer weiter eine Briefbombe in der Zentrale von Lidl hoch — vier Mitarbeiter wurden dabei verletzt, einer sogar schwer. Eine dritte Paketbombe, adressiert an Hipp, konnte die Polizei am Münchner Flughafen abfangen und entschärfen, ehe auch sie am geplanten Zielort detonieren konnte.

Die Polizei hatte für die Ermittlungen eine Sonderkommission zusammengestellt, zeitweise waren über 100 Beamte im Einsatz. Am 19. Februar wurde ein 66-Jähriger aus Ulm als Tatverdächtiger festgenommen. Laut Staatsanwaltschaft wollte er Geld erpressen, indem er weitere Gewalttaten androhte. Der Elektriker in Rente soll die Briefbomben selbst gebaut haben, wie der SWR berichtet.

Die Staatsanwaltschaft Heidelberg wirft dem Mann Herbeiführen einer Sprengstoffexplosion, gefährliche Körperverletzung sowie versuchte schwere Körperverletzung vor. Bei einer Verurteilung drohen dem 66-Jährigen eine Freiheitsstrafe von bis zu 15 Jahren.

Briefbomben an Lidl, ADM Wild und Hipp: Verdächtiger festgenommen - Suche nach Tatmotiv

Update vom 21. Februar: Knapp fünf Tage sind seit der detonierten Briefbombe in der Lidl-Zentrale in Neckarsulm bei Heilbronn vergangen. Seit Samstag sitzt ein 66-Jähriger aus dem Raum Ulm in U-Haft. Ihm wird vorgeworfen, für die Angriffe auf Lidl und ADM Wild verantwortlich zu sein. Außerdem wurde eine dritte Post-Bombe, die an Hipp in Pfaffenhofen adressiert war, im Verteilzentrum beim Flughafen München entdeckt und entschärft. Auf allen Sendungen waren fiktive Absender angegeben.

Der mutmaßliche Täter äußert sich bisher nicht zu den Vorwürfen. Daher kann man über das Tatmotiv bisher nur rätseln. Die Ermittlungen laufen. Wie swr.de berichtet, liegen der Polizei noch keine neuen Erkenntnisse vor. Bisher wurden Beweismittel untersucht, die bei dem Mann zu Hause sichergestellt wurden.

Briefbombeb bei Lidl, ADM Wild und Hipp: Das ist über den Tatverdächtigen bekannt

Update, 20. Februar, 16.20 Uhr: Nach einer explodierten Paketbombe, einer hochgegangenen Briefbombe und einem vereitelten dritten Anschlag konnten die Ermittler heute einen Tatverdächtigen festnehmen. Was bislang über den mutmaßlichen Serien-Attentäter bekannt ist.

Nach Paketbomben-Serie: Ermittler schnappen Tatverdächtigen

Der 66-jährige Tatverdächtige stammt aus dem Raum Ulm. Er soll der Absender der gefährlichen Postsendungen sein, die in dieser Woche in Eppelheim und Neckarsulm für Verletzte sorgten. Eine dritte Paketbombe hatten Ermittler am Münchner Flughafen abgefangen und entschärft, ehe auch sie am geplanten Zielort detonieren konnte (siehe Erstmeldung weiter unten).

Nach den Explosionen bei ADM Wild in Eppelheim am 16. Februar und Lidl in Neckarsulm am 17. Februar hatte sich rasch eine 100 Mann starke Sonderkommission unter Leitung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg gebildet. Gemeinsam mit der Staatsanwaltschaft Heidelberg wurden die Ermittlungen übernommen.

Paketbombe an ADM Wild, Lidl und Hipp: Tatverdächtiger festgenommen

„Insbesondere die Ermittlungen zum Versandweg und zur Art der Sprengstoffpakete führten die Sonderkommission im Verlauf des 19. Februar auf die Spur“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung von LKA und Staatsanwaltschaft. Noch am gestrigen Freitagabend sei daraufhin die Festnahme des 66-jährigen Tatverdächtigen angeordnet worden. Außerdem sollte die Wohnung des Mannes durchsucht werden.

Der Tatverdächtige sei durch „Spezialkräfte der Polizei an seinem Wohnsitz widerstandlos festgenommen“ worden, heißt es weiter. Der Rentner war bislang polizeilich offenbar nicht in Erscheinung getreten. Er mache derzeit keine Angaben zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen. Er steht im Verdacht, drei explosive Postsendungen verschickt zu haben, die insgesamt vier Menschen verletzten.

Serientäter wohl festgenommen: Er verschickte die Briefbombe an Lidl in Neckarsulm

Aktuell dauere die Untersuchung der Beweismittel an, heißt es vom LKA. Offensichtlich waren die Ermittler bei der Durchsuchung der Wohnung des mutmaßlichen Serien-Attentäters fündig geworden. Gegen den Mann wurde Haftbefehl erlassen - er sitze nun im Gefängnis. Die Ermittler halten es nach eigenen Angaben offenbar für wenig wahrscheinlich, dass der Tatverdächtige noch weitere Paketbomben per Post verschickt hat.

Briefbomben an Lidl, ADM Wild und Hipp: Polizei jagt wohl Serien-Attentäter

Erstmeldung, 20. Februar, 11 Uhr: Ein gefährlicher Unbekannter hält derzeit die Polizei und Lebensmittelkonzerne in Deutschland in Atem. Nach zwei Explosionen und einer Entschärfung gehen die Ermittler mittlerweile von einem Serien-Attentäter aus. Alle Hinweise deuten bislang daraufhin. Nun warnt das Landeskriminalamt vor verdächtigen Postsendungen.

Am Dienstag ging der Albtraum los. Bei ADM Wild in Eppelheim in Baden-Württemberg explodiert eine Paketbombe*. Das berichtete auch heidelberg24.de*. Eine Person wurde hierbei verletzt. Am Mittwoch dann der Schock in Neckarsulm - nur rund 60 Kilometer weiter. Eine Briefbombe explodiert in der Zentrale von Lidl und verletzt drei Mitarbeiter des Discounters. Mehr als 100 Menschen befinden sich zum Zeitpunkt der Detonation im Gebäude und müssen anschließend evakuiert werden.

ADM Wild in Eppelheimexplodierte Paketbombe am 16. Februar
Lidl in Neckarsulmexplodierte Briefbombe am 17. Februar
Hipp in Pfaffenhofenentschärfte Paketbombe in der Nacht vom 17. auf den 18. Februar

Schon kurz danach werden beide Fälle in Verbindung gebracht. Die Ermittler können einen Zusammenhang zwischen den Explosionen in Eppelheim und Neckarsulm in Baden-Württemberg nicht ausschließen. Auch wenn er die Ermittlungen abwarten und keine voreiligen Schlüsse ziehen wollte - Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig mahnt schon am Tag nach der Explosion bei Lidl zur Vorsicht im Umgang mit verdächtigen Paketen und Briefen.

Nach Explosionen bei Lidl und ADM Wild: Ermittler entschärfen weitere Postbombe

Nur einen Tag später sollte erneut eine gefährliche Postsendung ihren Empfänger erreichen. Diesmal im Visier des mutmaßlichen Serien-Attentäters: der Babynahrungshersteller Hipp im bayrischen Pfaffenhofen. Diesmal wird eine Explosion der Postsendung zum Glück vereitelt. In München entschärfen Ermittler eine Paketbombe am Flughafen ehe sie ihr geplantes Ziel erreichen kann.

Das Landeskriminalamt Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heidelberg ermitteln nun in alle Richtungen. Ein Serien-Attentäter wird dabei aber wohl immer wahrscheinlicher. „Wir gehen von einem Tatzusammenhang aus“, heißt es in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Die kriminaltechnischen Untersuchungen an den beiden Tatorten in Eppelheim und Neckarsulm sowie der entschärften Sendung seien derzeit aber noch nicht abgeschlossen.

Briefbomben an Lidl, ADM Wild und Hipp: Serientäter am Werk? 100 Ermittler jagen ihn

Nun jagt eine 100 Mann starke Sonderkommission der Polizei den unbekannten Täter. Bislang würde alles darauf hinweisen, dass die Briefbombe an Lidl und die beiden Paketbomben an ADM Wild und Hipp an derselben Postannahmestelle in Ulm aufgegeben wurden, wie das Landeskriminalamt weiter mitteilt.

Auch die offenbar fiktiven Absender deuten wohl auf ein und denselben Täter bei allen drei Postsendungen hin. Nach Informationen der Bild-Zeitung sollen bei den Postsendungen Studentenwohnheime in Ulm, München und Augsburg als Absender angegeben worden sein. Der Täter schrieb demnach wohl auch ausgedachte Nachnamen auf die Pakete. Darunter laut Bild Merkel, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel - und Schwarz. Das ist auch der Nachname von Lidl-Gründer Dieter Schwarz.

Verdächtige Postsendung: LKA gibt Tipps nach Explosionen bei Lidl, ADM Wild und Hipp

Noch ist das Motiv hinter den Post-Bomben offenbar völlig unklar. Es gibt bislang keine Erkenntnisse darüber, dass eines der von den Explosionen betroffenen Unternehmen zuvor erpresst worden war. Derzeit gehen die Ermittler davon aus, dass „die Gefahr von weiteren sprengstoffverdächtigen Postsendungen wenig wahrscheinlich“ ist. Dennoch könne sie „nicht gänzlich ausgeschlossen werden“.

Das Landeskriminalamt veröffentlichte deshalb unlängst ein Informationsblatt, dass helfen soll, verdächtige Postsendungen besser einschätzen zu können. Darin heißt es: „Seien Sie sensibel im Umgang mit ungewöhnlichen Brief- und Paketsendungen.“ Außerdem empfahl das Landeskriminalamt Baden-Württemberg unter anderem bestimmte Verhaltenstipps:

Anhaltspunkte zur Verdachtsgewinnung (Quelle: Landeskriminalamt Baden-Württemberg)

Absender: Herkunft ungewöhnlich, Absender unbekannt oder nicht vorhanden; Aufschrift oder Handschrift ungewöhnlich, auffällige Schreibfehler; Vermerke wie „persönlich“, „vertraulich“ oder „nur von XY zu öffnen“

Beschaffenheit: ungewöhnliche Umhüllung, gefütterte Umschläge, Mehrfachverpackungen, Flächensteifheit, Drähte oder Dioden erkennbar; fettig erscheinende Flecken oder auffälliger Geruch am Umschlag; auffälliges Erscheinungsbild wie Schleifchen oder Bemalung

Zustellungsart: Zustellung durch Postversand oder professionelle Botendienste (Sendung hat „Belastung“ auf dem Postweg überstanden, sollte jetzt in abschließbarem Raum abgelegt und nicht mehr angefasst werden); Aushändigung durch unbekannte Dienste (Umgehend sicher ablegen, kein Aufenthalt in unmittelbarer Nähe); Ablage durch Unbekannte (nicht transportieren oder anfassen, Ablagebereich weitgehend absperren)

*echo24.de und heidelberg24.de sind Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema