Keine B27-Anschlussstelle für Neckarsulm

Neckarsulm kickt Millionenprojekt: B27-Anschluss wird doch nicht gebaut

Die Planungen für den Bau des B 27-Anschlusses „Binswanger Straße“ sollen nicht weiterverfolgt werden. In einer gemeinsamen Initiative nehmen Gemeinderat und Verwaltung Abstand von dem Großbauprojekt.
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Die Planungen für den Bau des B 27-Anschlusses „Binswanger Straße“ sollen nicht weiterverfolgt werden. In einer gemeinsamen Initiative nehmen Gemeinderat und Verwaltung Abstand von dem Großbauprojekt.
  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Der B27-Anschluss „Binswanger Straße“ für Neckarsulm ist seit 20 Jahren in Planung – nun hat der Oberbürgermeister verkündet: Das Großbauprojekt ist gecancelt.

Die Stadt Neckarsulm hat die Pläne für den bereits seit 20 Jahren geplanten Bau des B 27-Anschlusses „Binswanger Straße“ nun endgültig gekickt. In gemeinsamer Abstimmung mit den Fraktionsvorsitzenden und einer großen Mehrheit im Gemeinderat nimmt die Stadtverwaltung nun Abstand von dem millionenschweren Großbauprojekt, heißt es in einer Pressemitteilung der Stadt Neckarsulm.

In einer öffentlichen Sondersitzung des Gemeinderates erläuterte Oberbürgermeister Steffen Hertwig die Gründe für diesen Kurswechsel: „Im Laufe des jahrzehntelangen Planungsprozesses für den B 27-Anschluss haben sich die Rahmenbedingungen grundlegend verändert“, stellte Steffen Hertwig fest.

Dieses Projekt stammt aus einer anderen Zeit. Wir wollen das Verkehrssystem der Stadt Neckarsulm ganzheitlich neu betrachten und nach angepassten, verträglicheren Lösungen suchen, die nicht stadtzerstörend wirken. Daher empfehle ich dem Gemeinderat, von dem Bau des B 27-Anschlusses abzurücken,

Neckarsulmer Oberbürgermeister Steffen Hertwig.

Die Stadt hätte sich jetzt nochmals klar zu dem Projekt bekennen müssen, damit der Entwurf an den Bund weitergeleitet und genehmigt werden kann – dieses Bekenntnis wird es allerdings nicht geben. „Sowohl bei mir persönlich als auch im Gemeinderat hat ein Umdenken stattgefunden. Daher plädiere ich dafür, jetzt die Vorentscheidung zu treffen und die Hängepartie ein für allemal zu beenden“, erklärte Steffen Hertwig.

Keine B27-Anschlussstelle für Neckarsulm: Oberbürgermeister kickt das Großprojekt

Oberbürgermeister Steffen Hertwig und Bürgermeisterin Dr. Suzanne Mösel haben Verkehrsminister Winfried Hermann in einem persönlichen Gespräch über die endgültige Abkehr von dem Projekt informiert. „Für mich ist die Entscheidung nachvollziehbar und akzeptabel,“ so Verkehrsminister Hermann in einer ersten Reaktion, „sie erfordert aber jetzt verkehrsträgerübergreifende Ersatzlösungen!“

Das Projekt ist Bestandteil des Maßnahmenkonzepts im Mobilitätspakt Heilbronn/Neckarsulm – mithilfe des Konzepts sollen die Verkehrsprobleme vor Ort mithilfe eines nachhaltigen Mobilitätskonzeptes Schritt für Schritt gelöst werden. „Ich bin offen für neue und ganzheitliche und nachhaltige Lösungen. Mit der Abkehr vom geplanten Vorhaben zum Anschluss der Binswanger Straße an die B 27 müssen wir die Verkehrssituation entlang der Bundesstraße neu bewerten“, betont Verkehrsminister Hermann.

Neckarsulm Diese Gründe sprechen gegen den B 27-Anschluss  

Wie Steffen Hertwig in der Sondersitzung erläuterte, haben mehrere Gründe den Ausschlag gegeben, den B 27-Anschluss neu zu bewerten. Unter anderem auch die Corona-Krise, welche die Arbeitswelt nachhaltig verändert und durch die das hybride Arbeiten zunehmen wird – bereits heute wird häufig an zwei Tagen in der Woche von zu Hause aus gearbeitet. „Das wird unsere Straßen nachhaltig entlasten“, erklärte Steffen Hertwig.

Auch der Klimaschutz wirft ein neues Licht auf den B 27-Anschluss. „Wir müssen bei allen Überlegungen die Faktoren Klimaschutz und Nachhaltigkeit noch intensiver berücksichtigen“, forderte Steffen Hertwig. Im Zuge der überarbeiteten Entwurfsplanung musste das Straßenbauwerk aufgrund neuer Richtlinien noch größer dimensioniert werden, sodass entsprechend mehr Fläche versiegelt worden wäre. „Das wäre zweifelsohne ein schwerwiegender Eingriff. Mit dem gestärkten Bewusstsein für den Klimaschutz und die notwendige Mobilitätswende sind diese Planungen nicht mehr zu vereinbaren“, urteilte OB Hertwig.

Keine B27-Anschluss für Neckarsulm: Millionen sollen anders investiert werden

Mit der endgültigen Abkehr von dem umstrittenen Projekt eröffnen sich neue Möglichkeiten. „Wir werden die Verkehrssituation in Neckarsulm jetzt im Mobilitätspakt neu betrachten“, kündigte Steffen Hertwig an. Verkehrsminister Winfried Hermann hat bereits angeboten, die Verkehrsprobleme bei einem Besuch in Neckarsulm persönlich mit dem Oberbürgermeister zu erörtern und nach Lösungsmöglichkeiten zu suchen. „Auch diese Alternativlösungen werden Geld kosten“, betonte der Oberbürgermeister. „Insofern können wir die Millionen, die wir durch den Verzicht auf den B 27-Anschluss einsparen, sehr gut an anderer Stelle einsetzen.“      

Entlastung durch das Großprojekt „B 27-Anschluss“ hatten sich vor allem die verkehrsgeplagten Anwohner der Neuenstädter Straße und der Binswanger Straße erhofft. „Der B 27-Anschluss hätte den Verkehr in der Innenstadt nachweislich verringert“, stellte Steffen Hertwig klar, „ich kann verstehen, dass die Projektbefürworter jetzt enttäuscht sind.“ Um mit den Betroffenen ins Gespräch zu kommen und deren Fragen zu beantworten, bietet der Oberbürgermeister nach der Sommerpause ein Gesprächsformat an. „Ich nehme die Sorgen und Bedenken der enttäuschten Projektbefürworter ernst und stelle mich auch möglicher Kritik.“

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