Neckarsulm strebt Veränderung der Bäderlandschaft an

AQUAtoll-Abriss? Stadt Neckarsulm setzt auf drei Optionen

Besucher haben Badespaß im Aquatoll
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Badegäste müssen wohl bald auf den Badespaß verzichten – das AQUAtoll soll möglicherweise abgerissen werden.
  • VonFabio Bernhardt
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Müssen sich Badegäste auf eine Veränderung gefasst machen? Der Gemeinderat der Stadt Neckarsulm beschäftigt sich derzeit intensiv mit der Zukunft der Bäderlandschaft.

Plantschgefahr: Das Erlebnisbad AQUAtoll in Neckarsulm ist in der Region als Wasserpark mit Schwimmbecken, einem Kinderbereich im Piratenstil und Wellnessanwendungen wie die Saunawelt bekannt. In einer Pressemitteilung der Stadt Neckarsulm wird berichtet, dass der Gemeinderat über eine Komplettsanierung des AQUAtoll diskutiert – konkrete Pläne liegen inzwischen vor.

Entschieden ist allerdings noch nichts. Am 28. April fällt der Gemeinderat seine endgültige Entscheidung über den Abriss des Erlebnisbads. Die Stadt Neckarsulm und der Gemeinderat sind sich einig, die Bäderlandschaft neu auszurichten. Dabei verfolgen sie ein genaues Ziel. Aus der Pressemitteilung geht hervor, dass es weiterhin ein Schwimm- und Bewegungsangebot für die Bürger geben soll - in welchem Format muss noch entschieden werden.

Erlebnisbad der Zukunft: Komplettsanierung oder Abriss des AQUATolls

Über die Umsetzung der Komplettsanierung (Variante 1) des AQUAtoll hätte sich Neckarsulms Oberbürgermeister Steffen Hertwig sehr gefreut. „Die Komplettsanierung des AQUAtoll Erlebnisbades wäre mein Wunsch und mein Traumziel“, betont Hertwig. Erhöhte Baukosten, höhere Nebenkosten im Betrieb und zusätzlicher Sanierungsaufwand erschweren aber das Vorhaben.

In der Realität betrachtet endet der Traum in einer finanziellen Sackgasse – Gesamtinvestitionsaufwand bis zu 37,5 Millionen Euro: „Wir können uns die Komplettsanierung unter den veränderten Rahmenbedingungen (Anmerkung der Redaktion: erhöhte Baukosten, höhere Nebenkosten im Betrieb und zusätzlicher Sanierungsaufwand) nicht leisten. Andererseits kann ich mir nur das kommunale Bäderlandschaf (Variante 2) als kleine Lösung auch nicht vorstellen.“

Bei der Variante 2 wird das Lehrschwimmbecken in Amorbach für den weiteren Betrieb neu hergerichtet und in Obereisesheim könnte dies auch saniert werden. Die Becken im Ernst-Freyer-Bad müssen zudem in jedem Fall mittelfristig saniert werden. Investitionskosten dieser Handlungsoption belaufen sich auf 10,75 Millionen Euro.

Wie geht es mit dem AQUAtoll weiter? Wilfenseebad voraussichtlich die beste Variante

Oberbürgermeister Hertwig hält daher „das Wilfenseebad (Variante 3) als Kompromisslösung am sinnvollsten“.  Aus Sicht von Hertwig eröffnet das Wilfenseebad neue Möglichkeiten. Das neue Bad richtet sich an Neckarsulmer Schulen, Vereine, Familien und Freizeitgruppen. Damit bleibt neben dem AQUAtoll Sportbad und dem Ernst-Freyer-Bad ein weiteres Schwimm- und Sport- beziehungsweise Bewegungsangebot für alle Altersgruppen erhalten. Das war auch ausdrücklich Wunsch der Bürgerbegleitgruppe, die 2018 Empfehlungen zum AQUAtoll der Zukunft erarbeitet hatte.

„Gesundheitsförderung, Fitness und Bewegung sind wichtige Funktionen, die sich die Neckarsulmer Bevölkerung wünscht“, so Steffen Hertwig. „Wenn wir diese Funktionen wegen der veränderten Rahmenbedingungen nicht mehr im AQUAtoll gewährleisten können, müssen wir diese an anderer Stelle und in konzentrierterer Form sicherstellen.“

Sitzung über mögliche Variante vertagt: Oberbürgermeister Hertwig an Corona erkrankt

Am Dienstag, den 3. März, hätte der Gemeinderat der Stadt Neckarsulm eigentlich die drei Varianten vorgeschlagen und erörtert. Aufgrund einer Corona-Erkrankung von Oberbürgermeister Hertwig wurde diese nun auf den 21. März verschoben. Hier wird dann genau darüber diskutiert, welche Variante am sinnvollsten wäre. Es bleibt also erstmal abzuwarten, ob das AQUAtoll für immer geschlossen und abgerissen oder doch neu Kernsaniert (Variante 1) wird.

Die endgültige Entscheidung fällt am 28. April. In diesem Fall muss der Gemeinderat entscheiden, ob nur noch die Lehrschwimmbecken in Amorbach und Obereisesheim sowie das Ernst-Freyer-Bad als kommunale Bäderlandschaft (Variante 2) erhalten bleiben und saniert werden – oder ob das AQUAtoll durch ein neues, reines Schwimmbad, das Wilfenseebad (Variante 3) ersetzt werden soll. Eins steht fest: „Mit dem Wegfall des AQUAtoll würde die Stadt ein touristisches Alleinstellungsmerkmal verlieren“, so Hertwig.