Stadt Heilbronn ergreift Maßnahmen

„Party“ auf dem BUGA-Gelände: Anwohner macht auf Facebook seinem Ärger Luft

Fotos:BUGA Heilbronn
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Auf dem ehemaligen BUGA-Gelände in Heilbronn entsteht das Stadtquartier Neckarbogen. (Symbolbild)
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    VonLisa Klein
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Ein Anwohner des Neckarbogens macht auf Facebook seinem Ärger über abendliche Lärmbelästigung Luft. Die Stadt Heilbronn hat bereits Maßnahmen ergriffen.

Das ehemalige BUGA-Gelände in Heilbronn zieht auch heute noch mit seiner Idylle täglich zahlreiche Besucher an, die über das Gelände schlendern und die Architektur des „Neckarbogens“ bewundern. Auch am Abend ist der Neckarbogen ein beliebter Treffpunkt, vor allem für Jugendliche. Doch die Treffen sind nicht immer ruhig und friedlich — laut eines Anwohners des Stadtquartiers treffen sich teilweise größere Gruppen mit ihren aufgemotzten Autos auf dem Gelände, machen noch zu später Stunde Lärm und hinterlassen völlig achtlos ihren Müll. Ein Anwohner macht nun seinem Ärger auf Facebook Luft.

Lärm auf dem BUGA-Gelände: Anwohner macht auf Facebook seinem Ärger Luft

„Es ist nicht cool, auch nicht geil, wenn hier einige bestimmte Personen meinen, sie könnten hier nachts mit lauter Musik, röhrenden aufgemotzten Autos, schreiend und pöbelnd vor den Gebäuden rum rasen“, schreibt Alex Schroers in einem offenen Brief in der Facebook-Gruppe „Du bist aus Heilbronn wenn...“, mit der Hoffnung, so die Verantwortlichen zu erreichen.

Und weiter: „Ihr habt oft eine aufgemotzte Anlage im Auto, die so einen Bass absondert, dass man das sogar im obersten Stock mit geschlossenem Fenster deutlich wahrnimmt. (...) Man hört jedes Wort.
Spricht euch dann mal ein Anwohner an, dass ihr bitte leise sein solltet, werden diese auch noch angepöbelt.“

Neben der Lärmbelästigung stört Schroers, dass auch jede Menge Müll auf dem Gelände hinterlassen wird. Und das alles, obwohl der Bereich rund um die Theodor-Fischer-Straße eigentlich eine „Anlieger Frei“-Zone ist — heißt: ohne ein begründetes Anliegen darf der Bereich nicht befahren werden. Der Anwohner behauptet, die Stadt Heilbronn, das Ordnungsamt und die Polizei würden nicht Handeln, „obwohl Anwohner sich seit Tagen, Wochen, gar Monate bei den Zuständigen beschweren“.

Neckarbogen als abendlicher Treffpunkt: Stadt ergreift Maßnahmen zum Schutz der Anwohner

Auf Anfrage von *echo24.de hat sich die Stadt zu den Vorwürfen geäußert: „Den Vorwurf des Schreibers, die Stadt, Polizei und Ordnungsamt würden sich seines Anliegens nicht annehmen, obwohl Anwohner sich seit Tagen, Wochen, gar Monate bei den Zuständigen beschwerten, entspricht nicht den Tatsachen. Im Gegenteil: Die Stadtverwaltung und die Polizei nehmen das Thema bereits seit Langem sehr ernst, verfolgen Ordnungsstörungen im Neckarbogen konsequent und stehen auch im Dialog mit den Anwohnern“, sagt Claudia Küpper, die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Heilbronn.

Claudia Küpper gibt zudem einen Überblick über die getroffenen Maßnahmen:

  • Die Polizei hat den Neckarbogen in die Brennpunkt-Überwachungsliste aufgenommen und nimmt regelmäßig die Poser-Szene ins Visier. Hinweise von Anwohnern auf Treffpunkte dieser Szene in Heilbronn greift die Polizei immer wieder auf und führt entsprechende Kontrollen durch.
  • Das Ordnungsamt hat in den letzten Wochen zudem zahlreiche Hinweise auf Autoposer – auch im Wohnquartier Neckarbogen – an die Landespolizei gemeldet. Bei der städtischen Bußgeldstelle im Ordnungsamt gehen immer wieder Anzeigen der Landespolizei über erloschene Betriebserlaubnisse von Fahrzeugen sogenannter Autoposer ein, die auf nicht zulässigen Veränderungen an den Fahrzeugen beruhen.
  • Das Wohnquartier „Neckarbogen“ stellt einen Einsatzschwerpunkt des Kommunalen Ordnungsdienstes (KOD) sowie des Verkehrsüberwachungsdienstes (VÜD) des Ordnungsamtes dar. Die verstärkte Kontrolltätigkeit hat in diesem Jahr bereits zu mehr als 1.200 gebührenpflichtigen Verwarnungen wegen Falschparkens im Bereich des Neckarbogens geführt.
  • Des Weiteren wird gegen festgestellte Ordnungsstörungen jeglicher Art (z.B. Müllablagerungen, Lärm usw.) eingeschritten.
    Das Betriebsamt stellt zusätzliche Mülleimer im Neckarbogen bereit.

Ein letzter Punkt bleibt allerdings mehr oder weniger offen — das Problem mit der „Anlieger frei“-Zone: „Der Nachweis, dass jemand gegen das ,Anlieger frei‘ verstößt, ist leider schwer zu führen. Denn als Anliegen zählt auch ein Besuch beim Bäcker oder das Parken auf den öffentlichen Parkplätzen“, heißt es vonseiten der Stadt.

Neckarbogen als abendlicher „Poser“-Treffpunkt: Polizei hat das Stadtquartier im Blick

Auch die Polizei Heilbronn äußert sich zum Thema Lärmbelästigung auf dem BUGA-Gelände: „Die Anwohner müssen grundsätzlich keinen Lärm erdulden, welcher über das gesetzlich erlaubte Maß hinaus geht. Die Anwohnerinnen und Anwohner können sich darauf verlassen, dass wir sowie auch die zuständige Stelle bei der Stadt Heilbronn die Beschwerden ernst nehmen und bei Verstößen tätig werden“, erklärt Carsten Diemer, stellvertretender Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit auf *echo24.de-Anfrage

Mögliche Konsequenzen, die im geschilderten Fall des Anwohners für die Verantwortlichen drohen können, „sind Anzeigen wegen der Benutzung des gesperrten Verkehrsbereichs sowie wegen Parkens im gesperrten Verkehrsbereich. Darüber hinaus kommen noch anderweitige Verkehrsverstöße sowie Zuwiderhandlungen gegen die jeweils geltenden Vorschriften im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie in Betracht. Wenn es derzeit zu nicht erlaubten Ansammlungen kommt sowie bei Ruhestörungen oder sonstigem Fehlverhalten, kann die Polizei nach pflichtgemäßen Ermessen tätig werden.“

Polizei kontrolliert das Stadtquartier Neckarbogen auf dem ehemaligen BUGA-Gelände regelmäßig

Und welche Maßnahmen werden durch die Polizei konkret getroffen? Diemer erklärt, „der Neckarbogen wird regelmäßig im Rahmen der dienstlichen Möglichkeiten überprüft. Zudem werden regelmäßig Sonderkontrollen im Bereich der sogenannten Poserszene im gesamten Stadtbereich durchgeführt. Die Kontrollen finden teilweise auch mit Zivilfahrzeugen statt und sind deshalb nicht für jeden ersichtlich.“

Tatsächlich hat die Polizei damit zu kämpfen, dass die Maßnahmen nicht immer auf Verständnis bei den Beteiligten treffen. „Die Erfahrung hat aber gezeigt, dass die Personen(gruppen) grundsätzlich auf unser Einschreiten reagieren, weshalb wir weiterhin präsent sein werden.“ Den Anwohnern rät Carsten Diemer „uns in begründeten Fällen, beispielsweise bei Ordnungsstörungen oder wenn ein persönliches Gespräch erfolglos bleibt, zu informieren.“

Stadt Heilbronn ergreift Maßnahmen zur Erhaltung der Lebensqualität im Neckarbogen

„Insgesamt ist der Stadt eine hohe Wohn- und Aufenthaltsqualität im Neckarbogen ein wichtiges Anliegen. Den Kontrollen kommt daher ein hoher Stellenwert zu. Grenzen werden jedoch durch die Größe des Heilbronner Stadtgebietes und die personellen Ressourcen gesetzt“, erklärt die stellvertretende Pressesprecherin der Stadt Heilbronn.

Stadtquartier Neckarbogen in Heilbronn

Das Heilbronner Stadtquartier Neckarbogen wurde im Zuge der Bundesgartenschau 2019 erschlossen und besteht bislang aus 22 Gebäuden. In einem zweiten Bauabschnitt sollen laut der Stadt Heilbronn zwischen Floßhafen und Paula-Fuchs-Allee auf drei Baufeldern 28 weitere Gebäude entstehen. 

Insgesamt sollen 3.500 Bewohner im Stadtquartier ein Zuhause finden können und Arbeitsplätze für etwa 1.000 Menschen geschaffen werden. Auch eine Schule soll in dem neuen Stadtquartier errichtet werden: Mit dem Bau der Josef-Schwarz-Schule, finanziell unterstützt von der Dieter-Schwarz-Stiftung, soll noch in diesem Jahr begonnen werden — eine Fertigstellung ist für das Jahr 2023 geplant.

Anwohner dürfen und sollen sich laut Claudia Küpper weiterhin mit ihren Anliegen an das Ordnungsamt wenden: „Beim Auftreten konkreter Ordnungsstörungen kann der Kommunale Ordnungsdienst sowie der Verkehrsüberwachungsdienst unter Telefon 56-2050 erreicht werden. Außerhalb der üblichen Dienstzeiten – insbesondere an Wochenenden und nachts – können KOD und VÜD über die Landespolizei erreicht werden.“

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