Lappen weg? 

Null Chance: Keiner packt die MPU ohne Beratung 

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Ungewöhnliches Erscheinungsbild für einen MPU-Berater: Andreas Lang identifiziert sich mit seinen Kunden und tut (fast) alles, damit sie ihren Führerschein wiederbekommen.
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Was passiert eigentlich beim "Idiotentest"? Ist er wirklich nicht zu schaffen? Wir haben mit einem Berater gesprochen. 

Es stimmt tatsächlich! Wer vorher nicht zum Berater geht, hat kaum eine Chance, nach der Medizinisch-Psychologischen Untersuchung (MPU) seinen Führerschein wiederzusehen. Aber was passiert da überhaupt? Ein Beispiel: "Guten Tag, warum sind Sie heute hier, warum müssen Sie zur MPU?" - "Ich möchte meinen Führerschein wiederhaben." - Und tschüss. Das war's. Der Kandidat sieht seinen Lappen nicht wieder. Auch die Antwort "Ich war zu schnell", ist nicht ausreichend. Warum ist das so? 

Er hat selbst zwei mal den Lappen abgegeben

Andreas Lang aus Leingarten bereitet seit Jahren Menschen auf die Untersuchung vor. Er weiß, wie unangenehm es ist, die Fahrerlaubnis abzugeben - musste er doch zweimal selbst aufs Autofahren verzichten. Der 33-Jährige erklärt: "Wer zur MPU muss, der war nicht nur ein bisschen zu schnell, sondern hat mehrfach ganz deutlich gegen die Verkehrsregeln verstoßen." UND: "Oft sind Alkohol oder Drogen im Spiel. Da steckt in den meisten Fällen viel mehr dahinter als nur ein bisschen Zeitdruck." 

Mussten Sie Ihren Führerschein schon mal abgeben?

Viele Kunden brechen in Tränen aus

Das sehen die meisten Fahrsünder im ersten Moment weder ein noch ist es ihnen bewusst. "Die Sprüche sind oft die gleichen. 'Ich hatte es halt eilig.'" Lang wird in seinem Berater-Job schnell zum persönlichen Psychologen seiner Kunden. "Um sie gut auf die Untersuchung vorzubereiten, muss ich sie richtig kennenlernen und nachhaken. Da saß schon so mancher bei mir und war am Boden zerstört." 

Führungskräfte, Frauen aus höchster Position und gestandene Männer lassen sich von ihm beraten. "Und wenn man ein bisschen nachhört, bröckelt die Fassade." Lang weiß wovon er spricht. Er selbst musste den Führerschein wegen Alkohol am Steuer abgeben. Er gibt zu: "Mir musste das zweimal passieren, bis ich kapiert habe, dass es dabei nicht nur um den Führerschein geht, sondern dass ich in meinem ganzen Leben etwas ändern muss. Mittlerweile trinke ich keinen Tropfen mehr." 

Dieser Typ bereitet auf den MPU vor

Cool bleiben

Bei der MPU geht es überhaupt nicht darum, zu sehen, ob einer zu "blöd" für den Straßenverkehr ist. Es wird geprüft, ob echte Einsicht zum Fehlverhalten da ist. Es wird getestet, ob das Risiko besteht, dass ein Fahrer erneut sich und andere gefährdet und ob er die Nerven behält. "Die Fragen können einen schon auf die Palme bringen", sagt Lang und schmunzelt. "Deshalb ist es so wichtig, vorher mit dem Berater genau durchzugehen, was auf einen zukommt. Die fragen nämlich mehrfach das Gleiche: Was war an dem Tag auffällig? Warum waren Sie zu schnell? Wer da widersprüchlich antwortet, ist raus." 

Peinlich

"Viele schämen sich natürlich dafür, dass sie zum "Idiotentest" müssen", sagt Andreas Lang. "Bei mir muss sich gar niemand schämen, ich hab's ja selbst schon verbockt. Die Leute sollen mir vertrauen, und ich schütze im Gegenzug ihre Anonymität. Ich gehe zu meinen Kunden nach Hause zur Beratung oder wir skypen. Ist doch klar, dass ein Geschäftsführer nicht das Risiko eingehen möchte, bei einer Gruppenberatung - das ist sowieso ein Unding - erkannt zu werden." 

Kostenpunkt

Ganz schön bitter: Zur Geldstrafe und dem Entzug der Fahrerlaubnis kommen die Kosten für die Beratung und die Kosten für die MPU - allein diese belaufen sich auf rund 500 Euro. Lang: "Ich ziehe meinen Kunden das Geld nicht aus der Tasche. Ich bin mit der günstigste Berater in der Gegend. Es gibt genug andere, die sich an der bescheidenen Situation der Leute bereichern. Das ist einfach nicht mein Ding." Stattdessen spendet der zweifache Familienvater 50 Euro von jeder Kundenberatung an das Kinderhospiz. Lang: " Manche brauchen nur wenige Termine, andere betreue ich über ein halbes Jahr." 

Wenn er spricht, ist ihm anzusehen, dass er seinen Beruf lebt und darin eine Herzenssache sieht. Er sagt: "Es ist einfach toll, dass ich den Kunden oft viel mehr wiedergeben kann als nur ihren Führerschein." 

Mehr Infos zur Beratung gibt es hier

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