Einfach nur skrupellos und gar nicht sozial

Trödelstube als Müllhalde missbraucht!

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Die Leute legen Dinge ab, die wirklich kein Mensch mehr haben will. Nun muss die Trödelstube schließen.

Bevor Inge Hofmann die Tür zur Meseno-Trödelstube aufschließt, stockt ihr der Atem: Vor dem Eingang liegt eine völlig verratzte Tasche - randvoll mit Geschirr-Scherben. "Manchmal sind es auch Kleidungsstücke, die kaum mehr als Lumpen sind. Oder Kindersitze, die verkotet oder voller Erbrochenem sind. Und immer wieder stellen die Leute alte, kaputte und verschmutzte Küchengeräte ab. Alles Dinge, die wirklich niemand mehr haben will", berichtet Hofmann. Und genau solche widerlichen Entdeckungen häufen sich in den vergangenen Jahren immer mehr. 

Trödelstube als Müllhalde missbraucht!

Der Grundgedankte hinter der Meseno-Trödelstube in der Hugo-Rümelin-Straße 4 in Heilbronn ist aber ein ganz anderer: "Die Leute sollen hier Dinge abgeben, die sie nicht mehr brauchen, die aber anderen Menschen noch nützlich sind", erklärt Luzie Sachsenheimer von der Meseno-Verwaltung. Ob das dann Bücher, Kleidungsstücke, Puppen, Inlineskates oder kleine Haushaltsgeräte sind, ist völlig egal. Sachsenheimer: "Das gute Material verkaufen wir dann sehr günstig in unserer Trödelstube und finanzieren damit unsere sozialen Projekte wie Kinderbetreuung und die Unterstützung wirtschaftlich schlecht gestellter Menschen. Schließlich bedeutet die Namensabkürzung der Stiftung Meseno "Menschen in seelischer Not".

Seit 1996 gibt es die Trödelstube im Heilbronner Süden. Zum 30. Juni wird sie schließen. Sachsenheimer: "Wir können einfach nicht mehr wirtschaftlich arbeiten. Auch wir müssen als Stiftung Müllgebühren bezahlen. Und wenn die Leute einfach Ramsch bei uns abladen, geht einiges von den Einnahmen aus dem Verkauf wieder drauf. Wenn man dann noch die Miete und die Löhne für die Mitarbeiter abzieht, lohnt sich der ganze Aufwand nicht mehr."

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Einer der Gründe: "Die Leute verkaufen ihre guten Sachen bei eBay und versuchen auf diesem Weg noch ein paar Euro zu verdienen. Was sie online nicht reinstellen können, bringen sie zu uns. Das war zur Eröffnung vor der Jahrtausendwende noch anders", erklärt Hofmann. Der soziale Gedanke hinter den Sachspenden kommt dabei entschieden zu kurz.

Nicht nur wirtschaftlich ist die baldige Schließung der Trödelstube ein Verlust. Sachsenheimer: "Die Leute kommen gerne zum Stöbern her, entdecken regelrechte Sammlerschätze. Und unsere Mitarbeiter haben immer ein offenes Ohr für Sorge und Nöte." Doch bis jetzt haben Leute auch immer wieder regelrechte Kleinode gebracht. Viele sind aber aus der Zeit gefallen. Hofmann: "Für schöne, alte, aufwendig gestaltete Vasen gibt es kaum Abnehmer, auch wenn wir sie für einen Bruchteil des ursprünglichen Verkaufspreises anbieten." Bis Ende Juni läuft der Ausverkauf - und einige schöne Sammlerstücke gibt es auf der Zielgerade durchaus noch abzustauben.

Und wie geht es weiter für Meseno? "Wir werden uns stärker auf unsere Sozialarbeit und unseren Sozialladen konzentrieren", berichtet Sachsenheimer. Denn der Laden in der Zeppelinstraße 22 in Heilbronn, in dem wirtschaftlich schwach Gestellte günstig Lebensmittel kaufen können, besteht weiter. Und Hofmann ergänzt: "Auch hier haben wir natürlich weiterhin ein offenes Ohr für alles, was die Menschen beschäftigt."

Information

Noch bis zum 24. Juni hat die Trödelstube geöffnet. Ab dem 7. Juni sind die Öffnungszeiten mittwochs bis freitags von 15 bis 18 Uhr sowie samstags von 10 bis 13 Uhr.

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