Bus- und Bahnfahrscheine für umme

Neuer Trend: Heilbronner verschenken ihre Bus-Tickets

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Neuer Trend in Heilbronn: An Bushaltestellen sind immer mehr gebrauchte Tageskarten zu finden, die noch gültig sind.
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    Anna-Maureen Bremer
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Einmal Fahrkarte to go, ohne dafür zu bezahlen? Das gibt es jetzt in der Käthchenstadt immer öfter zu sehen.

Berlin. Köln. München. In Großstädten gibt's diesen Trend schon länger. Gebrauchte Fahrkarten mit Gültigkeit werden immer seltener weggeschmissen. Die Second-Hand-Tickets werden günstig weiterverkauft oder teilweise auch verschenkt. Bus- und Bahntickets to go, ohne dafür zu bezahlen? Gibt's jetzt auch in Heilbronn.

Andre K. ist einer dieser Pendler, der anderen Menschen was Gutes tun möchte. Auch er verteilt seine gebrauchten Tageskarten und hängt sie an Bushaltestellen aus. K. berichtet: "4,60 Euro für zwei Fahrten sind einfach zu viel. Ich lebe mit meinen zwei Kids alleine und weiß jeden Cent zu schätzen."

Was haltet ihr von dieser Aktion?

Angefangen hat alles durch eine Selbsterkenntnis: "Ich habe meine Fahrkarten immer in den Müll geschmissen. Obwohl sie noch gültig waren. Das ging mir so auf den Zeiger! Irgendwann dachte ich mir: Vielleicht kann sie ja einer gebrauchen." Und der Bedarf ist da. Andre K.: "Die Karten sind immer schnell weg."

Doch die Robin-Hood-Taktik findet nicht nur Freunde. Andre K. bekommt auch Gegenwind. Vor allem über die sozialen Netzwerke erreichen den alleinerziehenden Vater von zwei Kindern negative Kommentare. "Klar, ich habe auch Kritik geerntet. Aber das ist es mir wert. Ich möchte etwas bewegen. Und es ist ein tolles Gefühl, den Leuten geholfen zu haben, die sich teure Fahrkarten nicht leisten können."

Ebenfalls wenig begeistert von der Aktion ist der HNV (Heilbronner Hohenloher Haller Nahverkehr). Geschäftsführer Gerhard Gross gegenüber echo24.de: "Zulässig ist das nicht, da die Tageskarten nicht übertragbar sind. Wir kennen auch Fälle, bei denen die Karten dann etwas günstiger weiterverkauft werden, wenn sie nicht mehr gebraucht werden. Der Gedanke des Mannes mag ja nett sein - gut heißen können wir es aber nicht."

Andre K. zeigt sich davon relativ unbeeindruckt: "Ich mache das weiterhin. Das ist eine gute Sache für die Leute, denen das Geld für öffentliche Verkehrsmittel fehlt. Ich stehe für Menschlichkeit, und die stehen für Habgier." Und: Er ist nicht der einzige. Nachahmer hat er auch schon gefunden. Andre K.: "Ich kenne viele, die sich der Aktion angeschlossen haben."

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