Discounter in der Verantwortung

Zwangsarbeit und Ausbeutung bei Lidl? Bund drängt, Lieferketten nachzubessern

Links: Ein Baumwollpflücker arbeitet bei der Ernte auf einem Feld. Rechts: Eine Werbetafel einer Lidl Filiale.
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Der Discounter Lidl soll Beziehungen zu Unternehmen in China gehabt haben, die Zwangsarbeiter einsetzen (Collage/Symbolbild).
  • Sina Alonso Garcia
    VonSina Alonso Garcia
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Nachdem gegen Lidl und andere Großunternehmen schwere Vorwürfe bezüglich Zwangsarbeit erhoben wurden, schaut die Bundesregierung in Zukunft genauer auf mangelhafte Lieferketten.

Neckarsulm - Ende 2021 geriet der Discounter Lidl* wegen angeblicher Zwangsarbeit und Ausbeutung in die Kritik. Den Stein ins Rollen brachte die Menschenrechtsorganisation European Center for Constitutional and Human Rights (ECCHR), die schwere Vorwürfe der „Versklavung“ gegen Lidl* erhob. In einer Anzeige beim Generalbundesamt erklärte ECCHR, Lidl würde seine Textilprodukte von uigurischen Zwangsarbeitern beziehen (BW24* berichtete). Die Strafanzeige richtete sich nicht nur gegen Lidl, sondern gegen mehrere deutsche Textil- und Lebensmittelhändler.

Hintergrund sind die Geschäftsbeziehungen, die die deutschen Unternehmen zur Region Xinjiang in China unterhalten. An der westchinesischen Grenze zu Kasachstan werden hunderttausende Uiguren (türkischsprachige Ethnie, die nahezu vollständig dem islamischen Glauben angehört, Anm.d.Red.) in sogenannten „Umerziehungslagern“ eingesperrt. Auf den Feldern der Region Xinijang pflücken rund eine halbe Million Uiguren in den Monaten September bis November Baumwolle - größtenteils von Hand und gegen ihren Willen. Die chinesische Regierung bestreitet derweil die Existenz von Zwangsarbeit in der Region*. 

Lidl und Co. in der Verantwortung - Bundesregierung bringt bis 2023 neues Lieferkettengesetz

Seit dem Jahr 2017 geht die chinesische Regierung gegen die Uiguren und andere ethnische Minderheiten mit islamischem Glauben mit Verfolgung und Umerziehung vor. Durch die Beziehungen zwischen Lidl* und den Textilunternehmen in Xinjiang wird dem Discounter mit Sitz in Baden-Württemberg* vorgeworfen, aktiv die Politik des chinesischen Regimes in Xinjiang unterstützt zu haben.

Inzwischen hat Lidl den chinesischen Zulieferbetrieben gekündigt, wie das Handelsblatt berichtet. In der Verantwortung steht das Unternehmen jedoch nach wie vor. Die Bundesregierung hat im vergangenen Juni ein Gesetz verabschiedet, das deutschen Unternehmen in Zukunft ein verantwortungsvolleres Management ihrer Lieferketten vorschreibt. Zum kommenden Jahreswechsel wird das Gesetz in Kraft treten. Bis dahin haben die Großunternehmen noch Zeit, ihre Lieferketten abzusichern. Bei Verstoß drohen Bußgelder von bis zu zwei Prozent des Jahresumsatzes und der Ausschluss von öffentlichen Aufträgen für bis zu drei Jahre.

Lieferkettengesetz: Rund 2.900 deutsche Firmen betroffen

Konkret betrifft das neue Lieferkettengesetz Unternehmen in Deutschland mit mehr als 3.000 Beschäftigten. Bereits bis zum Jahr 2024, ein Jahr nach Inkrafttreten des Gesetzes, wird die Schwelle auf 1.000 Mitarbeiter pro Unternehmen gesenkt. Laut Handelsblatt sind zunächst rund 2.900 deutsche Firmen von dem Gesetz betroffen. *BW24 ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

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