Discounter mit vermeintlich harmloser Anzeige

Kundin rastet wegen Lidl-Werbung total aus – „unseriöse Bauernfängerei“

  • Julia Thielen
    VonJulia Thielen
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Lidl schaltet eine vermeintlich harmlose Werbung. Doch aus einem bestimmten Grund schmeckt die einer Kundin überhaupt nicht.

Dass die Marketing-Menschen bei Lidl wissen, wie man Werbung macht, ist kein Geheimnis. Immer wieder begeistert der Discounter mit lustigen und kreativen Spots. Besonders, wenn diese - wie beispielsweise zum Valentinstag geschehen - einen Seitenhieb auf die Konkurrenz enthalten, werden Videos im Netz oft gefeiert. Das war auch bei dem fiesen Rap-Song eines Lidl-Mitarbeiters nicht anders. Trotzdem: Manchmal greift der Lebensmittel-Riese auch gehörig daneben, wenn es nach der Meinung der Kunden geht. Aktuelles Beispiel: Eine vermeintlich harmlose Werbung auf der Facebook-Seite des Konzerns aus Neckarsulm.

LidlDiscounter
Gründung1973
HauptsitzNeckarsulm, Deutschland

Erst kürzlich war dort auch eine andere Werbeaktion in die Kritik geraten. Eine Kundin beschwerte sich, weil ein Kuschel-Kissen für ihr Kind schlimme Folgen gehabt haben soll. Demnach sei das 3-jährige Kind vermeintlich wegen einer allergischen Reaktion auf das Kissen im Krankenhaus gelandet. Auch die Cannabis-Produkte, die Lidl ins Sortiment nahm, sorgten für Ärger bei dem Discounter. Es gab sogar eine Polizei-Razzia.

Lidl: Kundin eskaliert wegen Werbung - „unseriöse Bauernfängerei“

Doch nicht nur diese Produkte lösen bei Verbrauchern offensichtlich gemischte Gefühle aus. Auch für eine vermeintlich harmlose Facebook-Werbung bekam Lidl gehörig eins auf den Deckel. Der Konzern, der sich gerade im Mega-Personalumbruch befindet, hatte einen Luftpolster-Sattel beworben, der das Fahrradfahren sehr gemütlich machen würde. „Ist das noch Sport? Find‘s heraus und hol in dir ihn deinem Lidl Onlineshop“, hieß es zu dem Produkt in der Anzeige.

Doch bei Letzterem lag ganz offensichtlich das Problem. Denn gerade einmal elf Stunden nach Veröffentlichung der Anzeige kann eine Kundin den Sattel schon nicht mehr in besagtem Onlineshop finden. „Dumm nur, dass es den Sattel nicht auf eurer Seite gibt. Der hätte mich nämlich wirklich interessiert“, schreibt sie dazu.

Lidl: Discounter wegen vermeintlich harmloser Werbung in der Kritik

Wenig später meldet sich auch Lidl zu dem Problem zu Wort: „Leider dürfen wir dir nicht verraten, ob und wann der Artikel wieder erhältlich sein wird. Es kann durchaus vorkommen, dass der ausverkaufte Artikel wieder zu einem späteren Zeitpunkt auf lidl.de erhältlich ist. Am besten du schaust regelmäßig auf lidl.de, auf unseren Social-Media-Kanälen vorbei oder abonnierst unseren Newsletter, damit du keine Aktion verpasst“, lautet die wenig zufriedenstellende Antwort des Discounters, der laut ruhr24.de* gerade erst eine Lidl-Filiale an einem ungewöhnlichen Ort* eröffnet hat,

Die Kundin macht ihrem Unmut sogleich Luft. „Das ist Irreführung“, schreibt sie und erklärt, Lidl würde hier für ein Produkt werben, dass es gar nicht gäbe. In der Tat: Wer aktuell nach dem genannten Sattel im Onlineshop sucht, bekommt folgende ernüchternde Antwort: „Für Ihren Suchbegriff konnte leider keine Übereinstimmung gefunden werden.“ Das Produkt scheint es überhaupt nicht zu geben - auch nicht ausverkauft.

Lidl: Werbung laut Kundin „unseriöse Bauernfängerei“

Ein Umstand, der gleich mehrere Kunden zu stören scheint. Eine Verbraucherin sogar so sehr, dass sie hinter der Werbung gar eine Masche von Lidl vermutet. „Wie bekomme ich möglichst viele Leute dazu, permanent auf meine Seite zu gucken und den Newsletter zu abonnieren?“, fragt sie spöttisch. „Ich mache Werbung für etwas, was nicht erhältlich ist. Wenn Leute es wollen und suchen, erzähl ich was von ausverkauft und dem großen Geheimnis ob und wann es eventuell wieder mal zu haben sein könnte.“

Ihren Unmut macht die Kundin richtig deutlich: „Unseriöse Bauernfängerei nenne ich das. Für wie dämlich wird man hier eigentlich gehalten“, wirft sie dem Discounter vor. Der Konzern aus Neckarsulm selbst hat auf diesen und weitere Vorwürfe zu der Sattel-Werbung dann nicht mehr reagiert. Ob der Sattel tatsächlich nie zu haben war oder einfach nur so begehrt, dass er innerhalb weniger Stunden ausverkauft war - dazu gibt es zumindest auf Facebook keinen Hinweis. *echo24.de und ruhr24.de sind ein Angebot von IPPEN.MEDIA.

Rubriklistenbild: © Marijan Murat/dpa

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