Jede vierte Probe mit Erregern belastet

Fleisch-Skandal bei Lidl und Aldi: Keime in diesen Fleisch-Produkten

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Lidl und Aldi droht Fleisch-Skandal: Keim-Gefahr in Proben! Umwelthilfe warnt.
  • Dominik Jahn
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Lidl/Neckarsulm: Dem Discounter aus der Schwarz-Gruppe droht ein deftiger Fleischskandal. Die Umwelthilfe spricht von multiresistenten Keimen. Auch Aldi betroffen.

Diese Meldung trifft die Top-Discounter Lidl und Aldi hart. In der Vergangenheit gab es immer wieder Berichte über Lebensmittelrückrufe - zuletzt stand Lidl und der Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm Ärger rund um ein Cannabis-Produkt ins Haus. Doch all das ist nichts gegen diese Pressemitteilung der Deutschen Umwelthilfe (DUH).

Eine Untersuchung der Umwelt-, Natur- und Verbraucherschutzorganisation hat Stichproben bei Putenfleisch der Haltungsstufe 2 (Stallhaltung Plus) bei Lidl und Aldi genommen. Das Ekel-Ergebnis: Jede dritte von 31 Proben bei Lidl und jede vierte von 31 Proben bei Aldi waren mit antibiotikaresistenten Keimen belastet.

Lidl und Aldi im Visier der Deutschen Umwelthilfe: Gefährliche Keime im Fleisch

Besonders heftig: Auf jeder vierten Lidl-Putenfleischprobe (26 Prozent) fand das Labor sogar besonders gesundheitsgefährliche Erreger, die gegen die für Menschen wichtigen Reserve-Antibiotika resistent sind. Aus diesem Grund warnt die Organisation nach dem Befunden der Fleisch-Proben bei Lidl und Aldi vor gefährlichen Konsequenzen der Massenmedikation in Tierfabriken mit lebenswichtigen Antibiotika.

Die Untersuchungen der DUH bei Lidl und Aldi

Die DUH hat dazu in verschiedenen Regionen Deutschlands 62 Testkäufe bei Discountern durchgeführt, jeweils 31 in Lidl-Filialen und 31 in Aldi-Filialen. Gekauft wurde immer Putenfleisch der Haltungsstufe 2 (Stallhaltung Plus). Die Proben wurden am Institut für Pharmazie und Pharmazeutische Mikrobiologie der Universität Greifswald unter Leitung von Frau Professor Schaufler untersucht. 

Fleisch-Skandal bei Lidl und Aldi: DUH nennt Hauptproblem der Rechtslage

In der offiziellen Pressmitteilung fordert die Deutsche Umwelthilfe die „Bundesregierung, EU-Kommission und EU-Parlament auf, die derzeit erlaubte Massenmedikation mit Reserve-Antibiotika in der industriellen Tierhaltung schnellstmöglich zu beenden“. Die derzeitige Rechtslage hätte zudem gefährliche Konsequenzen.

Das Problem: Es gibt keine Keim-Grenze! Es ist legal in Deutschland Fleisch zu verkaufen, auf dem sich antibiotikaresistente Keime befinden, Grenzwerte für diese Belastungen gibt es keine. Wie die DUH erläutert, haben diese Keime ihren Ursprung in der industriellen Massentierhaltung - „dort werden die Antibiotika den Tieren unter anderem in die Tränke oder ins Futter gemischt. Das trägt dazu bei, dass sich Resistenzen gegen die Medikamente bilden“

Keim-Gefahr in Fleischproben: So reagiert Lidl

Bei Lidl ist man sich der grundsätzlichen Problematik bewusst. Zum aktuellen Fall gab es auf echo24.de-Nachfrage allerdings keine konkrete Antwort: „Aufgrund der fehlenden Laborergebnisse in Zusammenhang mit der Chargen-Nummer und der uns unbekannten Details zur Methodik können wir zur Untersuchung keine Stellung nehmen“.

Der Discounter-Riese der Schwarz-Gruppe stellt aber klar, dass man bei Lidl durchaus ein eigenes Qualitätssystem hat, „das die Einhaltung hoher Standards gewährleisten soll“. Darin enthalten seien unabhängige Untersuchungen durch externe Prüfinstitute. In der Mitteilung heißt es zudem: „Des Weiteren haben wir vertraglich vereinbart, dass unsere Lieferanten mit den Landwirten Vereinbarungen treffen, die einen restriktiven Einsatz von Antibiotika in der Tiermast regeln. Zudem müssen die Lieferanten einen Maßnahmenplan zur Reduktion von Antibiotikaeinsätzen erstellen“.

Und Lidl legt nach. Das Unternehmen aus Neckarsulm stellt mit Nachdruck klar: „Der präventive Antibiotikaeinsatz ist bei der Herstellung all unserer tierischen Erzeugnisse untersagt“. Außerdem verweist man darauf, Keime seien grundsätzlich „ein natürlicher Bestandteil der Umwelt“. Weiterhin heißt es: „Sie können sich ziellos verändern und dabei auch Resistenzen gegen Antibiotika bilden, die nicht verabreicht wurden. Bei Beachtung der Hygienehinweise und der Zubereitungsempfehlung ist die Produktsicherheit für den Verbraucher gegeben“.

Lidl möchte - in der uns vorliegende Mitteilung - zudem darauf hinweisen, dass man ausdrücklich die Einführung der Antibiotika-Datenbank im QS-System unterstützt.

DUH attackiert die Verantwortlichen des Fleisch-Fiaskos

Ein Blick auf Europa zeigt, wie alarmierend die Zahlen sind. Es ist nicht nur ein Problem der Discounter Lidl und Aldi, es ist ein globales Problem. Die Untersuchungen machen deutlich, es „infizieren sich jährlich rund 670.000 Menschen mit antibiotikaresistenten Erregern, weit über 245.000 Infektionen stammen aus Quellen außerhalb der Gesundheitsversorgung, dazu zählt die Massentierhaltung“.

Scharfe Kritik kommt von Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer des DUH: „Geflügel in Massentierhaltung wird vollgepumpt mit Antibiotika, bei der Putenmast sogar zu einem erheblichen Teil mit Reserve-Antibiotika. Dieses katastrophale System muss beendet werden.“

Auch von der Weltgesundheitsorganisation WHO kommen Bedenken. Daher empfiehlt sie, „Reserve-Antibiotika Menschen vorzubehalten, sie nur in Ausnahmefällen bei Haustieren und gar nicht bei Tieren in der Fleischwirtschaft einzusetzen“.  Für Infektionen mit resistenten Erregern, bei denen viele Antibiotika nicht mehr greifen, sind Reserve-Antibiotika überlebenswichtig.

Lidl und Kaufland wollen auf Billigfleisch verzichten - gute Tendenzen

Immerhin tut sich etwas bei den Lebensmittelgeschäften. Wie echo24.de* bereits im Juli berichtet hatte, wollen Lidl und Kaufland in Zukunft auf Billig-Fleisch verzichten. Tierschützer sind damit nicht zufrieden.

Und auch beim Einsatz von Medikamenten soll es aktuell positive Tendenzen geben. Wie heidelberg24.de* meldet, soll - laut einem Bericht mehrerer europäischer Gesundheits- und Lebensmittelbehörden - der umstrittene Medikamenteneinsatz in der Nutztierhaltung weniger werden. *echo24.de und *heidelberg24.de sind Angebote von IPPEN.MEDIA.

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