#spreadlove-Aktion: Liebe gegen Rassismus

Dieser Heilbronner verpasste schon 190 Leuten das gleiche Tattoo!

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Emrah "Lausbub" in seinem Studio "Lausbub Tattoo Kollektiv".
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Mit seiner Aktion setzt der Tätowierer "Lausbub" ein politisches Zeichen.

Emrah ist unzufrieden. Unzufrieden mit der aktuellen politischen Lage. Mit falsch besetzten Machtpositionen. Aber vor allem: mit dem immer mehr aufkommenden Rechtspopulismus in der Gesellschaft. Emrah: "Ob Polen, Türkei oder Ungarn - überall kommen konservative oder rechte Parteien groß raus. Das tut der Gesellschaft nicht gut."

Besonders ein einschneidendes Erlebnis prägt den Tätowierer, der sich in Heilbronn unter dem Pseudonym "Lausbub" einen Namen gemacht hat: Die US-Wahlen am 8. November 2016. "Als Trumps Wahlmänner gewählt wurden, war ich die halbe Nacht wach. Es ist unglaublich, wie ein Mensch, der sich so benimmt und derartige Aussagen macht, so ein Amt antreten kann."

Aus diesem Unverständnis heraus fasst der 31-Jährige einen folgeschweren Entschluss. Nur zwei Tage nach der Wahl verpasst er sich und seiner Ehefrau Yasi den Schriftzug "spread love". Die Idee dahinter: Mit einem positiven Statement so viele Leute wie möglich zu erreichen. Eine friedliche Revolution. "Wir haben angeboten, ein Jahr lang den Schriftzug 'spread love" Leuten kostenlos zu verpassen - sofern sie einen Termin bei mir haben." Die Aktion soll bis zum 11. November in diesem Jahr laufen. Emrah: "So war die 'spread love'-Geschichte geboren." Daraufhin verfasst er folgenden Beitrag auf seiner Facebook-Seite:

Die Message ist klar: Der Lausbub setzt mit seiner kostenlosen Tattoo-Aktion ein politisches Statement. "Ich musste etwas unternehmen. Ich habe eine große Reichweite und fühle mich dazu verpflichtet, etwas zum großen Ganzen der Gesellschaft beizutragen." Das Ziel? Vereinte Liebe gegen den Alltagsrassismus und den weltweiten Rechtsruck, wie er sagt. "Ich bin selbst Ausländer. Meine Eltern kommen aus der Türkei, aber ich bin hier geboren und aufgewachsen. Eigentlich war für mich die Identitätsfrage geklärt. Aber in letzter Zeit werde ich in der Gesellschaft mit anderen Augen betrachtet."

Als Freigeist ist es für den "Lausbub" selbstverständlich, politisch aktiv zu werden. "Ich habe auch schon Bilder gemalt, die politisch motiviert waren. Mir war es wichtig, nicht 'gegen' etwas vorzugehen, sondern sich 'für' etwas einzusetzen. Und da ist doch das Beste die Liebe an sich."

Bilder von der #spreadlove-Aktion

Bei einem Aktionstag im Januar haben in seinem Laden "Lausbub Tattoo Kollektiv" fünf Tätowierer von morgens bis abends 84 Leuten den Schriftzug "spread love" tätowiert. Dass die Nachfrage so groß ist, erfüllt ihn mit Stolz: "Meine schöne, bunte Luftblase ist etwas größer geworden in dieser grauen Gesellschaft. Ich weiß, dass ich dadurch nicht die Welt verändere. Aber mich macht es stolz."

Auch Cihan Baris aus Heilbronn gehört zu den Menschen, die sich den Schriftzug stechen lassen haben. Baris: "Die Aktion erreicht die ganze Welt. Ich wollte einen Teil dazu beitragen." Jetzt steht "spread love" gut sichtbar auf seinem Unterarm. "In der heutigen Zeit hat die Liebe an Wert verloren. Hass und Krieg steht da, wo früher Liebe war."

Haben Sie ein Tattoo?

Mittlerweile laufen schon mindestens 190 Menschen mit demselben Tattoo "spread love" herum - die allein Emrah tätowiert hat. Wie viele Menschen der "Lausbub" insgesamt erreicht hat, kann der Heilbronner nicht sagen. Aber die Resonanz ist riesig. Emrah: "Mittlerweile haben sich auch andere Heilbronner Tattoo-Studios der Aktion angeschlossen." Selbst international schlägt sie Wellen. "Sogar aus Venezuela habe ich schon Bilder zugeschickt bekommen." Der "Lausbub" erklärt: "Jeder ist dazu eingeladen, sich der Aktion anzuschließen." Für mehr Liebe.

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