Am Landgericht Heilbronn

Prozess um schwere Vergewaltigung: Täter müssen für viereinhalb Jahre ins Gefängnis

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Der Prozess findet im Landgericht Heilbronn statt.
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Zwei Männer sind angeklagt, eine Frau nach dem Besuch in einer Disko in ihrem Auto vergewaltigt zu haben. 

+++ Update 20. März: Vergewaltiger müssen vier Jahre und sechs Monate ins Gefängnis+++

Es ist ein Vergewaltigungsfall, der sprachlos macht. Das sieht auch das Heilbronner Landgericht so und verhängt gegen die beiden Täter eine Haftstrafe von jeweils vier Jahren und sechs Monaten. Wie die Heilbronner Stimme berichtet, überführte ein Video der Vergewaltigung die Täter. Dort zeigten die beiden Männer sogar noch das Victoryzeichen in die Kamera.

Nur das Geständnis der Angeklagten sei der Hauptgrund dafür gewesen, dass die Strafe nicht doppelt so hoch ausgefallen sein, erklärt der Richter. Denn so wurde dem Opfer zumindest eine Aussage vor Gericht erspart. (red)

+++ 14. März+++

Es ist der 13. August 2017, als die beiden Angeklagten G. und A. im Heilbronner Rooms Club auf das Opfer treffen. Die Frau ist mit einer Freundin unterwegs und durch zu viel Alkohol oder K.-o.-Tropfen nicht mehr in der Lage, alleine zu stehen - geschweige denn nach Hause zu gelangen. Als die Freundin sie einen Moment alleine lässt, nutzen G. und A. die Situation: Sie locken die Frau nach draußen und in ihr Auto - unter der Vorgabe, sie nach Hause bringen zu wollen.

Doch stattdessen vergewaltigt G. das Opfer, während A. die Tat filmt und kommentiert. Danach tauschen sie die Rollen. Zwischen A. und dem Opfer kommt es jedoch nicht mehr zum Geschlechtsverkehr, obwohl er das gewollt habe. Stattdessen streichelt er "nur" ihre Vagina, weil sie keine Regung mehr gezeigt habe. Gegen 6.30 Uhr fahren sie die Frau schließlich mit dem Auto nach Hause.

Landgericht Heilbronn: Prozess um besonders schwere Vergewaltigung 

Der Prozess, der heute am Landgericht Heilbronn beginnt, ist keine leichte Kost. Dazu passend die Anklage der besonders schweren Vergewaltigung. Das Gericht betont bei der Verlesung der Anklageschrift, dass der besondere Reiz der Vergewaltigung darin bestanden habe, dass sich das Opfer nicht mehr wehren konnte. Diese Tatsache sei offensichtlich gewesen. Auch für die beiden Täter. Umso größer die Demütigung für das Opfer, das bis heute unter den psychischen Folgen der Vergewaltigung leidet.

Doch wer sind die beiden Männer, die nun wegen schwerer Vergewaltigung vor Gericht stehen? Der Angeklagte G., 1992 geboren, sei "ein braver Schüler" gewesen, wie es Dr. Kristian Olav Rosenau in seinem Gutachten beschreibt, nie besonders mit Drogen in Kontakt gekommen und interessiere sich neben seinem Beruf hauptsächlich für Sport. Seine erste Ausbildung hatte er nach eigenen Angaben abgebrochen, die zweite dann erfolgreich abgeschlossen. In seinem Vorstrafenverzeichnis gibt es keine Eintragung. Ein unauffälliger Mann, wie es scheint.

Prozess um Vergewaltigung: Angeklagte geben Erklärung zur Sache ab

Anders hingegen der Angeklagte A.: Der 1990 Geborene brach beide begonnenen Lehren ab, arbeitete danach in Leihfirmen und half im Familienbetrieb aus. In seinem Vorstrafenverzeichnis finden sich zwei Eintragungen. Wie Rosenau beschreibt, habe es in A.s Leben immer an Beständigkeit gefehlt - es gebe jedoch keine psychischen Auffälligkeiten. Bereits ab den 14. Lebensjahr begann er, Drogen zu konsumieren. Zu dem durchgehenden Marihuana-Konsum kamen später auch synthetische Drogen wie Amphetamine - und Alkohol.

So auch am Abend der Vergewaltigung. A. hatte nach eigenen Angaben bereits vor dem Club-Besuch drei oder vier Joints geraucht, danach noch drei oder vier Jacky-Cola und zwei Bier getrunken - und zudem 0,5 Gramm Kokain konsumiert. "Aber ohne Drogen hätte er nicht gefilmt", heißt es in A.s Erklärung zur Sache. Eine nicht unproblematische Aussage über einen Mann, der seit seinem 14. Lebensjahr Drogen nimmt. Sie hätten dem Opfer jedoch keine K.-o.-Tropfen verabreicht, heißt es weiter. Doch dass die Frau betrunken und dadurch wehrlos war? Ja, das habe man erkannt, gestehen beide Angeklagten.

Weitere Informationen

Die beiden Fortsetzungstermine sind für Mittwoch, 20. März, 9 Uhr und Mittwoch, 27. März, 9 Uhr, am Landgericht Heilbronn angesetzt.

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