In Heilbronn fallen 11,50 Euro pro Nacht an

Deshalb müssen Obdachlose in Wohnheimen zahlen

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Die Gebühren unterscheiden sich von Stadt zu Stadt.
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Die Preise sind ähnlich wie in günstigen Hostels.

Jobverlust, rausgeklagt, lange Krankheitsgeschichte. Die Gründe, warum Menschen ihr Dach über dem Kopf verloren haben, sind vielschichtig. Wenn die Obdachlosigkeit das Ende einer langen Abwärtsspirale ist und mit Arbeitslosigkeit einhergeht, zählt bei Menschen ohne festen Wohnsitz jeder Euro. Da kann es besonders schmerzen, dass die offiziellen Obdachlosenunterkünfte der Städte und Gemeinden gebührenpflichtig sind.

Gründe für die Kosten

"Die Unterkunft im Obdachlosenheim der Stadt Heilbronn kostet 11,50 Euro pro Tag und pro Person", erklärt Anton Knittel von der Pressestelle der Stadt Heilbronn. "Für jede weitere Person im Familienverband, zum Beispiel Ehepartner und minderjährige Kinder, werden zusätzlich 2,90 Euro erhoben. In der Regel sind die Menschen dort in mehrfachbelegten Zimmern eingewiesen, also mindestens zu zweit."

Damit fallen Preise an, die von den Übernachtungskosten in günstigen Hostels gar nicht so weit entfernt sind. Umsonst-Übernachtungen für Obdachlose sind für die Stadt aber offenbar finanziell nicht zu stemmen. Bernd Werner, Leiter des Ordnungsamts in Heilbronn, erklärt: "Die 11,50 Euro basieren auf einer Gebührenkalkulation aus dem Jahr 2009. Hierbei sind die anteiligen Personalkosten, zum Beispiel Verwaltung der Unterkünfte, Bewohnerbetreuung, Hausmeisterservice sowie die Sachkosten wie Miete, Heizung, Strom, Wasser, Reinigung und Wäsche einbezogen."

Die Gebühren gelten seit 2010 für sämtliche Obdachlosenunterkünfte. Eine vollständige Kostendeckung könne nicht erzielt werden. Die Differenz werde durch den allgemeinen Haushalt gedeckt. Erfahrungsgemäß seien die Kosten für Unterkünfte in Großstädten höher als in Klein- und Mittelstädten. So kostet eine Übernachtung im Obdachlosenwohnheim in Bad Rappenau beispielsweise bis zu acht Euro, in Neuenstein 5,90 Euro.

Bitterkalte Nächte

Laut der Stadt Heilbronn schrecke dieser Preis nicht ab, Obdachlosenunterkünfte zu nutzen. Wenn aber wirklich kein Euro mehr in der Tasche ist und die Nächte - wie in den vergangenen Wochen - bitterkalt sind, muss trotzdem niemand im Freien übernachten und den Kältetod befürchten. Beispielsweise bietet die Aufbaugilde seit November eine einfache Not-Unterbringungsmöglichkeit im Heilbronner Freibad Neckarhalde an. Und die ist kostenlos.

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