Hat Kevin F. wirklich alle Taten gestanden?

Kinderporno-Prozess: Die Strafe ist viel zu mild!

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Erzieher Kevin F. wurde gestern im Heilbronner Landgericht zu fünf Jahren Haft verurteilt.
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Was sind fünf Jahre Haft, verglichen mit den lebenslangen Folgen des Opfers?

Der Fall klingt wie aus einem schlechten Film - und irgendwie passt auch das Urteil dazu. Man muss sich das Ganze noch einmal von Beginn an vor Augen führen: Ein gerade Volljähriger entdeckt bei sich sexuelles Interesse für Jungen, die weit jünger sind als er. Und dann gibt es offenbar zwei Möglichkeiten: Er lässt sich therapieren - oder er wird eben Erzieher und setzt sich jeden Tag den Versuchungen seiner sexuellen - und illegalen - Orientierung aus.

Kinderporno und Missbrauch: War das wirklich schon alles?

Über Jahre hinweg lädt Kevin F. aus dem Internet Kinderporno-Bilder und -Filme herunter. Dem intelligenten, sozial engagierten und beliebten Heilbronner musste klar gewesen sein, dass er in seinem von Kindern umgebenen Alltag eine tickende Zeitbombe ist. Vor dem Heilbronner Landgericht hat er zugegeben, dass es nicht beim bloßen Betrachten blieb und er ein Kind aus seinem Bekanntenkreis über Jahre hinweg sexuell missbrauchte. Für 19 Fälle wurde er, auch dank seines Geständnisses, gestern zu fünf Jahren Haft verurteilt. Doch war das wirklich schon alles? Nur Kevin F. kann es wissen. Mittlerweile gibt es neue Verdachtsmomente in Bezug auf weitere mögliche Opfer. Die Staatsanwaltschaft ermittelt weiter.

Kinderporno-Prozess: Das Leid ist lebenslänglich!

Doch auch angesichts der nachgewiesenen Taten erscheint die Strafe von fünf Jahren viel zu lasch: Klar: Der 31-Jährige hat gestanden, hat seinem Opfer die Aussage vor Gericht erspart, keine brachiale Gewalt gegenüber dem Jungen angewandt, sich zur Zahlung von 20.000 Euro Schmerzensgeld und einer Therapie verpflichtet. ABER: Was sind die paar Jahre Haft gegenüber des lebenslangen Leids, das er über den Jungen und dessen Familie gebracht hat? Gerade als Pädagoge muss sich F. darüber klar gewesen sein, wie vernichtend er auf die sexuelle Entwicklung des Geschädigten durch sein widerliches Handeln einwirkt. Und das über sechs Jahre hinweg - auch nachdem er als Betrachter von Kinderpornos bereits polizeibekannt war!

Kinderporno-Prozess: Kein Berufsverbot!

Besonders befremdlich am gestrigen Urteil: Dem Erzieher wird kein Berufsverbot auferlegt! Grund: Der Missbrauch geschah im privaten Bereich. Pädophile Taten im Kindergarten konnten F. bislang nicht nachgewiesen werden. Juristisch erscheint das nicht unlogisch, auch wenn dabei zu bedenken ist, dass F. sein späteres Opfer im Kindergarten kennengelernt hat, der Missbrauch aber offenbar erst Jahre danach begann. Moralisch ist dieses Urteil aber sehr bedenklich. Rechtlich gibt es für F. keine Schranken, nach seiner Haft wieder als Erzieher zu arbeiten und sich täglich mit Kindern zu umgeben. Und das ist unglaublich - und muss allen Eltern einen eiskalten Schauer über den Rücken jagen!

Kinderporno-Prozess: Die Narben bleiben

Dass Kevin F. nun nach seinem Urteil mit der Kirche zusammenarbeiten will, um fortan zu verhindern, dass Pädophile in Kindereinrichtungen arbeiten, klingt angesichts seiner Vorgeschichte wie blanker Hohn. Selbstverständlich hat jeder eine zweite Chance verdient, aber ein Berufsverbot ist das Mindeste, was man, neben einer höheren Haftstrafe (die Anwältin des Geschädigten forderte sechseinhalb Jahre), über den Erzieher verhängen sollte. Aber egal, wie hoch die Strafe für Kevin F. auch ausgefallen wäre: Die Narben bei seinem Opfer und all den anderen missbrauchten Kinder in den von ihm heruntergeladenen Bildern und Videos werden bleiben.

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