Unilever-Standort bereits mehrmals verkleinert

Knorr: Mitarbeiter protestieren bei Versammlung - Betriebsrat will um Standort kämpfen

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Der Betriebsrat machte deutlich, dass man um den Standort kämpfen will.
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Im Heilbronner Knorr-Werk fand am Donnerstagnachmittag eine außerordentliche Betriebsversammlung statt. Hunderte Mitarbeiter protestierten. 

+++ Update 25. Oktober +++ Mitarbeiter protestieren - Betriebsrat will eine Schließung unbedingt verhindern

Am Montag, 21. Oktober, verkündete der Produktions- und Logistikchef Marc Engel bei einer Belegschaftsversammlung im Knorr-Werk Heilbronn, dass es für den Standort nur eine Chance gibt, wenn die Kostenstruktur "radikal umgebaut" wird. Vier Tage später, am Donnerstag, kamen hunderte Mitarbeiter bei der außerordentlichen Betriebsversammlung zusammen und protestierten vor den Toren des Knorr-Werks in Heilbronn. Immer wieder riefen sie "Wir sind Knorr!", berichtet stimme.de.

Schon in der Vergangenheit wurde der Standort mehrmals verkleinert. Droht nun das endgültige Aus für das seit 1884 bestehende Knorr-Werk in Heilbronn? Werkleiter Hans-Josef Ingelmann hat die Hoffnung noch nicht verloren und möchte für den Erhalt des Werks kämpfen. Er wolle nicht der Werksleiter sein, der die Fabrik schließen muss. Da stehe er auf der Seite von Heilbronn, sagte er gestern Nachmittag. 

Heilbronner Knorr-Werk: Management wird scharf kritisiert - es fehlt an Innovation

Der Betriebsratschef Thilo Fischer kritisierte, dass das "armselige Management" nun der Belegschaft den Schwarzen Peter zuspielen wolle. Auch was die Innovation angeht, herrsche seit 1986 Stillstand. Seiner Meinung nach solle das Unternehmen das Werk besser auslasten, um damit die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. 

Es wäre jetzt auch an der Zeit Investitionen in neue Technologien und Produkte zu tätigen. Auch Fischer will nicht kampflos aufgeben. Er drohte, wenn es darum gehe billiger zu werden, sich mit allen Mitteln wehren zu wollen.

+++ Update vom 24. Oktober, 17.15 Uhr +++ Heilbronns OB Harry Mergel zeigt sich solidarisch 

Bei der Betriebsversammlung am Donnerstagnachmittag im Heilbronner Knorr-Werk war auch Oberbürgermeister Harry Mergel vor Ort. Er äußerte Verständnis für die Enttäuschung und die Wut der Beschäftigten und die Hoffnung auf ein stabiles Zukunftsmodell für den Standort. Mergel: "Unser Wunsch und unser Ziel ist die Erhaltung der Heilbronner Traditionsfirma und die langfristige Sicherung der Arbeitsplätze auf dem Knorr-Areal." Dabei appellierte Mergel an die Entscheidungsträger von Unilever, sich bei den anstehenden Gesprächen auf die Vorschläge der Belegschaft einzulassen. Mergel: "Es gibt gute Argumente für unsere Stadt und diesen Standort – der wichtigste ist eine treue und motivierte Belegschaft."

+++ Update vom 24. Oktober +++ Aus für Heilbronner Knorr-Werk? Betriebsversammlung am Nachmittag geplant

Am Donnerstagnachmittag möchten sich der Betriebsrat und die Mitarbeiter zu einer außerordentlichen Betriebsversammlung im Knorr-Werk versammeln. Der Knorr-Betriebsrat äußerte sich gegenüber swr.de, dass alle Kollegen, auch die aus der Nachtschicht bei der Versammlung erwartet werden. 

Auch der Heilbronner Oberbürgermeister Harry Mergel möchte daran teilnehmen und die Bedeutung des Unternehmens für Heilbronn thematisieren. Die Versammlung soll am Tor drei starten. Treffpunkt der Mitarbeiter ist dabei das Knorr-Werksgelände. Die Redner sollen außerhalb des Geländes stehen. 

Knorr-Werk Heilbronn: Wie kann eine Schließung verhindert werden?

Die Knorr-Mitarbeiter aus Heilbronn fürchten um ihre Arbeitsplätze - und das zurecht. Denn ein neues Konzept muss her. Sonst droht eine Schließung: "Ein solches Konzept ist nötig, da sich der Standort mit einer zu hohen Kostenstruktur bei gleichzeitig rückläufigen Volumina konfrontiert sieht", erklärt Unilever Pressesprecher Konstantin Bark gegenüber echo24.de.

Doch was müsste passieren, damit das Knorr-Werk in Heilbronn bestehen bleibt? Bark: "Ziel ist es, einen radikalen Wandel herbeizuführen und dem Standort so einen Platz im Unilever Werkverbund zu sichern. An einem solchen Konzept soll jetzt mit Hochdruck gearbeitet werden." 

+++ Update vom 22. Oktober +++ Aus für Knorr-Werk in Heilbronn? 600 Mitarbeiter fürchten um Arbeitsplätze

Nach der gestrigen Belegschaftsversammlung im Heilbronner Knorr-Werk bangen nun rund 600 Menschen um ihre Arbeitsplätze. Die Mitarbeiter wurden am Montag, 21. Oktober über eine mögliche Schließung des Standorts informiert. 

Der Betriebsrat möchte das aber nicht so leicht hinnehmen und für den Unilever-Standort in Heilbronn kämpfen. "Es war unglaublich. Ich habe so etwas selten erlebt, dass eine Belegschaft wirklich emotional ergriffen ist, spontan aufsteht und minutenlang skandiert: 'Wir sind Knorr!' Es ist mit jeder Faser zu spüren, dass die Menschen hier nicht nur einen Job haben, sondern mit Leib und Seele Knorrianer sind", sagte Hermann Soggeberg vom Unilever Konzernbetriebsrats gegenüber dem SWR.

Knorr-Heilbronn:  Kann man die Schließung des Unilever-Standorts noch verhindern?

Auch Oberbürgermeister Harry Mergel äußerte sich nach den schlechten Neuigkeiten auf SWR-Nachfrage: "Knorr gehört zu Heilbronn wie die Kilianskirche oder das Rathaus, gefühlt zumindest. Und natürlich trifft uns diese Nachricht auch emotional." Mergel gehe davon aus, dass noch diese Woche eine Betriebsversammlung stattfindet, berichtet der SWR weiter. "Da würde ich, wenn es gewünscht ist, auch die Sicht der Stadt Heilbronn vortragen."

Doch kann man den Standort Heilbronn überhaupt noch retten, nachdem dieser in der Vergangenheit immer wieder verkleinert wurde? Zum jetzigen Zeitpunkt ist das unklar. Jetzt heißt es für alle, vor allem für die Mitarbeiter, abwarten. Eine endgültige  Entscheidung soll aber Anfang 2020 fallen.

+++ Ursprungsmeldung vom 21. Oktober +++ Knorr-Werk Heilbronn: Schlechte Nachrichten nach Belegschaftsversammlung?

Keine genauen Details zur heutigen Belegschaftsversammlung, unbestätigte Gerüchte und eine angespannte Stimmung - das ist die aktuelle Lage im Heilbronner Knorr-Werk. Bereits das Forschungs- und Entwicklungszentrum wurde dieses Jahr von Heilbronn in die Niederlande verlegt - rund 220 Mitarbeiter waren von dieser Umstrukturierung betroffen. Auch in der Vergangenheit war der Unilever-Standort wiederholt verkleinert worden, weitere Kürzungen und Verlagerungen bereits 2018 angekündigt. Das lässt die Zukunftsängste der Mitarbeiter wachsen.

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Knorr Heilbronn: Mit Unsicherheit in die Belegschaftsversammlung am Unilever-Standort

Wie der SWR berichtet, sind für die Belegschaftsversammlung am heutigen Montag bisher noch keine Details bekannt. Aber: Auch der Logistikchef von Unilever soll die Knorr-Mitarbeiter informieren - wie der SWR weiter erklärt, seien aber auch dies Gerüchte und noch nicht bestätigt. Zwar wurde von Unilever-Seite wiederholt betont, dass der Standort in Heilbronn wichtig sei. Trotzdem: Der Betriebsrat schaut sorgenvoll in die Zukunft.

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