Forderungen werden unterstützt

Heftige Kritik an Kita-Streik: Kinder sind ohnehin „die Verlierer der Krise“

Schild informiert über den Kita-Streik von Verdi am Eingang
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Verdi setzt Warnstreiks fort: Auch im Landkreis Heilbronn drohen geschlossene Kitas.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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verdi bestreikt am Dienstag erneut den öffentlichen Dienst. Auch Kitas im Landkreis Heilbronn sind betroffen. Die Leidtragenden: vor allem die Kinder selbst.

Erstmeldung vom 5. Oktober: Erst durften sie monatelang überhaupt nicht in den Kindergarten, dann nur unter geänderten Bedingungen - und jetzt müssen sie schon wieder zu Hause bleiben. Der heutige Streik der Gewerkschaft verdi unter anderem im Landkreis Heilbronn soll Druck auf die Arbeitgeber machen. Rahmenbedingungen für Erzieher müssten verbessert werden. Das habe die Corona-Krise noch einmal mehr verdeutlicht. Dass nun allerdings erneut ausgerechnet Kinder die Auswirkungen besonders zu spüren bekommen, steht in der Kritik.

Streik an Kitas im Landkreis Heilbronn: Kinder können erneut keine Normalität erleben

„Die Kinder waren wochenlang von ihresgleichen isoliert, litten an Bewegungsmangel, Depressionen und dem Mangel an sozialen Kontakten. Besonders Kinder sind unserer Meinung nach die Verlierer dieser Krise“, heißt es in einer Stellungnahme der Landesgruppe Baden-Württemberg der Initiative „Familien in der Krise“ zu den heute unter anderem im Landkreis Heilbronn stattfindenden Streiks im öffentlichen Dienst.

„Kinder sind unserer Meinung nach die Verlierer dieser Krise.“

Initiative „Familien in der Krise“, Landesgruppe Baden-Württemberg

Man unterstütze die Forderungen von verdi und Streiks seien ein probates Mittel. Doch die zusätzliche Belastung für Kinder und Eltern müsse so gering wie irgendwie möglich gehalten werden.

Kita-Streik: Eltern äußern Kritik an Zeitpunkt

Schon zuvor kam es in Baden-Württemberg zu Streiks an Kitas, die deshalb schließen mussten. Viele Eltern äußern Kritik am Zeitpunkt, den die Gewerkschaft verdi für die Warnstreiks wählt. Für München läuft online sogar eine Petition mit der Bitte, die Streiks an Kitas zu beenden. Sie hätten während der Corona-Pandemie ohnehin schon ihre Betreuungskapazitäten ausgeschöpft, heißt es auch von „Familien in der Krise“. „Urlaubstage und Überstunden sind längst abgebaut.“

Viele Eltern hätten keine Möglichkeit mehr, ungeplante Schließzeiten der Kindergärten aufzufangen. Das laufe darauf hinaus, dass Eltern ihre Kinder nebenbei im Homeoffice betreuten - wenn das überhaupt möglich sei. Das Verständnis von Arbeitgebern für die Situation der Eltern schwinde. Auch wenn Streiks nachvollziehbar seien, „die angespannte Situation von Familien und gerade auch von Kindern während der Pandemie“ solle laut der Initiative „Familien in der Krise“ berücksichtigt und „Streiks in Kitas möglichst vermieden werden“.

Kita-Streik: Sogar Ministerpräsident Kretschmann kritisiert verdi

So ähnlich äußerte sich sogar Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann gegenüber dem SWR. Auch für ihn stehen vor allem die Streiks in Kitas in keinem Verhältnis. „In einer Pandemie Kindergärten zu bestreiken, dafür habe ich überhaupt kein Verständnis.“

Dass Kretschmann sich so deutlich äußert, ist unüblich. Die Gewerkschaft reagierte prompt mit Unverständnis. Wie die Stuttgarter Zeitung berichtet (Artikel hinter Bezahlschranke), sei deshalb auch ein offener Brief ans Staatsministerium gegangen, mit der Forderung, dass der Ministerpräsident das Grundrecht auf Streik achte.

Streik in Baden-Württemberg: Öffentlicher Dienst auch weiterhin betroffen

Im Landkreis Heilbronn legen heute in Gundelsheim, Bad Friedrichshall, Mosbach und Neckarsulm Beschäftigte im öffentlichen Dienst heute ihre Arbeit nieder. Während Bad Friedrichshall die Ausfälle in den Kitas kompensieren kann, müssen in Gundelsheim betroffene Einrichtungen für heute dicht machen. Wie genau die Situation in Mosbach und Neckarsulm aussieht, war vorab unklar.

Dienstag und Mittwoch sind auch andernorts in der Region Streiks angekündigt. Betroffen sind am Dienstag Wertheim und Tauberbischofsheim. Dort streiken die Beschäftigten dann in den Stadtverwaltungen und im Krankenhaus. In Crailsheim, Schwäbisch Hall und Kupferzell sind für Mittwoch, 7. Oktober, Warnstreiks der Gewerkschaft verdi vorgesehen. Zuvor waren in Heilbronn beispielsweise schon die Stadtwerke und damit der Nahverkehr von Streikausfällen betroffen. Auch die IG Bau rief kürzlich zu einem in der Region spürbaren Warnstreik an der Neckartalbrücke auf.

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