Sitzung des Gesamtkirchengemeinderats

Kinderporno-Skandal: Kirchen-Verantwortlicher zeigt sich selbst an

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Symbolbild.
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Eltern fordern die Entlassung des Kirchenpflegers. Dieser zeigt sich nun selbst an. Im Amt ist er allerdings noch. 

Der Kirchenpfleger der Evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn hat weder Eltern noch andere Mitarbeiter darüber informiert, dass gegen einen Kindergartenleiter Ermittlungen wegen Besitzes von Kinderpornografie laufen. Dadurch konnte dieser monatelang im Kindergarten weiterarbeiten. Dem Kirchenpfleger waren die Ermittlungen seit September 2017 bekannt. Aber erst im Februar 2018 wurden Eltern und Mitarbeiter darüber in Kenntnis gesetzt. Durch die Medien! Bei einer Sitzung des Gesamtkirchengemeinderats am Montagabend wurde nun bekanntgegeben, dass der Kirchenpfleger Anzeige gegen sich selbst erstattet hat.

Eltern, deren Kinder von dem ehemaligen Kindergartenleiter betreut wurden, zeigen sich seit Wochen fassungslos. Wie konnten ihre Kinder im Heilbronner Wilhelm-Busch-Kindergarten wissentlich dieser Gefahr ausgesetzt werden? Zumal gegen den Kindergarteneiter mittlerweile wegen "schweren sexuellen Missbrauchs" ermittelt wird.

Eltern protestieren stumm

An der Sitzung des Kirchengemeinderats nahmen einige Eltern, deren Freunde und auch Großeltern mit stillem Protest teil. Auf der echo24.de-Facebook-Seite schreibt eine Userin: 

"Obwohl nachweislich im August 2017 der Träger über die Vorwürfe gegen den Beschuldigten F. informiert wurde, handelte niemand. Der Beschuldigte arbeitete weiter bis Januar 2018. Der Träger hat damit aus unserer Sicht seine Sorgfaltspflicht verletzt. Der Verantwortliche hat durch sein Nicht-Handeln sowie anschließend durch seine widersprüchlichen Aussagen das Vertrauen der Eltern verspielt. Außerdem sollte unserer Einschätzung nach jemand die Verantwortung für die Kindergärten haben, der in Krisensituationen richtig und vor allem im Sinne der Kinder handelt. Da der Träger bisher nicht beabsichtigt, die Strukturen anzupassen und dem Kirchenpfleger die Verantwortung zu entziehen, rufen wir zum friedlichen Protest auf. Während der Gesamtkirchengemeinderatssitzung wünschen wir uns die Anwesenheit vieler Eltern, die zu gegebenem Zeitpunkt Schilder mit dem diesjährigen Fastenmotto in die Höhe halten."

Kirche veröffentlicht Chronologie

Am Abend veröffentlichte das Krisenteam, das zur Aufklärung des Falls beitragen soll, eine Chronologie. Wann wurde was bekannt. Wer wusste zu welchem Zeitpunkt wie viel und welche Infos wurden (nicht) weitergegeben. 

Danach blieb im ebenfalls öffentlichen Fazit nichts anderes übrig, als massive Fehler einzugestehen. Es ist nach wie vor nicht geklärt, warum in der Chronologie auf "Lücken" und "fehlende Protokolle" hingewiesen werden musste. Klar ist, dass der Kirchenpfleger Informationen, die ihm längst vorlagen, an niemanden weitergegeben hat. Von Konsequenzen seitens des Trägers gegenüber dem Kirchenpfleger, dem die Verantwortung für Kindergärten zugeteilt war, wurde kein Wort verloren. Lediglich den Verantwortungsbereich Kindergärten hatte er bereits abgegeben. 

Erst ganz am Ende des öffentlichen Teils wurde erklärt, dass der Kirchenpfleger bekanntgegeben hatte, er wolle zur vollständigen Aufklärung des Falles beitragen und habe ein Disziplinarverfahren in Form einer Eigenanzeige gegen sich eingeleitet. Gehandelt hat jetzt also er selbst - nicht sein Arbeitgeber! Es gab danach noch einen inoffiziellen Teil des Abends. Dieser wurde in der Tagesordnung mit "Personalangelegenheiten Kevin F." aufgelistet... 

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