Fokus zu sehr auf Täterschutz?

Kinderporno-Skandal: Harte Kritik am Vorgehen der Kirche

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In der Heilbronner Martin-Luther-Kirche war der angeklagte Erzieher in der Jugendarbeit tätig.
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Hätte die Führung des Evangelischen Kirchenbezirks Heilbronn stärker in die Offensive gehen müssen?

Nach wie vor ist im Heilbronner Kinderporno-Skandal vieles nebulös: Ab wann wusste die Führung des Evangelischen Kirchenbezirks Heilbronn von den Ermittlungen gegen den 31-jährigen Erzieher? Warum hatte er offenbar, nachdem der Verdacht gegen ihn intern bekannt war, noch Kontakt mit Kindern? Wo bleiben die klaren Aussagen?

"Die Vorgesetzten des Erziehers üben sich zu sehr in einer Vogel-Strauß-Politik. Man druckst herum, spielt das Grauen herunter, agiert viel zu halbherzig", heißt es nun aus Kreisen der Martin-Luther-Gemeinde Heilbronn. Ein Vorwurf: "Anstatt die Öffentlichkeit gezielt zu informieren, hat man lieber versucht, Links, Texte und Bilder, die im Laufe der Jahre über den Verdächtigen veröffentlicht wurden, zu löschen." Wichtiger sei es, die Geschehnisse möglichst lückenlos aufzuklären. Denn diese Strategie der Kirche sei Täterschutz.

Ein weiterer Kritikpunkt: "Dass ein mutmaßlich Pädophiler jahrelang täglich Kontakt mit Kindern hatte, ist noch längst nicht bei jedem in Heilbronn angekommen. Die Kirche hätte viel gezielter mit den Medien zusammenarbeiten müssen, damit die Eltern der Kinder Bescheid wissen." Zudem stehe die Kirche in der Pflicht, herauszufinden und offenzulegen, wo der Angeklagte überall eingesetzt war. Die Ansicht aus Kreisen der Martin-Luther-Gemeinde: "Das Duckmäusertum hat den Imageschaden der Kirche in dieser Angelegenheit weiter vergrößert."

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