Trotz Hinweisen

Kinderporno-Skandal: Warum reagierte der Arbeitgeber nicht?

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Die Vorwürfe gegen den Kindergarten-Leiter sind schrecklich. Doch auch das Verhalten der Verwaltung wirft Fragen auf.

Der Kinderporno-Skandal in Heilbronn sorgt bundesweit für Aufsehen. Die Details sind grässlich: Ein bislang geachteter Kindergarten-Leiter muss sich in gut einem Monat vor Gericht stellen. Er soll 10.000 Bilder und 900 Videos mit kinderpornografischem Inhalt besitzen. Ein Mann, der eigentlich auf Kinder aufpassen und sie beschützen sollte…

Doch damit nicht genug: Die Ermittler kamen dem Mann bereits 2016 auf die Schliche. Nach der Sichtung aller Daten verständigten die Ermittler im November 2017 den Arbeitgeber. Und was passierte dann? NICHTS! Der Kita-Leiter durfte einfach weiterarbeiten - noch zwei Monate lang. Insgesamt konnte Kevin F. über ein Jahr weiter mit Kindern arbeiten, obwohl er den Behörden aufgefallen war.

Nicht ausgeschlossen, dass er auch ihm anvertraute Kinder missbrauchte

Ein unfassbarer Sachverhalt, über den mehrere Medien berichten. Auch die Eltern sind verunsichert. "Wenn ich so etwas höre, das schockiert mich", erzählt etwa eine Mutter gegenüber RTL. "Das ist wirklich ein Missbrauch des Vertrauens der Eltern", heißt es von anderer Seite. Die Staatsanwaltschaft schließt nicht aus, dass der beschuldigte Kevin F. auch ihm anvertraute Kinder für seine Neigung missbrauchte. "Die Sorge kann ich nicht nehmen, weil es nicht Untersuchungsgegenstand war. Der Vorwurf richtet sich allein auf den Besitz von Bildern mit kinderpornografischem Inhalt", erklärt Alexander Lobmüller, Pressesprecher des Amtsgerichts Heilbronn, in dem Fernsehbeitrag.

Wie beruhigt man nun die verunsicherten Eltern? 

Die Evangelische Gesamtkirchengemeinde Heilbronn als Träger des betroffenen Kindergartens veröffentlichte hierzu eine Stellungnahme: "Mit Bestürzung haben wir erfahren, dass gegen unseren ehemaligen Mitarbeiter Kevin F. Anklage erhoben worden ist. Wie Sie haben wir seine Arbeit sehr geschätzt und sind umso mehr fassungslos über die Vorgänge." 

Doch wann und wie wurden sie tätig? Dazu gibt es ebenfalls Hinweise, die allerdings auch viel Freiraum für Spekulationen lassen. So heißt es: "Die konkreten Beschuldigungen haben uns mit der Klageschrift nach der Weihnachtspause erreicht. Schon vorher haben wir aufgrund von polizeilichen Hinweisen eine erhöhte Wahrnehmung des Themas in den Kindertagesstätten veranlasst, um den bisher durch die Schulungen etablierten Schutz der Kinder weiter zu erhöhen." 

Es seien demnach bislang keine Anhaltspunkte bekannt, "dass der Beschuldigte sich an Kindern der Kindertagesstätte strafbar gemacht hat. Wir verstehen, dass einige von Ihnen danach fragen. Allerdings sind wir nicht die ermittelnde Behörde. Die Ermittlungen liegen in der Kompetenz der Polizei und Staatsanwaltschaft." Ein klares Statement klingt irgendwie anders. Aber das nötige Zeichen hätte man auch schon viel früher setzen müssen. Das setzten jetzt die Eltern. Nach SWR-Informationen liegen bei der Polizei bereits zwei Anzeigen gegen Kevin F. vor.

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