Alle Informationen rund um den ehemaligen Erzieher

Kinderporno-Skandal: Das müsst ihr zum Prozess gegen Kevin F. wissen

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Kevin F. fiel Ermittlern zufällig auf einschlägigen Seiten auf.
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Kevin F. ist in Heilbronn wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern und des Besitzes von Kinderpornografie angeklagt. Alle Infos und Fakten rund um den ehemaligen Erzieher.

Der Fall Kevin F. löste in Heilbronn und auch darüber hinaus Entsetzen aus. Der ehemalige Leiter eines Kindergartens steht wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern ab Montag, dem 27. August 2018, vor Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Ex-Erzieher auch die Produktion von Kinderpornos vor. Der Prozess ist auf sechs Verhandlungstage angesetzt. Ende September soll das Urteil fallen.

Das Wichtigste in Kürze:

  • Kevin F. ist wegen des schweren sexuellen Missbrauchs von Kindern angeklagt. An einem heute 13-Jährigen verging er sich von Mitte 2012 bis Anfang dieses Jahres. Der Junge ist Nebenkläger des Prozesses.
  • Der Prozess startet am 27. August und soll sechs Verhandlungstage lang dauern. Erst danach steht das Strafmaß für den 31-Jährigen fest.
  • Ermittler aus Hannover waren dem ehemaligen Erzieher schon im Februar 2016 auf die Schliche gekommen.
  • Danach dauerte es fast zwei Jahre bis zur Freistellung des Ex-Kindergartenleiters, in denen er weiterhin intensiv mit Kindern Kontakt hatte.
  • Wegen dieser langen Zeitspanne und vielen Widersprüchen standen und stehen vor allem die Kirche als Träger und die Polizei unter massiver Kritik.
  • Die Kirche arbeitet die eigenen Fehler mit einem Krisenstab auf, die Polizei will Maßnahmen ergreifen, um in einem möglichen weiteren Fall schneller und besser handeln zu können.

Prozess im Kinderporno-Skandal: Diese Verhandlungstage sind angesetzt

Im Prozess gegen den ehemaligen Erzieher hat das Landgericht Heilbronn sechs Verhandlungstage geplant. Kevin F. muss sich ab dem 27. August vor Gericht verantworten. Das Urteil soll am 28. September verkündet werden.

  • Prozessauftakt: Montag, 27. August 2018, 11.30 Uhr
  • Fortsetzungstermin: Dienstag, 18. September 2018, 15 Uhr
  • Fortsetzungstermin 2: Freitag, 21. September 2018, 9 Uhr
  • Fortsetzungstermin 3: Montag, 24. September 2018, 9 Uhr
  • Fortsetzungstermin 4: Donnerstag, 27. September 2018, 9 Uhr
  • Fortsetzungstermin 5: Freitag, 28. September 2018, 9 Uhr

Der Fall Kevin F.: Eine Chronologie des Kinderporno-Skandals

Es dauerte insgesamt viel zu lange, ehe Konsequenzen aus den Taten des Ex-Erziehers gezogen wurden. Seit dem 8. März sitzt Kevin F. nun aber in Untersuchungshaft und wartet auf den Prozessbeginn. Die Chronologie der Ereignisse zum Kinderporno-Skandal:

Datum

Ereignis

Mitte 2012

Kevin F. beginnt, einen heute 13-Jährigen sexuell zu missbrauchen. Die Tortur des Jungen endet erst Anfang 2018.

Februar 2016

Ermittler aus Niedersachsen kommen dem Ex-Erzieher auf die Schliche und leiten die Informationen ans Landeskriminalamt Hannover weiter.

Mai 2016

Eine Hausdurchsuchung bei Kevin F. erhärtet den Anfangsverdacht.

Sommer 2017

Die Polizei informiert den Kirchenpfleger über die Ermittlungen gegen Kevin F. Der zuständige Kirchenpfleger behauptet lange, er habe "erst" seit November von den Vorwürfen gewusst. (Siehe 13. März)

Januar 2018

Kevin F. wird von seinem Posten als Kindergartenleiter freigestellt.

15. Februar 2018

Das Amtsgericht Heilbronn teilt mit, dass der ehemalige Kindergartenleiter wegen des Besitzes von kinderpornografischem Material angeklagt wird. Der Prozess wird damals auf den 16. März terminiert.

16. Februar 2018

Der Kirchenpfleger erklärt gegenüber echo24.de, die Anklageschrift am 8. Januar 2018 erhalten zu haben. Danach sei Kevin F. sofort freigestellt worden. Erste Zweifel gibt es hier bereits.

16. Februar 2018

Eltern, deren Kinder in den Kindergarten Kevin F.s gehen, werden am Abend über die Anklage informiert.

20. Februar 2018

Die Staatsanwaltschaft kann einen Missbrauch nicht ausschließen, es sei aber nicht Teil des Vorwurfs, heißt es in einem RTL-Interview.

Mitte Februar 2018

Ein Vater erstattet Anzeige gegen Kevin F.

5. März 2018

Kevin F.s Wohnung wird aufgrund der Anzeige erneut durchsucht. Es werden eine Kamera und Speichermedien sichergestellt.

7. März 2018

Die Staatsanwaltschaft Heilbronn erlässt Haftbefehl gegen den 31-Jährigen.

8. März 2018

Der Haftbefehl wird in Vollzug gesetzt. Kevin F. kommt in Untersuchungshaft.

8. März 2018

Ein erneuter Info-Abend soll betroffenen Eltern Klarheit bringen. Die Presse wird von dem Gespräch ausgeschlossen.

9. März 2018

Der ursprüngliche Prozess am Amtsgericht wird aufgrund der neuen Vorwürfe aufgehoben.

10. März 2018

Auch in der Emmaus-Gemeinde war der Angeklagte jahrelang in der Jugendarbeit tätig. Pfarrer Albrecht Wein erklärt im Gespräch mit echo24.de, wie sehr er von Kevin F. getäuschtwurde.

13. März 2018

Es wird klar: Der Kirchenpfleger wusste seit Sommer 2017 von den Vorwürfen gegen den ehemaligen Kindergartenleiter.

21. März 2018

Kevin F. stellt einen Haftprüfungsantrag. Er möchte aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

22. März 2018

Ein Richter lehnt den Antrag auf Haftentlassung ab. Kevin F. bleibt in Untersuchungshaft.

28. Juni

Das Landgericht Heilbronn informiert über die Prozessdaten.

Kevin F.: So tickt der Angeklagte im Kinderporno-Fall

Jungschar, private Kinderpartys, Jugendarbeit, Zeltlager, Erzieher, Kindergartenleiter - Kevin F. machte keine Anstalten, seiner pädophilen Neigung entgegen zu wirken. Stattdessen umgab er sich ständig und überall mit Kindern. Angemerkt hat ihm seine Neigung dabei dennoch niemand.

Die Kreuzkirche gehört zur Emmaus-Gemeinde. Hier war Kevin F. in der Jugendarbeit tätig. (Foto: privat)

Der ehemalige Leiter des Wilhelm-Busch-Kindergarten war äußerst beliebt - bei Eltern und Kindern. Durch sein umfangreiches ehrenamtliches Engagement berichteten wir im echo mehrfach über ihn. Auch die Heilbronner Stimme veröffentlichte Artikel über den 31-Jährigen, der für seine Arbeit sogar mehrfach ausgezeichnet wurde.

Prozess gegen Kevin F.: Neue widerliche Details im Kinderporno-Skandal

Mit der Veröffentlichung der Prozessvorschau hatte das Landgericht Heilbronn am 28. Juni weitere Details im Fall Kevin F. an die Öffentlichkeit weitergeben. Demnach missbrauchte der ehemalige Erzieher einen heute 13-Jährigen zwischen Mitte 2012 und Anfang 2018. 2012 nahm der Angeklagte den Oralverkehr an dem Jungen vor, danach musste der als Nebenkläger agierende Junge diesen auch an Kevin F. vollziehen.

Da der 31-Jährige sich teilweise auch an dem Kind verging, während es schlief, soll die Anklage der Staatsanwaltschaft auch auf Vergewaltigung lauten. In der Prozessvorschau des Landgerichts war davon allerdings zunächst nicht die Rede. Die Verlesung der Anklageschrift wird hier ab dem 27. August Klarheit bringen.

Kinderporno-Skandal: Wichtigster Hinweis zu Kevin F. kam aus Hannover

Dass Kevin F. überhaupt ins Visier der Ermittler geriet, ist wohl einem Zufall zu verdanken. Wie stimme.de berichtete, war die niedersächsische Polizei zuerst auf den ehemaligen Erzieher aufmerksam geworden. Danach hatten die dortigen Beamten im Februar 2016 eine Anfrage an das Landeskriminalamt Baden-Württemberg gestellt. Ein Tipp war damals besonders wertvoll.

Nach Kinderporno-Skandal: Familie von Kevin F. wurde mit dem Tod bedroht

Unter den Anschuldigungen gegen den 31-Jährigen ehemaligen Kindergartenleiter hatten nicht nur betroffene Eltern zu leiden. Auch seine eigene Familie musste mit der Veröffentlichung von Kevin F.s dunkler Seite leben.

Zugleich wurde laut echo24.de-Informationen besonders seine Mutter massiv bedroht. Sie sah sich sogar Angriffen ausgesetzt. Die Täter wollte sie damals nicht anzeigen.

Fehler bei den Ermittlungen: Polizei reagiert auf Kinderporno-Fall

Kevin F. arbeitete noch Monate als Erzieher, obwohl die Ermittlungen gegen ihn bereits liefen. Denn: Die Polizei hatte seinen Beruf zunächst außer Acht gelassen. Ein gravierender Fehler, der sich auf keinen Fall wiederholen darf. 

Das gestand Polizeipräsident Hans Becker auch ein. "Die Belastung der Mitarbeiter ist enorm. Insbesondere auch im psychischen Bereich durch das Ansehen und Auswerten der Bilder und Videos", hieß es im April in einer Mitteilung der Polizei. Deshalb sollen nun neue Stellen geschaffen, sowie die Software und Kommunikation verbessert werden.

Kinderporno-Skandal: Auch die Kirche räumt massive Fehler ein

Nicht nur die Polizei Heilbronn, auch die evangelische Kirche, die als Träger des betroffenen Kindergartens zugleich Arbeitgeber von Kevin F. war, sah sich nach Bekanntwerden des Kinderporno-Skandals mit heftiger Kritik konfrontiert. Zurecht!

Ein Krisenteam arbeitete auf, warum der Erzieher monatelang unbehelligt weiter mit Kindern arbeiten konnte - obwohl bereits Ermittlungen gegen ihn liefen. Kirchensprecher Matthias Treiber machte in diesem Fall auf drei Erkenntnisse aufmerksam.

Kirchenpfleger wusste von Ermittlungen gegen Kevin F und zeigte sich selbst an

Besonders der Kirchenpfleger der evangelischen Gesamtkirchengemeinde Heilbronn hätte reagieren müssen. Er wusste von den Kinderporno-Ermittlungen gegen Kevin F. bereits im September 2017. Doch Kevin F. arbeitete bis Januar 2018 als Kindergartenleiter. Eltern und andere Mitarbeiter erfuhren sogar erst im Februar von dem Skandal - durch die Medien.

Warum der Kirchenpfleger so falsch reagierte, unter anderem nicht das Jugendamt informierte, ist bis heute unklar. Er selbst hatte die Verantwortung für den Bereich Kindergärten abgegeben und eine Eigenanzeige erstattet. Durch das Disziplinarverfahren wolle er zur Aufklärung beitragen, teilte der Kirchengemeinderat in einer Sitzung mit.

Ursprüngliche Anklage gegen Kevin F. vor dem Amtsgericht: Besitz von kinderpornografischem Material

Beim Prozess gegen den ehemaligen Erzieher werden ab dem 27. August auch zwei weitere Vorwürfe des Umgangs mit Kinderpornos mitverhandelt. Die Vorfälle sollen aus Februar und Mai 2016 stammen. Was genau sich dahinter verbirgt ist unklar.

Fest steht, dass der Fall des Angeklagten vor Bekanntwerden des Missbrauchs eigentlich ab dem 16. März 2018 am Amtsgericht Heilbronn verhandelt werden sollte. Dort hätte sich Kevin F. wegen des Besitzes von etwa 10.000 Bildern und 900 Videosmit kinderpornografischem Inhalt verantworten müssen.

Kevin F. leitete einen Kindergarten: Eltern befürchten weitere Missbrauchsfälle

Auch Wochen nach Bekanntwerden des Kinderporno-Skandals sorgen sich Eltern von ehemaligen Schutzbefohlenen des Erziehers. Sie befürchten, es könne weitere Missbrauchsvorfälle gegeben haben, die bislang nicht bekannt wurden.

Eine Elternbeirätin des Heilbronner Wilhelm-Busch-Kindergartens hatte dies gegenüber dem SWRberichtet. Kevin F. hatte sich über die ihm zur Last gelegten Taten hinaus geständig gezeigt - die Staatsanwaltschaft glaubte ihm deshalb, dass es "nur" ein Missbrauchsopfer gibt. Eltern sahen das offenbar ganz anders.

Kinderpornografie und Kindesmissbrauch: Immer mehr Fälle registriert

Am Tag werden durchschnittlich 36 Kinder Opfer von sexueller Gewalt. 2017 wurden laut polizeilicher Kriminalstatistik mehr als 16.000 Fälle von Kinderporno-Besitz registriert. Erschreckende Zahlen - doch die Dunkelziffer ist weitaus höher! Denn noch immer werden viele Fälle von der Polizei nicht aufgeklärt - oder gar nicht erst entdeckt.

Zudem werden die aufgedeckten Taten grausamer. Ein widerlicher "Trend" sei laut Bundeskriminalamtspräsident Holger Münch, das Beobachten von sexuellem Missbrauch per Live-Videochat. Außerdem werden die Opfer solcher Taten immer jünger. Die Polizei läuft bei fehlenden Speicherdaten dann oft ins Leere.

Polizei reagiert auf Negativ-Statistik: Neue Ermittlungswege bei Kinderpornos umstritten

Eine nicht ganz unumstrittene Methode soll das ändern. Polizisten können inzwischen auch selbst kinderpornografisches Material ins Internet stellen. Um mögliche Täter und Hintermänner so in die Falle zu locken oder den Schein als "Dazugehörige" zu wahren.

Das Material darf entgegen eines früheren Vorschlagsaber lediglich computergeneriert sein. Die Verwendung von authentischen Kinderpornos, die bereits im Netz kursieren, auch mit Einverständnis der Opfer, wurde von den Justizministern der Länder abgelehnt.

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