Zweiter Prozesstag: Es kommt immer dicker

Erst Sex vor K3 und dann Kinder überfallen?

+
Die Angeklagte Tatjana B. ist schon oft mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
  • schließen

Erst war es armselig. Jetzt wird es auch noch richtig widerlich.

Schon als die Jungs das Pärchen zum ersten Mal sehen, wissen sie: Das riecht nach Ärger. Am Heilbronner Shoppingcenter K3 lungert das Drogenpärchen Tatjana B. und Veli T. herum. Sie schwanken, haben offenbar ordentlich Alkohol intus. "Wir haben uns zuerst gar nicht getraut, in den McDonald's am K3 zu gehen", sagt ein Zehnjähriger heute Nachmittag am Heilbronner Landgericht. Hätten die Jungs ihre Mittagspausen-Pläne am 13. Oktober 2016 weiter geändert, wären ihnen die weiteren schockierenden Erlebnisse mit dem mutmaßlichen Täterpaar vielleicht erspart geblieben.

An jenem Donnerstag im vergangenen Herbst beschließen die sechs Realschüler im Alter von zehn bis zwölf Jahren, in der Heilbronner City essen zu gehen. Eins der Ziele: das Schnellrestaurant neben dem K3. Als die Freunde Richtung Bestelltheke laufen, fällt ihnen der torkelnde 36-jährige T. auf, den sie schon ein paar Minuten vorher in der Fußgängerzone gesehen haben. "Kurz darauf ist er sogar auf einem Hocker eingeschlafen", erklärt einer der Schüler. Die 29-jährige B. dagegen ist offenbar alles andere als müde: Sie krakeelt durch das Schnellrestaurant, beschimpft die Angestellten.

Fühlen Sie sich in der Region noch sicher?

Die Jungs ziehen weiter durch die Stadt, kommen aber bald zum K3 zurück. Sofort entdecken sie wieder das Pärchen. Diesmal sind die beiden auf dem Spielplatz vor dem Shoppingcenter zugange. Sichtlich angewidert schildert ein Zehnjähriger im Gericht: "Sie haben dort miteinander gevögelt, haben ganz eklige Dinge gemacht." Und das am helllichten Tag, kurz vor 14 Uhr!

Bald danach fällt dem Paar offenbar sein Geldmangel auf: Laut Aussage der Kinder sollen die beiden - mal gemeinsam, mal getrennt - auf die Passanten zugegangen sein, diese beschimpft und Geld verlangt haben. B. habe dann einen Zehnjährigen Heilbronner angepöbelt. Dieser erklärt: "Sie hat nach Geld verlangt. Als ich gesagt habe, dass ich keines dabei habe, hat sie mich berührt. Dabei bin ich zusammengezuckt und mein leerer Geldbeutel fiel aus der Hosentasche. Darauf hat sie meine Kleidung durchsucht. Weil sie nichts fand, hat sie mich geschubst."

Noch heftiger ist es einem Zwölfjährigen aus der Clique ergangen, als Veli T. ihn attackiert haben soll. Der Junge sagt im Gericht: "Der böse Mann kam auf mich zu, sagte: 'Gib' mir Geld! Hast du Handy?'. Als ich ihm sagte, dass ich nichts dabei habe, wurde er richtig böse, hat mich geschubst. Ich stand auf - und er hat mich gleich wieder geschubst. Dann konnte ich abhauen. Geklaut wurde mir nix." Allerdings hat sich der Junge beim Sturz am Bein verletzt, es floss sogar Blut.

Alle Jungs aus der Clique sind sicher: Die beiden Angeklagten sind die Täter. Diese schweigen allerdings bislang zu den Vorwürfen. B. behauptet, sich nicht erinnern zu können, T. verweigert die Aussage. Allerdings bittet T.s Verteidigerin in dessen Namen um Entschuldigung bei einem der Geschädigten. Ein Hauch von Geständnis?

Für die Justiz ist das Paar, das seit der Jugend regelmäßig Alkohol, Amphetamine, Marihuana und Kokain konsumiert, keineswegs unbekannt. Schon mehrfach standen Tatjana B. und Veli K. wegen Straftaten vor Gericht. Darunter: Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, Betrug, Diebstahl, Nötigung, Bedrohung, Schwarzfahren, Drogenhandel und Sachbeschädigung.

Das Urteil im Fall des gemeinschaftlichen versuchten Raubes in Tateinheit mit gemeinschaftlicher Körperverletzung vor dem K3 soll am 3. Mai im Heilbronner Landgericht fallen.

Die Top-Themen in Heilbronn und der Region 

Mehr zum Thema:

Prozess: Überfall auf Kinder am K3

Armselig: Raubüberfall auf Kinder

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare