Umweltministerium mit Entwarnung

Kernkraftwerk Neckarwestheim: Radioaktives Wasser aus Leck gelaufen

Das Kernkraftwerk Neckarwestheim südlich von Heilbronn in Baden-Württemberg
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Am Atomkraftwerk in Neckarwestheim ist radioaktives Wasser ausgetreten.
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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In einem Atomkraftwerk in Baden-Württemberg ist radioaktives Wasser ausgetreten. Die undichte Stelle war bei einem Rundgang aufgefallen.

Kleiner Schock bei einem Rundgang im Kernkraftwerk Neckarwestheim. Am 27. Januar fiel hier offenbar eine undichte Stelle in einem separaten Raum auf. Dabei war zwischenzeitlich sogar radioaktives Wasser ausgetreten, wie das Umweltministerium am Mittwoch mitteilte. Es gibt aber Entwarnung.

Kernkraftwerk Neckarwestheim: Radioaktives Wasser aus Leck gelaufen

Bei dem Leck im Atomkraftwerk in Neckarwestheim im Kreis Heilbronn handelte es sich um einen meldepflichtigen Vorfall der Kategorie N, eine sogenannte Normalmeldung, der internationalen Bewertungsskala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) 0. Laut Umweltministerium Baden-Württemberg bedeutet das im konkreten Fall „keine oder sehr geringe sicherheitstechnische Bedeutung“. Weder für den Menschen noch für die Umwelt habe es eine Gefahr gegeben. Auch bw24.de* berichtet darüber.

Internationale Bewertungsskala INES (Quelle: Umweltministerium Baden-Württemberg)

Aufgrund einer Vereinbarung zwischen den Betreibern der Kernkraftwerke und dem Bundesminister für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit werden meldepflichtige Ereignisse in Kernkraftwerken auch nach der Bewertungsskala INES (International Nuclear and Radiological Event Scale) der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEO) und der Nuklearenergie-Agentur (NEA) der OECD bewertet. Sie hat eine rasche und für die Öffentlichkeit verständliche Bewertung eines Ereignisses zum Ziel.

Die Skala umfasst sieben Stufen:

1 - Störung 2 - Störfall 3 - ernster Störfall 4 - Unfall mit örtlich begrenzten Auswirkungen 5 - Unfall mit weitergehenden Auswirkungen 6 - schwerer Unfall 7 - katastrophaler Unfall

Meldepflichtige Ereignisse, die nach dem INES-Handbuch nicht in die Skala (1 - 7) einzuordnen sind, werden unabhängig von der sicherheitstechnischen Bedeutung nach nationaler Beurteilung der „Stufe 0” zugeordnet.

Zwar gab es in dem separaten Raum im Kernkraftwerk Neckarwestheim zwar offenbar eine geringfügige Kontamination. Doch offenbar ohne gravierendere Folgen. Am Gehäusedeckel einer Armatur waren laut Umweltministerium Ablagerungen festgestellt worden. „Auf dem Boden unterhalb der Armatur konnten zudem getrocknete Rückstände des ausgetretenen Materials nachgewiesen werden. Obwohl der Systemabschnitt zum Zeitpunkt der Feststellung des Befundes in Betrieb war, wurde keine Leckage von flüssigem Medium mehr beobachtet“, hieß es in einer Pressemitteilung.

Leck im Krenkraftwerk Neckarwestheim: Umweltministerium gibt Entwarnung

Der betroffene Abschnitt verarbeitet radioaktiv belastetes Abwasser und gehört nicht zum Sicherheitssystem des Atomkraftwerks Neckarwestheim. „Der Raum, in dem die Leckage aufgetreten ist, enthält keine sicherheitstechnisch wichtigen Komponenten, die das austretende Wasser hätte beschädigen können“, teilt das Umweltministerium Baden-Württemberg mit.

Dennoch sei der betroffene Raum Teil des Sperrbereichs im Kernkraftwerk Neckarwestheim und darf somit nur von Mitarbeitern des Strahlenschutzes betreten werden. „Daher wäre auch im Falle des Austritts von stärker radioaktiv belastetem Wasser keine Kontaminationsverschleppung oder Kontamination von Personen zu befürchten“, heißt es in der Mitteilung weiter.

Kernkraftwerk Neckarwestheim: Nach Vorfall mit radioaktivem Wasser - Ursache wird geprüft

Die Armatur im betroffenen Raum im Kernkraftwerk Neckarwestheim wurde nach dem Vorfall ersetzt. Die Ursache des Lecks soll geprüft werden.

Der Block II in Neckarwestheim produziert als letzter Atommeiler in Baden-Württemberg noch Strom. Er soll spätestens Ende 2022 abgeschaltet werden. Im Kernkraftwerk kam es in den letzten Jahren hin und wieder zu solchen Vorfällen - ebenfalls der INES-Stufe 0. 2019 hatte das Kernkraftwerk im Kreis Heilbronn zeitweise stillgestanden, weil bei der Jahresuntersuchung Schäden an dutzenden Rohren aufgefallen waren. *bw24.de ist Teil des Ippen Digital Netzwerks.

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