Übernahme von 92 Real-Märkten

Kaufland: Entscheidung des Bundeskartellamts zu Real-Filialen gefallen – aber warum so?

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Nach der Zerschlagung der Real-Kette im Frühjahr wollte Kaufland 101 Filialen übernehmen. Kurz vor Weihnachten hat das Bundeskartellamt eine Entscheidung gefällt.

Jetzt steht es fest! Das Bundeskartellamt hat am Dienstag die Zerschlagung von Real möglich gemacht. Kaufland hat damit auch grünes Licht bekommen für die Übernahme von bis zu 92 Real-Märkten. Auch der SB-Warenhausriese Globus bekam die Freigabe, bis zu 24 Real-Standorte zu erwerben.

UnternehmenKaufland
HauptsitzNeckarsulm
Gründung1984
Mitarbeiter132.000 (Dezember 2019)
DachorganisationSchwarz-Gruppe

Kaufland: Bundeskartellamt stellt sich bei neun Real-Filialen quer – aus diesen Gründen

Ursprünglich wollte Kaufland 101 Real-Filialen übernehmen, bei neun davon ließ das die Wettbewerbsbehörde aber nicht zu. Betroffen sind die Standorte in Bedburg, Heidenau, Hemer, Heidenheim, Brandenburg, Neubrandenburg, Horb, Dülmen und Falkensee. Hintergrund ist, dass das Bundeskartellamt den Verbrauchern genügend Auswahl zwischen verschiedenen Lebensmittelhändlern geben möchte. „In den betroffenen regionalen Märkten wären sonst die Ausweichmöglichkeiten und der Wettbewerb zu stark beeinträchtigt worden“, erklärte Andreas Mundt, Präsident des Bundeskartellamts.

Neben den Kunden geht es dem Bundeskartellamt bei derartigen Entscheidungen aber auch um die Lieferanten. Zwar baue die Schwarz-Gruppe durch die Real-Übernahme ihre starke Marktposition beim Einkauf weiter aus. SCP habe sich aber im Gegensatz aber dazu verpflichtet, eine nennenswerte Zahl von Real-Standorten an mittelständische Lebensmittelhändler zu veräußern. So sorge man für eine Stärkung des Mittelstandes. „Nach dem Verlauf des Veräußerungsprozesses war nicht davon auszugehen, dass mittelständische Händler ohne die Einflussnahme des Bundeskartellamtes überhaupt Standorte hätten erwerben können“, betonte Mundt.

Kaufland: Kartellamt gibt grünes Licht für Real-Übernahme – so geht‘s jetzt weiter

Ab dem ersten Quartal kommenden Jahres werden die Real-Märkte jetzt sukzessive an Kaufland übergehen, teilte die Lebensmittelkette mit. Wie viele der nun 92 Real-Standorte Kaufland letztlich tatsächlich übernehmen kann, ist laut Bundeskartellamt noch von verschiedenen Faktoren abhängig – unter anderem von der Einigung mit den bisherigen Vermietern.

„Dies ist eine gute und wichtige Entscheidung für die Mitarbeiter, Kunden und Märkte. Wir bieten den Real-Mitarbeitern eine neue berufliche Perspektive und freuen uns darauf, mit ihnen gemeinsam die Märkte erfolgreich weiter zu betreiben. In den kommenden Monaten werden wir die Märkte integrieren und als regionale Nahversorger für die Kunden erhalten“, erklärt Ralf Imhof, Vorsitzender der Geschäftsleitung Kaufland Deutschland.

Kaufland erhielt am Dienstag von der Wettbewerbsbehörde grünes Licht für die Übernahme von bis zu 92 Real-Märkten.

Real-Übernahme durch Kaufland auch online: Was ändert sich für die Kunden?

Für die zur Schwarz-Gruppe mit Sitz in Neckarsulm bei Heilbronn gehörende Lebensmittelkette Kaufland ist es die bisher größte Übernahme der Firmengeschichte. Die Schwarz-Gruppe ist der mit Abstand größte Lebensmitteleinzelhändler in Europa. Auch der Discounter Lidl gehört zur Schwarz-Gruppe. Die Schwarz-Gruppe verzeichnet europaweit einen Umsatz von 113 Milliarden Euro, in Deutschland beträgt er rund 39 Milliarden Euro. Kaufland betreibt rund 670 SB-Warenhäuser und Verbrauchermärkte.

Dass real.de zum Online-Marktplatz von Kaufland wird, war bereits im Oktober klar. Damals hatte die Europäische Kommission die nötige Freigabe der Real-Seite erteilt. Für die Kunden bleibt real.de zunächst gleich. Im Laufe von 2021 soll der Online-Marktplatz dann auf den Namen Kaufland umgestellt werden, die Services sollen ausgeweitet werden.

Kaufland: Real-Märkte zur Übernahme freigegeben – Edeka-Entscheidung steht noch aus

Die Kette Real mit 276 Standorten war im Frühjahr von dem Handelskonzern Metro an den russischen Finanzinvestor SCP verkauft worden. Die Real-Standorte erzielten 2018/2019 einen Umsatz von circa sieben Milliarden Euro. SCP wollte die Kette zerschlagen und weiterverkaufen. Neben Kaufland und Globus wollte auch Edeka bis zu 72 Real-Filialen übernehmen. Hier steht die Entscheidung des Bundeskartellamts noch aus. Die Frist für die Entscheidung wurde bis zum 22. Februar verlängert.

Rubriklistenbild: © Friso Gentsch/dpa/Symbolbild

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