Compact Magazin in Regalen

Kaufland: Rechtsextremes Magazin in Regalen - heftiger Twitter-Streit

Das Kaufland-Logo an einer Filiale.
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Kaufland muss sich auf Twitter für ein Produkt rechtfertigen, das sich in den Regalen befindet. (Symbolbild).
  • Christina Rosenberger
    VonChristina Rosenberger
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Es ist ein krasser Streit, der aktuell auf Twitter rund um den Neckarsulmer Lebensmitteleinzelhändler Kaufland tobt. Sollte der Supermarkt ein rechtsextremes Magazin boykottieren?

Soziale Medien - sie haben durchaus ihre positiven und negativen Seiten. Denn einerseits kann ganz offen über die verschiedensten Themen diskutiert werden, andererseits müssen sich aber gerade große Unternehmen immer häufiger der öffentlichen Kritik ihrer Kunden aussetzen - und für angebliche Fehltritte rechtfertigen. So auch in einem aktuellen Beispiel dem Neckarsulmer Lebensmitteleinzelhändler Kaufland geschehen.

Auf Twitter konfrontierte eine Userin die Supermarktkette mit einem Fund in deren Regalen, der sie wohl zutiefst erschütterte. „Ich war neulich im Kaufland und dort wurde tatsächlich das Compact Magazin verkauft... Schaut euch an, was da drin steht. Ich konnte das nicht fassen, dass @kaufland sowas verkauft.“ schreibt die Kaufland-Kundin in ihrem Tweet und zeigt exemplarisch einige Ausschnitte aus der Zeitschrift - darauf wird unter anderem Hitler abgebildet. Zeilen wie „1900-1954: Wie wir betrogen wurden“ zieren die Cover der Hefte.

Kaufland: Krasse Twitter-Debatte um Magazin „Compact“ - vom Verfassungsschutz beobachtet

Und tatsächlich: Das Compact Magazin wird seit März 2020 als Verdachtsfall des Bundesverfassungsschutzes gelistet. Wissenschaftler und Journalisten bewerten die Zeitschrift als „verschwörungsideologisches Querfront-Magazin“ und ordnen das Blatt dem Rechtspopulismus oder Rechtsextremismus zu. Wieso also verkauft Kaufland solch ein Magazin?

Die Antwort findet sich tatsächlich schon in den Kommentaren zu dem Beitrag, der seitdem heftigst diskutiert wird. Während einige mit „ekelhaft“ oder „unglaublich“ kommentieren und es nicht fassen können, dass mutmaßlich rechtsextremistische Zeitschriften freiverkäuflich bei Kaufland ausliegen, springen einige Nutzer dem Lebensmitteleinzelhändler mit Sitz in Neckarsulm zur Seite. „Kaufland hat keine Wahl. Du bist verpflichtet alle vom Grossisten angelieferten Zeitschriften auch im Regal zu platzieren, damit nicht nur die Umsatzbringer überhaupt zum Verkauf stehen und alle Presseerzeugnisse zugänglich sind“, schreibt beispielsweise ein Twitter-User.

LebensmitteleinzelhandelKaufland Stiftung & Co. KG
Gründung1968
SitzNeckarsulm, Deutschland
Umsatz21 Mrd. Euro
Mitarbeiterzahl132.000

Und so ist es tatsächlich. Wie Kaufland auf Anfrage von echo24.de erklärt, bekommen Supermärkte wie Kaufland, Rewe oder Edeka ihre Zeitschriften von Pressegroßhändlern, die im Gesamtverband Pressegroßhandel (GVPG) zusammengeschlossen sind. Diese sind laut Artikel 5 des Grundgesetzes verpflichtet, die Pressefreiheit und Pressevielfalt „jederzeit und überall zu gewährleisten“. Eine Zensur durch Groß- und Einzelhändler darf demnach nicht stattfinden. Auch das Compact Magazin fällt - wie alle anderen Zeitschriften - unter diese Regelung.

Kaufland: Krasse Twitter-Debatte um Magazin „Compact“ - die Meinungen der User

Kaufland versichert in seiner Stellungnahme allerdings, der GVPG lasse „ausgewählte Publikationen“ vor der Veröffentlichung durch eine Anwaltskanzlei prüfen - auch hinsichtlich einer möglichen Verherrlichung des Nationalsozialismus. Dennoch fordern einige Twitter-User, das Compact Magazin in Zukunft lieber so auszulegen, dass man es nicht gleich auf Anhieb erkennen kann. Eine Nutzerin fragt beispielsweise: „Kann der Markt oder der Kiosk entscheiden, WO er einzelne Magazine hinlegt?“ - Andere rufen dazu auf, selbst tätig zu werden. „Das kann man ja beim Vorbeigehen ändern“, schreibt ein Nutzer mit einem Zwinkersmiley.

Doch mehrere User positionieren sich auch klar aufseiten der Pressefreiheit und gegen Zensur. Ein Twitter-Nutzer schreibt beispielsweise: „Zensur hilft niemandem und bestärkt gewisse Ideologien nur in ihrem Glauben.“ Ein weiterer fragt: „...fangen wir an es zu verbrennen..?“ Und im Zweifel hilft vermutlich tatsächlich nur, was ein dritter Kommentator seinen Mitkommentierenden unter dem Beitrag rät: „Kaufe es einfach nicht! Was ist so schwer daran?“

Übrigens muss sich Kaufland immer wieder mit Kritik auf Social Media-Plattformen auseinandersetzen. Erst kürzlich fand ein Kaufland-Kunde einen blinden Passagier in seiner Erbsendose der Kaufland-Eigenmarke. Wie der Supermarktriese hierauf reagierte, berichtete echo24.de ausführlich.

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