"Woher soll ich denn wissen, wie groß der wird?"

Ausgesetzt und abgegeben! Kangals versauern im Tierheim

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Kangals wie dieser werden leider immer wieder ausgesetzt.
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Viele holen sich einen der Hunde und wissen nicht, wie groß die Tiere am Ende werden.

Es ist einfach nicht zu fassen! Eigentlich sollte doch klar sein, dass ein Hund kein Spielzeug ist. Man könnte davon ausgehen, dass sich Menschen Gedanken machen, bevor sie sich einen Hund zulegen. Habe ich genug Zeit? Und Platz? Kann ich dem Tier auch in ein paar Jahren noch gerecht werden? Ist dieser Hund überhaupt für mich geeignet? Aber von wegen! Im Heilbronner Tierheim sitzen derzeit fünf Kangals - abgegeben aus Zeitmangel, von Mietnomaden oder einfach ausgesetzt...

Und auch unter den Ebay-Kleinanzeigen aus der Region ist in der vergangenen Woche wieder ein "gut erzogener" Kangal-Welpe zu finden. Auf echo24.de-Nachfrage, wie ein Welpe schon als gut erzogen betitelt werden könne und warum er abgegeben wird, gibt's eine clevere Antwort vom Heilbronner Verkäufer: "Ich habe keinen Platz. Wenn ich einen Garten hätte, würde ich ihn nicht abgeben."

Stellt sich die Frage: Warum wurde das Tier überhaupt gekauft? Die Erklärung ist zum Haareraufen: "Ich war mit einer Frau zusammen, deren Tochter lag im Krankenhaus. Sie mag Hunde. Auf jeden Fall habe ich den Hund gekauft und wollte ihn ihr schenken. Aber mit der Zeit habe ich gemerkt, dass meine Freundin nicht klar kommt." Aber warum dann ausgerechnet einen Kangal? Ein Herdenschutzhund, bei dessen Rasse die Rüden über 70 Kilo Körpergewicht erreichen können. Der Inserent ist sich keiner Schuld bewusst: "Woher soll ich denn wissen, wie groß der wird?"

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Silke Anders, Vorsitzende des Tierschutzvereins Heilbronn ärgert sich zwar jedes Mal über solche Antworten, wundert sich aber nicht mehr: "Da denkt doch keiner drüber nach. Viele wissen genau, wie groß Kangals werden und holen sich trotzdem einen." Die Tierschützerin geht davon aus, dass kaum jemand in Deutschland einem Kangal das notwendige Umfeld bieten kann: "Eigentlich müssten bei einer veterinäramtlichen Prüfung fast alle ihre Kangals wieder abgeben."

Für ein Kangal-Verbot in Deutschland spricht sie sich allerdings nicht aus: "Wo fange ich denn dann an? Ein Kangal hat nur eine Aufgabe: seine Herde zu schützen und zu bewachen. Aber auch der Border Collie möchte beschützen und nicht auf der Couch versauern. Ein Husky hat mehr als nur schöne blaue Augen, und ein Jack Russel ist ein Jagdhund!"

Bei den Kangals steht das Tierheim vor einem weiteren Problem: Kaum jemand hat die körperlichen Voraussetzungen, um die Riesen Gassi zu führen. Anders: "Kangals haben durchaus eine sehr enge Bindung zu ihren Menschen, aber es sind keine 'Sitz-Platz-Bleib-Hunde'."

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