Nur neun Quadratmeter groß

In diesen Mini-Häusern sollen Heilbronner bald wohnen

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Die Minihäuser sind nur neun Quadratmeter groß.
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Winzige Wohncontainer mit Vollausstattung bieten günstigen Wohnraum für Studenten, Rentner oder Obdachlose.

Wer durch diese Eingangstür schreitet, steht gleichzeitig mitten in Schlaf-, Wohn-, Arbeitszimmer und Küche! Besonders geräumig geht es in dem Holzmodulhaus auf dem Parkplatz der Heilbronner Aufbaugilde nicht zu. Das ist aber auch gar nicht das Ziel: Wer hier wohnt, wohnt vor allem günstig. Die Monatsmiete ist kaum zu glauben! Nur ungefähr 200 Euro muss man für das vollmöblierte Mini-Apartment mit eigenem Bad hinlegen. Mini-Wohnen zum Mini-Preis!

Wer allerdings jetzt schon mit dem Gedanken spielt, die Umzugskartons zu packen, wird vermutlich enttäuscht: Bislang hat die Aufbaugilde, ein diakonisches Unternehmen der Wohnungslosenhilfe, nur ein Test-Häuschen auf dem eigenen Parkplatz installiert. Zwei weitere will Geschäftsführer Hannes Finkbeiner noch anschaffen. Das Ganze ist ein Experiment: Obdachlose, vielleicht auch Zeitarbeiter, Rentner oder Studenten sollen eine Weile lang probewohnen. Reichen neun Quadratmeter zum Leben? Wie funktioniert das Raumklima? Wie reagieren die Anwohner? Alles Fragen, die das Modellprojekt beantworten soll.

Würdet ihr in die Mini-Häuser einziehen?

Und wenn es klappt? Dann könnten sich die Minihäuser in der Stadt vielleicht schnell vermehren. Die SPD-Fraktion möchte einen Antrag in den Gemeinderat einbringen, nach geeigneten Stellplätzen in den Stadtteilen zu suchen. Das könnte zum Beispiel am Rande von Parkplätzen sein. Das Problem: Strom- und Wasseranschlüsse müssen vorhanden sein. "Dafür könnte man Sponsoren suchen", sagt Gemeinderätin Marianne Kugler-Wendt.

In dem kleinen Haus gibt es Bett, Schreibtisch, Küchenzeile, Schrank und Bad.

Die Anschaffung eines Mini-Hauses kostet ungefähr 20.000 Euro - kein Schnäppchen! Doch der Wohnungsmarkt in Großstädten wie Heilbronn wird immer angespannter, viele Menschen finden gar keine bezahlbare Wohnung mehr. Da kämen die Mini-Häuser gerade recht. Sie sind schnell aufzubauen, können kombiniert oder aufeinander gestapelt werden und bestehen aus wiederverwertbarem Baumaterial. Rita Schwarzelühr-Sutter, Parlamentarische Staatssekretärin aus Berlin, hat sich das Heilbronner Test-Häuschen schon ganz genau angesehen: "Im Vergleich dazu, unter der Brücke zu leben, ist das ein geschützter Raum, der viel Privatsphäre bietet."

Aufbaugilde-Geschäftsführer Hannes Finkbeiner zeigt Rita Schwarzelühr-Sutter die Einrichtung.

Bis zu 5000 Menschen wenden sich jedes Jahr an die Aufbaugilde – nicht alle sind obdachlos, aber viele machen sich Sorgen um ihre Wohnsituation. Laut einer Studie fehlen in Heilbronn 4500 Wohnungen, erklärt Finkbeiner – und in den kommenden Jahren werden nochmal tausende Studenten neu in die Stadt kommen. Vielleicht muss die Aufbaugilde ihre Wohncontainer dann ja bald in die Höhe stapeln.

Von Julia Weller

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