Mensch als Rudelführer 

Polizeibeamten mit Biss als Waffe! 

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Polizeihundeführer Tobias Keilbach mit seiner Schäferhündin Liz. 
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In Offenau bilden die Polizeibeamten Hunde zu Polizeihunden aus. Deutsche und belgische Schäferhunde sind besonders gut dafür geeinigt. 

Diese Polizeibeamtin ist neugierig, hat einen ausgeprägten Geruchssinn und läuft auf vier Beinen. Die Rede ist von: Liz, einer  vierjährigen Schäferhündin und Polizeibeamtin bei der Polizeihundestaffel in Offenau. 

Polizeihund? Wie wird man denn zum Diensthund? echo24.de wollte es genau wissen und hat bei der Polizeihundestaffel nachgefragt. 

Polizeihund: Familienhund und vierbeiniger Polizeibeamter

Liz kam mit süßen acht Wochen zu ihrem Hundeführer Tobias Keilbach. Seit dem lebt und arbeitet das Mensch-Hund-Team zusammen. "Liz ist ein super Familienhund und eine gute Polizeibeamtin, ich bin sehr zufrieden", sagt Keilbach. Die Schäferhündin lebt zwar bei ihm, aber ausgesucht hat sie ein anderer. Und zwar: Dirk Bräuner. Er ist der Leistungsrichter bei der Auswahl von Polizeifellnasen. Auf welche Kriterien legt der Leitungsrichter denn besonders viel Wert? 

"Die Hunde müssen vor allem zwei Voraussetzungen erfüllen: Spielen und Fressen! Denn die ganze Ausbildung zum Schutz- und Polizeihund geht über den Spieltrieb", erklärt Bräuner. Wenn der Hund seine Aufgabe erfüllt und zum Beispiel Sprengstoff oder Rauschgift gefunden hat, bekommt er sein Spielzeug. Somit verbindet der Hund die Suche mit einer Belohnung. Bräuner: "Deutsche und belgische Schäferhunde sind am besten dafür geeignet. Sie werden seit Jahren gezielt dafür gezüchtet." 

Hundestaffel in Offenau: Hund als Waffe

Wie gefährlich ist ein Polizeihund wirklich? Klar, die Vierbeiner werden streng zum Gehorsam erzogen, aber trotzdem ist es ein Tier, das dazu ausgebildet wird einen Menschen auf Befehl anzugreifen. Und das geschieht bei Schutzhunden über den Wehrtrieb. Das heißt, dass Liz gegen den Menschen vorgeht, und zwar so lange bis keine Gefahr mehr besteht - und zwar für den Hund oder den Hundeführer. Deswegen ist ein fertig ausgebildeter Hund eine richtige Waffe! 

Liz beißt mit einer Kraft von 1000 Kilogramm zu. Ein Hai hat eine Beißkraft von etwa 800 Kilogramm. Dirk Bräuner (in Schutzhosen) Hündin Liz und Tobias Keilbach. 

Kein Wunder also, dass man den Biss durch einen Schutzhund mit einer Verletzung durch eine Schusswaffe vergleichen kann.  Tatsächlich kommt es aber sehr selten vor, dass ein Polizeihund zubeißen muss. Alleine sein Auftreten ist sehr eindrucksvoll. "Die Menschen müssen die Hunde nur sehen. Das reicht dann meistens schon", sagt Hans-Jürgen Ott, Polizeihauptkommissar und Chef der Hundestaffel in Offenau. "Falls es doch zu einem Biss, kommt, egal, ob von einem Polizeihund oder im Alltag, sollten der Gebissene auf jeden Fall zum Arzt gehen und die Wunde gut ausspülen lassen", erklärt Ott weiterhin. Denn: Speichel eines Hundes enthält viele Bakterien. 

Polizeihundestaffel: Breites Einsatzgebiet 

Wo wird die Hundestaffel eingesetzt? Die vierbeinigen Polizeibeamten werden bei Demonstrationen, körperlichen Auseinandersetzungen aber auch bei der Rauschgift-, Sprengstoff- oder Leichensuche eingesetzt. "Bei einer Schlägerei geht die Aggression sofort zurück, wenn sie einen Polizeihund sehen", erklärt Ott. 

Im Allgemeinen kümmern sich die Hundestaffelführer, um alles was mit Hunden zu tun hat. So überprüft die Beamten auch Kampfhunde. "Durch eine Überprüfung kann der Besitzer eines Kampfhundes Steuern sparen und den Hund vom Maulkorbzwang befreien", sagt der Chef der Hundestaffel. Die Besitzer können ihren Liebling als Welpe einem Wesenstest nach Polizeiverordnung unterziehen lassen und ein zweites Mal als ausgewachsenes Tier. Darum muss sich der Besitzer jedoch selbst kümmern. 

Anders sieht es natürlich aus, wenn eine Beschwerde oder eine Anzeige wegen eines potenziell oder tatsächlich gefährlichen Hundes im Polizeirevier eingeht. Ott: "Die Hundeführer überprüfen Tiere nach Attacken auf Menschen und schreiben anschließend ein Bericht und eine Empfehlung an das Polizeipräsidium."

Polizei: Enorme körperliche und psychische Belastung für Hunde

Wie lange bleibt ein Hund denn bei der Polizei? "Solange er Spaß dabei hat und körperlich dazu imstande ist", erklärt Bräuner. Denn: Die Vierbeiner sind enormen körperlichen und psychischen Belastungen ausgesetzt. "Durch die vielen Einsätze und permanentes Training verschleißen die Gelenke der Diensthunde schneller als bei normal", sagt Bräuner. 

Den wohlverdienten Ruhestand verbringen die pelzigen Beamten selbstverständlich bei ihren Hundeführern. Denn nach jahrelangem Miteinander werden die Fellnasen zu geliebten Familienmitgliedern. Und kein Hundeführer kommt auf die Idee, ihren Partner mit der kalten Schnauze wegzugeben. 

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