Heilbronner Tafel

Das Essen muss für alle reichen

+
An der Kasse wird nicht nur kassiert, sondern auch darauf geachtet, dass jeder nur seine erlaubte Ration mitnimmt.  
  • schließen

In diesem Supermarkt sind Lebensmittel besonders günstig - und deshalb sehr wertvoll. Obwohl sie nicht makellos sind.

Die Regale sind voll. Vom Salatöl bis zur Zahnpasta gibt es alles. Auch an der Gemüse-Theke und in der Auslage mit Backwaren ist die Auswahl groß. Erst auf den zweiten Blick sieht man, dass die Lebensmittel nicht ganz makellos sind.

Dafür kann man hier für kleines Geld einkaufen! Ein Apfel mit Macken oder ein Salat, der schnell gegessen werden muss, damit er noch knackig ist, kostet hier nur ein Drittel oder gar ein Viertel des ursprünglichen Verkaufspreises. Das gilt für alle Waren im Heilbronner Tafelladen.

Zwischen Scham und Dankbarkeit

"Viele unserer Kunden schämen sich dafür, dass sie bei uns einkaufen", sagt Andreas Krützfeldt. Deshalb hat der stellvertretende Leiter des Tafelladens zur Cäcilienstraße hin einen Sichtschutz aufgebaut. "Damit man nicht so reingucken kann, wenn die Leute im Hof warten." Die Kunden haben ihn darum gebeten, denn die Warteschlange im Hof ist oft lang. 160 Kunden hat Krützfeldt in die Kartei aufgenommen. Alle haben einen Ausweis, der sie berechtigt, einmal pro Tag einzukaufen.

Es sind Bedürftige, darunter viele Ältere, denen die Rente nicht reicht oder Zeitarbeiter, die unmöglich eine ganze Familie ernähren können. Viel Dankbarkeit bekommen Krützfeldt und seine Mitarbeiter zurück. Manchmal aber auch Wut, wenn mal nicht so viel in den Regalen steht. Krützfeldt: "Dann müssen wir es aufteilen, damit die Sachen für alle reichen."

Einkaufen bei der Heilbronner Tafel

Ciccio Mirra gibt Gemüse aus. Der Italiener arbeitet seit zwei Wochen bei der Tafel und macht das gerne. Er sagt: "Wenn ich bediene, sind alle Kunden zufrieden." Früher durfte jeder beim Gemüse zugreifen. Da wurden die Sachen aber schneller welk. Deshalb sind Mirra und seine Kollegen da. Das besondere an den Kunden? "Alle wollen sparen." Sie kennen die Preise genau und merken sofort, wenn die Milch im gewöhnlichen Supermarkt nur ein paar Cent teurer ist.

Von Lisa Reiff

Mehr zum Thema

Wo bleiben die Kunden? Heilbronner Tafel-Angebot weniger genutzt

Essener Tafel Das sagt der Chef zum Aufnahme-Stopp von Migranten

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare