"Verkettung unglücklicher Umstände"

Kieferbruch nach Salto-Sturz in Stuttgarter Theater: So achtet der Weihnachtscircus auf Artisten-Sicherheit 

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Die Gruppe "Simet" stemmt beim Heilbronner Weihnachtscircus in diesem Jahr einen spektakulären Balance-Akt.
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Eine Künstlerin stürzt beim Salto und bricht sich den Kiefer. Kann so etwas beim Heilbronner Weihnachtscircus passieren?

Eine eigentlich atemberaubende Show endete für eine Künstlerin und ihr Publikum in Stuttgart in einer Horror-Vorstellung. Wie die Bild-Zeitung berichtet (Artikel hinter Bezahlschranke, Anm. d. Red.), stürzte die Artistin im Stuttgarter Theater beim Versuch auf dem sogenannten russischen Barren einen Dreifach-Salto zu absolvieren, prallte mit dem Kopf auf dem Boden auf und brach sich dabei - glücklicherweise - "nur" den Kiefer. Auch im Heilbronner Weihnachtscircus treten immer wieder Artisten auf, die waghalsige Übungen in die Manege bringen. Wie ist es dort um die Sicherheit bestellt?

Heilbronn: Artist entscheidet beim Weihnachtscircus über Sicherung

"Grundsätzlich liegt die Verantwortung primär immer beim Artisten", erklärt Sascha Melnjak, Geschäftsführer des Heilbronner Weihnachtscircus. "Der Veranstalter stellt das Arbeitsumfeld zur Verfügung, in der die engagierten Nummern natürlich problemlos durchführbar sein sollten." Dass eine mögliche Gefahr bei dem missglückten Dreifach-Salto in der Stuttgarter Vorstellung "Salto Mondiale" vonseiten der Artistin oder des Veranstalters unterschätzt wurde, glaubt Melnjak nicht. "Beide sind Profis und seit vielen Jahren mit der Materie vertraut."

Auch Produktionsleiter Wolfram Wehr sprach in der Bild-Zeitung von einer "Verkettung unglücklicher Umstände." Eine Absicherung gab es für die Artistin offenbar nicht. Dies könnte aber auf eigenen Wunsch geschehen sein. Denn auch im Weihnachtscircus richtet sich das Sicherheitskonzept nach den Vorstellungen der Artisten. Melnjak: "Wir als Veranstalter akzeptieren jede Form der Sicherung einer artistischen Darbietung und würden hier niemals intervenieren."

Stuttgart: Artistin bricht sich bei missglücktem Salto Kiefer - Restrisiko nicht vermeidbar

Doch die Artisten sind Künstler, arbeiten deshalb oder aus technischen Gründen teilweise bewusst ohne Netz und doppelten Boden. Ist dies gewünscht, vertraue der Weihnachtscircus auch dann auf die Professionalität der Darbietungen.

Ausschließen kann Melnjak eine potenzielle Gefahr daher natürlich nicht. "Es liegt in der Natur einiger artistischer Programmpunkte, dass diese auch gefährlich werden könnten, wenn man sie nicht richtig beherrscht." Deshalb engagiere der Weihnachtscircus ausschließlich absolute Profis und konzentriere sich darauf, für diese perfekte Arbeitsbedingungen zu schaffen.

Heilbronner Weihnachtscircus: Keine Nummer mit russischem Barren in diesem Jahr

Auch die beim Salto-Sturz verletzte Artistin war laut Bild seit langem im Geschäft. Turnte demnach früher für die russische Nationalmannschaft und trat bereits seit 2000 als Artsitin auf. Ob der als unfassbar schwierig geltende Dreifach-Salto an diesem Abend nicht drin war? Das lässt sich nur spekulieren - zweimal war die Künstlerin offenbar vorher bereits gescheitert, ehe sie zum dritten verheerenden Versuch ansetzte. Doch ob dies Teil der Inszenierung war oder nicht, ist schwer zu beurteilen.

Eine Nummer auf dem russischen Barren wird es im diesjährigen Heilbronner Weihnachtscircus jedenfalls nicht geben. Andere spannungsgeladene Auftritte von Hochkarätern der Zirkuswelt aber schon. Denn auch wenn die Artisten manchmal waghalsig erscheinen - sie haben alles tausendfach erfolgreich geprobt und wollen einen spektakulären Auftritt abliefern. Das letzte Stück Risiko ist da  - so ehrlich sind alle - unvermeidbar Teil des Berufs.

Information: Heilbronner Weihnachtscircus 2019/20

Der Heilbronner Weihnachtscircus gastiert ab dem 18. Dezember wieder auf der Theresienwiese. Vorstellungen finden bis zum 6. Januar 2020 statt. Am Premierentag findet traditionell um 15.30 Uhr die echo-Familienvorstellung statt. Karten für alle Tage gibt es bereits im Vorverkauf an den bekannten Stellen, im Online-Ticketshop und ab 1.11.2019 auch telefonisch über die Zirkuskasse (0700/598000-00).

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