Zweite Verhandlungsrunde im Tarifstreit gescheitert

Verwirrung um Streik in Heilbronn - Stadtbahnen doch betroffen, aber...

  • Julia Thielen
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In Heilbronn wird am Freitag nicht gestreikt. Dabei bleibt es. Trotzdem fallen die Stadtbahnen S4, S41 und S42 aus. Wie es dazu kommt.

Update 25. September: „In Karlsruhe, Baden-Baden und Heilbronn kommt es am Freitag, 25. September, ab 10 Uhr zu Arbeitsniederlegungen", heißt es in einer Pressemitteilung der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG). Jetzt also doch? Die Ausfälle der Stadtbahnen S4, S41 und S42 haben in Heilbronn für Verwirrung gesorgt. Schließlich hatte verdi erst gestern noch bekräftigt, dass es am heutigen Freitag keine Warnstreiks in Heilbronn geben wird. Und dabei bleibt es auch. Katharina Kaupp, Bezirksgeschäftsführerin für verdi in Heilbronn-Franken, erklärt auf echo24.de-Anfrage, was hinter den trotzdem bestehenden Zugausfällen steckt.

Stadtbahnen Heilbronn: Ausfälle hängen mit Streik zusammen, aber...

„Die AVG hat ihren Sitz in Karlsruhe und da wird heute gestreikt“, sagt Kaupp. Dadurch könnten auch in Heilbronn Stadtbahnen ausfallen. Einen offiziellen Warnstreik gäbe es in Heilbronn aber wie gesagt heute nicht. Kaupp: „Wir werden Streiks in Heilbronn in jedem Fall rechtzeitig ankündigen, damit sich die Menschen darauf einstellen können.“

Die AVG hatte die Ausfälle der Stadtbahnen S4, S41 und S42 zuvor damit begründet, dass „einige Triebfahrzeugführer bei den kommunalen Stadtwerken Heilbronn beschäftigt sind". Doch laut verdi wird dort gar nicht gestreikt. Das führte zu Verwirrungen.

Global Strike: Kein Warnstreik, aber Aktion mit Busfahrer in Heilbronn

Auch die Ankündigung eines „Global Strikes“ der Fridays for Future-Bewegung für den heutigen Freitag spielte da mit hinein. Doch auch hier erklärt Kaupp: „Die Stadtbusse werden ebenfalls nicht bestreikt. Es gibt aber eine gemeinsame Aktion am Bollwerksturm." An der sei auch ein Busfahrer beteiligt. Weil er dort reden würde.

Fridays for Future unterstütze lediglich die Forderungen von verdi nach besseren Arbeitsbedingungen für die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr. Dies habe aber nichts mit den wegen der ergebnislosen zweiten Verhandlungsrunde angekündigten Warnstreiks zu tun.

Kein Streik heute in Heilbronn: Zugausfälle Richtung Stuttgart haben anderen Grund

„Wir wurden heute auch schon gefragt, ob wir für die Zugausfälle der Regionalbahnen verantwortlich sind", sagt Kaupp. Doch auch hier verneint sie natürlich. Auf der Strecke nach Stuttgart ist ein Güterzug entgleist. Das Bahn-Chaos dort hängt damit, nicht mit einem Streik zusammen.

Update 24. September: Die Gewerkschaft verdi hat für Baden-Württemberg Warnstreiks angekündigt. An verschiedenen Tagen sind verschiedene Berufszweige und Städte betroffen. Erste Aktionen liefen bereits. Streiks in Heilbronn und der Region werden folgen.

Heilbronn: Streiks für die Region fest eingeplant

„Es werden Streiks auch in der Region bis zur dritten Verhandlungsrunde kommen", erklärt Katharina Kaupp, Bezirksgeschäftsführerin für verdi in Heilbronn-Franken, gegenüber echo24.de. Genau in die Karten schauen lassen, will sich die Gewerkschaft aber noch nicht.

„Wir kündigen Warnstreiks im öffentlichen Dienst rechtzeitig an“, sagt auch Andreas Henke, Pressesprecher für verdi in Baden-Württemberg. Doch er bittet auch um Verständnis, „dass wir die Arbeitgeber auch nicht zu sehr im Voraus informieren wollen.“ Schließlich soll auf sie der Druck bis zur dritten Verhandlungsrunde erhöht werden.

Heilbronn: Streik erst frühestens ab nächster Woche geplant

Diese findet am 22. und 23. Oktober in Potsdam statt. Auf einen Streik in den kommenden vier Wochen müssen sich die Menschen in Heilbronn und der Region also auf jeden Fall einstellen.

In dieser Woche ist in der Region mit keinen Streiks zu rechnen.“

Katharina Kaupp, verdi-Bezirksgeschäftsführerin Heilbronn-Neckar-Franken

Allerdings „ist in dieser Woche in der Region mit keinen Streiks zu rechnen“, wie Kaupp auf echo24.de-Anfrage bestätigt. Was genau dann ab frühestens nächster Woche bestreikt wird, bleibt aber vorerst offen.

Auch für Heilbronn: Gewerkschaft verdi kündigt Warnstreiks an

Erstmeldung 22. September: Weil auch die zweite Verhandlungsrunde im öffentlichen Dienst ergebnislos zu Ende ging, hat die Gewerkschaft verdi in ganz Deutschland Warnstreiks angekündigt. Auch in der Region Heilbronn-Franken soll gestreikt werden. Betroffen sind davon voraussichtlich unter anderem der öffentliche Nahverkehr, Kitas und trotz Corona sogar Krankenhäuser.

Streik in Heilbronn: Kitas, Nahverkehr und sogar Krankenhäuser betroffen

Gestreikt werden soll in Heilbronn laut übereinstimmenden Medienberichten aber nicht vor Freitag. In Ludwigsburg beispielsweise startet verdi die Warnstreiks dagegen schon am morgigen Mittwoch, andernorts geht es am heutigen Dienstag mit ersten Aktionen los.

Mit den punktuellen Warnstreiks auch in Heilbronn will die Gewerkschaft verdi ihren Lohnforderungen im laufenden Tarifstreit mit Bund und Kommunen Nachdruck verleihen. Zunächst sollen die Streiks nach eigener Aussage "betriebsnah" stattfinden.

Warnstreik in Heilbronn: Kita-Eltern müssen wohl teils ohne Notbetreuung klarkommen

Ab der kommenden Woche seien aber auch größere Aktionen geplant. Von Arbeitsniederlegungen in Krankenhäusern, Kitas und im öffentlichen Nahverkehr könnten ab Freitag auch die Heilbronner betroffen sein.

Die zusätzliche Belastung für die Bevölkerung in Zeiten von Corona wolle die Gewerkschaft verdi aber auch in Heilbronn gering halten. „Warnstreiks werden immer rechtzeitig angekündigt", heißt es in einer Pressemitteilung vom gestrigen Montag. Inwieweit sich zum Beispiel Eltern auf eine erneute Betreuung ihrer Kinder einstellen müssen, ist derzeit dennoch unklar.

Warnstreiks in Heilbronn angekündigt: Notbetreuung in Kitas eher fraglich

Eine wie sonst so in Fällen von Warnstreiks gestellte Notbetreuung in Kitas dürfte in der Corona-Pandemie vielerorts nur schwer zu stemmen sein.

Wie die Heilbronner Stimme berichtet, handhabt das aber jede Gemeinde für sich anders. Neckarsulm könne demnach keine Notbetreuung wie üblich anbieten, Bad Friedrichshall dagegen habe schon jetzt einen Plan B, sollte es in städtischen Kitas zu Warnstreiks kommen.

Streik im Krankenhaus: SLK-Klinik in Heilbronn wohl auch betroffen

Bei Streiks im öffentlichen Nahverkehr wären im Gegensatz zu den Busausfällen bei verdi-Warnstreiks im vergangenen Jahr nur die Stadtbusse Heilbronns betroffen. Private Busunternehmen sowie die Stadtbahn, die von der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft betrieben wird, fahren dagegen wie gewohnt.

Von den Warnstreiks in Heilbronn wäre laut Heilbronner Stimme erneut wohl auch das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen betroffen. Wie in der Vergangenheit, solle natürlich insbesondere während der Corona-Pandemie, auch im Falle einer Arbeitsniederlegung eine medizinische Notfallversorgung im Krankenhaus gewährleistet sein.

Streiks in Heilbronn: Ausgerechnet „Corona-Helden" legen Arbeit nieder

Die Gewerkschaft verdi bestreikt mit den aktuellen Arbeitsniederlegungen ausgerechnet einige der Berufe, die vor allem zu Beginn der Corona-Pandemie und des Lockdowns in Deutschland besonders viel Anerkennung aus der Bevölkerung erhalten haben. Unter anderem Erzieher und Pflegepersonal waren nicht selten als „Corona-Helden“ oder „Helden des Alltags" betitelt worden.

„Aus Klatschen muss jetzt materiell spürbare Anerkennung werden.“

Hanna Binder, stellvertretende verdi Landesbezirksleiterin in Baden-Württemberg

„Der Applaus der Bürgerinnen und Bürger im Frühsommer hat den Beschäftigten gutgetan. Sie freuen sich, wenn daraus Solidarität in diesem Tarifkonflikt wird. Aus Klatschen muss jetzt materiell spürbare Anerkennung werden", erklärte Hanna Binder, stellvertretende verdi Landesbezirksleiterin in Baden-Württemberg.

Warnstreiks angekündigt: Kritik von Kommunalem Arbeitgeberverband Baden-Württemberg

Scharfe Kritik an den Protesten kam vom Kommunalen Arbeitgeberverband Baden-Württemberg (KAV) . Dessen Hauptgeschäftsführer Joachim Wollensak sagte in Stuttgart, er halte die Warnstreiks für unangebracht und kontraproduktiv. Die Kommunen seien in einer schwierigen wirtschaftlichen Situation. 

Rubriklistenbild: © Carsten Rehder / dpa

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