Tiervermittlung in der Coronavirus-Zeit

Ansturm auf Tierheime: Spielt das Coronavirus illegalen Tierzüchtern in die Hände? 

  • Jason Blaschke
    vonJason Blaschke
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Viele Menschen in Heilbronn schaffen sich in der Coronavirus-Zeit einen tierischen Begleiter an. Aber was ist der Auslöser für diesen Ansturm auf die Tierheime? Und spielt das illegalen Züchtern in die Hände?

  • Auch das Tierheim in Heilbronn vermittelt in der Coronavirus-Zeit mehr Tiere als sonst.
  • Experten erklären, warum die Menschen ausgerechnet in der Coronavirus-Pandemie ein Tier wollen.
  • Aktuell haben viele Menschen in der Corona-Isolation die Idee vom "Haustier auf Zeit", ist das möglich?

Ansturm auf Tierheime: Spielt das Coronavirus illegalen Tierzüchtern in die Hände? 

Update vom 28. Juni: Viele Menschen spielen in Zeiten Coronavirus-bedingter Kurzarbeit und Homeoffice mit dem Gedanken, sich einen tierischen Begleiter an die Seite zu holen. Viele führt der Weg deshalb ins Tierheim, wo mancherorts schon von einem regelrechten Ansturm die Rede ist. Gleichzeitig steigt damit aber auch die Gefahr, dass sich Menschen ihre Haustiere - oft unwissend - von illegalen Tierzüchtern beziehen.

Zwar sind Tiervermittlungen - zum Beispiel über ebay-Kleinanzeigen - nicht von vornherein schlecht, doch Interessenten sollten aufpassen. Denn neben fachkundigen Züchtern treiben auch illegale Tierhändler ihr Unwesen auf diesen Portalen. Daher ist es wichtig, dass Interessenten hellhörig werden, wenn Tiere beispielsweise zu Dumpingpreisen angeboten werden.

Tiervermittlung beim Züchter: Darauf sollten Interessenten achten

Sprich: Wenn mir ein Hund für 50 Euro angeboten wird, stimmt etwas nicht. "Oft fehlen überlebenswichtige Impfungen oder korrekte Begleitpapiere", erklärt Silke Anders vom Tierschutzverein Heilbronn. Werden die Tiere dann krank, bringen die Leute sie ins Tierheim. Gleiches gilt, wenn Menschen sich Tiere anschaffen und aufgrund fehlender Informationen maßlos überfordert sind.

Aktuell ist der Bestand im Tierheim noch überschaubar. Tierschützer hoffen, dass das auch so bleibt und es keine Corona-Nachwelle gibt und die Tiere zurückgegeben werden. 

Insofern ist die Sorge unter Tierschützern groß, dass auch solche Tiere in einer Corona-Nachwelle in die Tierheime kommen können. Auch in Heilbronn setzten Anders und ihr Team deshalb auf Aufklärung. Klar ist aber, dass nicht jeder vom illegalen Tierkauf abgehalten werden kann, wenn er oder sie beispielsweise nicht die Voraussetzungen für ein Tier aus dem Tierheim erfüllen kann.      

Tierheim Heilbronn: Das "Haustier auf Zeit" in der Coronavirus-Pandemie

Update vom 28. Juni: Der Ansturm auf die Tierheime in der Coronavirus-Zeit ist groß. Potenzielle Halter sollten sich aber bewusst sein, dass jedes Tier viel Aufmerksam braucht - auch nach der Homeoffice-Zeit oder der Corona-Isolation. So mancher Tierliebhaber ist sich dieser Problematik durchaus bewusst und kommt in Zeiten von Corona auf die Idee vom "Haustier auf Zeit".

"Auch bei uns im Tierheim Heilbronn gab es eine solche Anfrage", erklärt Silke Anders vom Tierschutzverein Heilbronn. Aber sowas ergibt keinen Sinn. "Es ist zwar nett gemeint, aber damit ist niemandem von uns wirklich geholfen", sagt Anders. Im Gegenteil: Für die Tiere ist ein solches Zuhause auf Zeit katastrophal, weil sie innerhalb von ein paar Wochen hin und her geschoben werden. Das ist Stress für die Tiere.

Sanders: "Daher lehnen wir solche Anfragen für vorübergehende Betreuung grundsätzlich ab." Und wer trotzdem ab und zu die Nähe zu Tieren sucht, kann beispielsweise als ehrenamtlicher Helfer mit einem der Hunde aus dem Heilbronner Tierheim Gassigehen. Denn das ist in der Regel möglich, "nur jetzt in Zeiten des Coronavirus müssen wir dieses Angebot aussetzten", erklärt Anders.

Tierheim in Zeiten der Coronavirus-Pandemie: Das Fazit aus Heilbronn 

Hintergrund sind die geltenden Kontaktbeschränkungen in Baden-Württemberg, die das Tierheim bei vielen Besuchern nicht mehr gewährleisten kann. Und da im Moment ohnehin viele Tiere vermittelt werden können, bleibt der Bedarf an externen Helfern überschaubar. Anders: "Sobald es die Situation in der Coronavirus-Zeit zulässt, werden wir das Gassigehen natürlich wieder anbieten." 

Unterm Strich zieht das Heilbronner Tierheim eine positive Bilanz in der Corona-Krise. Einzig ein Futterproblem bereitete Silke Anders kurzteitig Panik.

Anders: "Unterm Strich kommen wir wirklich gut durch die Coronavirus-Zeit. Nur ganz am Anfang der Pandemie hatte ich kurz Panik." Grund dafür war der kurzzeitige Mangel an Futter und anderen notwendigen Produkten wie beispielsweise Einstreu. Aber anders als beim Klopapier waren hier nicht die Hamsterkäufe in Heilbronn daran schuld, sondern die unterbrochenen Handelswege.

Hintergrund ist, dass gerade Tierfutter meist oder zumindest zum Teil  im Ausland produziert wird. Ähnlich wie bei Medikamenten kam es zu Lieferengpässen bei Hundefutter und Co. Aktuell habe sich die Lage aber wieder beruhigt. Und die Tatsache, dass in der Coronavirus-Zeit mehr Tiere vermittelt werden können, lässt die Tierschutzvereine in Heilbronn und ganz Deutschland positiv nach vorne blicken.  

Tierheim Heilbronn: Tiervermittlung in der Coronavirus-Zeit - ein Ansturm?

Ursprungstext, 27. Juni: Wer ins Heilbronner Tierheim in den Böllinger Höfen kommt, steht erstmal vor verschlossenen Türen. Grund dafür ist wie vielerorts die allgegenwärtige Coronavirus-Pandemie in Baden-Württemberg, die Einschränkungen auch im Tierheimbetrieb notwendig machen. Doch trotz Coronavirus sind nach wie vor Tiervermittlungen möglich. Voraussetzung dafür ist aber eine vorherige Anmeldung per Telefon oder E-Mail. 

"Anschließend findet ein kurzes Vorgespräch statt", erklärt Silke Anders, erste Vorsitzende vom Tierschutzverein Heilbronn im Gespräch mit echo24.de. Bei diesem Gespräch sollten Interessenten dann bereits wissen, was sie wollen. Wie muss das Tier gehalten werden? Welche Bedürfnisse muss ich berücksichtigen? Das ist Wissen, das die Interessenten schon haben sollten.

Insbesondere jetzt in der Coronavirus-Zeit, wo viele Menschen in Heilbronn sich häufiger einen tierischen Begleiter an ihre Seite holen möchten. Anders: "Es stimmt, die Anfragen für Tiervermittlungen haben spürbar zugenommen - sowohl bei Hunden, als auch bei Katzen und Kleintieren." Vergleichbar sei der Anstieg mit der Sommerferien-Zeit, wo grundsätzlich mehr Tiere vermittelt werden können als sonst.

Heilbronn: Ansturm auf die Tierheime - aber warum ausgerechnet jetzt?

In der Corona-Zeit entdecken viele Menschen die Liebe zum Tier. Was sind die Gründe dafür? 

"Die Gründe für diesen Ansturm sind vielfältig", erklärt Lea Schmitz von der Bundesgeschäftsstelle des Deutschen Tierschutzbundes auf tageschau.de zum Ansturm auf die Tierheime in der Coronavirus-Zeit. Ein ausschlaggebender Punkt ist, dass sich die Menschen gerade jetzt auf das Wesentliche besinnen. Schmitz: "Unsere Tiere fühlen mit uns, leisten uns Gesellschaft, lenken uns ab und spenden Trost."

Und gerade in Zeiten von Coronavirus-bedingter Kurzarbeit und Homeoffice ist das Spielen mit der Katze oder das Gassigehen mit dem Hund eine willkommene Abwechslung zum Alltag. Hinzu kommt, dass die Menschen aktuell vorwiegend zu Hause sind und das Tier nicht allein bleiben muss. Anders: "Unter normalen Umständen müssten die neuen Tierhalter Urlaub für die Eingewöhnungszeit nehmen."

Tierheim-Ansturm: Kommt das böse Erwachen nach der Coronavirus-Zeit?

Und genau der Faktor Zeitnehmen könnte in Zukunft zum Problem werden. Der Grund: Jetzt haben die Menschen Zeit für das neue Familienmitglied - in ein paar Wochen kann das schon ganz anders aussehen. Anders: "Die Frage ist: Wie viele Tiere kommen dann zurück ins Tierheim?" In Heilbronn haben Anders und ihr Team natürlich Anforderungen, die die neuen Besitzer erfüllen müssen.

Anders: "Natürlich können wir niemanden hinter den Kopf schauen. Und wenn Tiere nach der Coronavirus-Zeit zurückkommen, dann sind sie bei uns immer willkommen." Selbstverständlich hoffen Anders und ihr Team, dass der Ansturm-Trend nicht ins Negative umschlägt. Daher sollten künftige Tierbesitzer wissen: Jedes Tier braucht Aufmerksamkeit - auch nach der Homeoffice-Zeit.

Rubriklistenbild: © Jason Blaschke

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