Ab Mai soll Heilbronn die „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ werden

Neue Pläne enthüllt: So soll Heilbronn 2022 bundesweit für Erstaunen sorgen

Die beiden Kulturschaffenden und Kulturmanager Philipp Wolpert (links) und Tobias Frühauf sitzen nebeneinander auf Stühlen vor einer Steinmauer.
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Im Rahmen eines nie dagewesenen, einjährigen Projekts wollen Philipp Wolpert (links) und Tobias Frühauf Heilbronn in ein „urbanes Spektakel“ verwandeln.
  • Daniel Hagmann
    VonDaniel Hagmann
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Bis zum Sommer 2023 sind eine Menge spannender Veranstaltungen geplant. Und jeder Einzelne kann mitmachen.

Wasser, Sauerstoff, Nahrung. Schon allein, indem er lebt, verbraucht jeder Mensch Ressourcen. Allerdings macht es einen Unterschied, ob man gedankenlos konsumiert – oder so existiert, dass der eigene ökologische Fußabdruck nicht gerade die Größe eines Riesen hat. „Im Angesicht des Klimawandels haben wir uns gefragt: Wie kann man sein Leben gestalten, dass es im ökologischen Sinn möglichst folgenlos bleibt“, erklärt Philipp Wolpert.

Der Theater-Regisseur, der auch schon mit dem Heilbronner Theater zusammengearbeitet hat, hat gemeinsam mit dem Dramatiker Tobias Frühauf, beide aus Untergruppenbach bei Heilbronn, daher den Verein „Bund der Folgenlosen“ gegründet. Die Folgenlosigkeit sieht Wolpert dabei auf einer Ebene mit Ideen wie Freiheit und Gleichheit. „Das sind alles Idealbegriffe, die man nie komplett verwirklichen kann“, erklärt der 24-Jährige. „Die Idee ist aber, dass jeder Mensch sein Verhalten überdenkt, um so die negativen Effekte seines täglichen Lebens fürs Klima zu minimieren.“ Derzeit sorgen vor allem wilde Müll-Ablagerungen im Heilbronner Stadtgebiet für Aufregung.

StadtHeilbronn
StadtteileBöckingen, Sontheim, Horkheim, Neckargartach, Frankenbach, Klingenberg, Biberach, Kirchhausen
Fläche99,88 Quadratkilometer
Einwohnerzahl126.458 (31. Dezember 2020)
OberbürgermeisterHarry Mergel

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Das Licht der Hoffnung in der düsteren globalen Klima-Katastrophe scheint für das Duo dabei im Verzicht. Der 27-jährige Frühauf aus dem südlichen Landkreis Heilbronn: „Wenn man in seinem Leben etwas nicht tut, wendet man sich allerdings nicht zwangsläufig gegen den Fortschritt als solchen. Man kann ihn aber in eine positivere Richtung lenken. Die Möglichkeiten, wie man die Folgenlosigkeitsidee umsetzt, sind dabei für jeden Menschen individuell und grenzenlos.“

Wie facettenreich die Idee ist, soll jeder einzelne Mensch ab Mai überall in der Käthchenstadt sehen und erleben. Im Rahmen eines bisher bundesweit noch nie dagewesenen Kunstprojekts für ein klimafreundliches Leben soll aus Heilbronn dabei die „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ werden. In Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Hochschule Heilbronn, dem Württembergischen Kammerorchester, dem Kunstverein Heilbronn, der Volkshochschule und dem Arthaus-Kino im Marrahaus sollen bis zum Sommer 2023 viele unterschiedliche Einzelprojekte und Veranstaltungen den Begriff „Folgenlosigkeit“ mit Leben füllen.

Die Idee ist aber, dass jeder Mensch sein Verhalten überdenkt, um so die negativen Effekte seines täglichen Lebens fürs Klima zu minimieren.

Philipp Wolpert

Heilbronn soll die „Hauptstadt der Folgenlosigkeit“ werden

Wolpert erklärt: „Das Ganze ist auch ein Stadtentwicklungsprojekt für Heilbronn, ein urbanes Spektakel, das zum Dialog zwischen den unterschiedlichen Institutionen, aber auch zur Diskussion zwischen jedem Einzelnen anregen soll.“ Und warum ausgerechnet Heilbronn? Wolpert: „Die Stadt am Neckar floriert, ist voller Leben, bietet vieles, ist aber gleichzeitig überschaubar, sodass die Effekte des Klima-Projekts nicht untergehen. Jeder kann das, was ab Mai in der Stadt passiert, auf sich wirken lassen, aber gleichzeitig alles auch mitgestalten.“

Im Rahmen eines nie dagewesenen, einjährigen Projekts wollen Philipp Wolpert (links) und Tobias Frühauf Heilbronn in ein „urbanes Spektakel“ verwandeln.

Daher hat der „Bund der Folgenlosen“, der Trägerverein, in Heilbronn auch drei „Stipendien für Nichtstun“ zugunsten des Klimas ausgeschrieben. Frühauf: „Jeder kann sich bewerben und erklären, auf was er drei Monate lang verzichtet. Das kann auch etwas völlig Abstraktes sein.“ Die Gewinner des Stipendiums werden dann von allen Teilnehmern demokratisch ausgesucht – in einer Game-Show. Bedingung: Alle, die mitmachen, müssen für drei Monate dem Gewinner-Vorbild folgen. Dotiert ist das Stipendium mit 5.000 Euro. Verzicht kann so schön sein. Erst recht, wenn er die Welt besser macht und das Klima schont. Und die Folgenlosigkeit so tatsächlich positive Folgen hat und die Stadt, die durch die Buga 2019 einen kräftigen Schub bekommen hat, weiter voran bringt.