Plötzlich sind 55.000 Euro weg

Betrug in Heilbronn: Mit dieser miesen Masche zocken Täter Opfer ab

  • Daniel Hagmann
    VonDaniel Hagmann
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Der Betrüger gab sich als Mitarbeiter einer Bank aus. Die Opfer fühlten sich sicher. Doch am Ende kommt das böse Erwachen.

Erst „ringring“ – dann ist das Konto leer! Als Ende Juni bei einer Familie in Heilbronn das Telefon klingelt, ahnen die Eheleute nicht, dass der Anruf sie ein Vermögen kosten und gemeine Gauner um 55.000 Euro reicher machen wird. Denn sie werden Opfer eines fiesen Betrugs. Schließlich klang zunächst alles seriös: „Der Anrufer gab sich als Mitarbeiter unserer Bank aus“, erklärt das Opfer aus Heilbronn. „Der Betrüger nannte sogar den Namen unseres Bankberaters – und gab sich als dessen Kollegen aus.“

Dann zog sich die Betrugsschlinge für die Opfer aus Heilbronn zu: „Der Betrüger am Telefon behauptete, die Bank müsse rasch Änderungen am TAN-Verfahren des Online-Bankings vornehmen.“ Dafür müsse das Ehepaar eine TAN generieren – und diese durchgeben. Die etwa 50-jährige Frau aus Heilbronn gibt zu: „Ich war skeptisch. Aber immer, als ich dachte, wir sollten das Gespräch abbrechen, gab es glaubwürdige Hinweise, dass wir es wirklich mit einem Bankberater zu tun hatten.“

Betrug in Heilbronn: Täter zocken Opfer mit fieser Telefon-Masche ab

Als die Frau aus Heilbronn während des Gesprächs zum Beispiel die Nummer des Anrufers im Display prüfte, war diese vermeintlich mit jener ihrer Bank identisch. Und per SMS kamen Hinweise zum weiteren Vorgehen aufs Handy. „Über unsere Infos hatte der Anrufer kompletten Zugriff auf unser Konto. Er behauptete, dass aufgrund der Systemumstellung keine Kontobewegungen mehr möglich seien.“ Parallel zum Telefonat loggte sich die Frau aus Heilbronn aber auf dem Konto ein – und das hatte der Betrüger in der Zwischenzeit komplett geplündert.

Als ich den Diebstahl der 55.000 Euro bemerkte, wackelte der Boden unter meinen Füßen.

Betrugsopfer aus Heilbronn

Auch der Betrüger hatte es auf einmal eilig, legte auf. „Als ich den Diebstahl der 55.000 Euro bemerkte, wackelte der Boden unter meinen Füßen, sagt das Opfer des Betrugs aus Heilbronn. Sich selbst bezeichnet die Geschädigte als grundsätzlich skeptischen Menschen. Nie hätte sie gedacht, Opfer eines solchen Betrugs zu werden. „Aber die Täter gehen überzeugend vor. Vor dieser Masche ist niemand sicher.“ Das Ehepaar erstattete Anzeige bei der Polizei. Für diese sind Telefonbetrüger im Raum Heilbronn nichts Neues. Zwar weiß man, auf welches Konto die Summe geflossen ist. Eine Garantie, das Geld wiederzubekommen, ist das aber nicht.

NameWeißer Ring
RechtsformEingetragener Verein
Gründung24. September 1976
GründerEduard Zimmermann
SitzMainz

Heilbronn: Weißer Ring hilft Opfern von Telefon-Betrügern

Alfred Kulka, Außenstellenleiter des Weißen Rings Heilbronn, der sich für Kriminalitätsopfer einsetzt, hört immer wieder von Telefonbetrügern in der Region. Gerade Enkeltrick-Betrüger haben in den vergangenen Jahren viel Leid verursacht. Doch Kulka hat Tipps parat, dass man nicht zum Opfer fieser Betrüger wird: „Man sollte sich am Telefon nicht unter Druck setzen lassen. Die Betrüger rufen meist am Wochenende an. Da sind die Banken nicht besetzt und man kann den Vorfall erst am Montag melden.“ Auch die betrogene Heilbronnerin hat sich vorgenommen: „Bei angeblichen Bank-Anrufen verlange ich einen Mitarbeiter, den ich auch persönlich kenne.“ Diese Erkenntnis musste sie teuer bezahlen...

So hilft der Weiße Ring Opfern von Verbrechen

Die Hilfsorganisation unterstützt Opfer von Verbrechern in Notlagen. Wenn ein Geschädigter aufgrund einer kriminellen Handlung seine Grundbedürfnisse nicht mehr finanzieren kann, schreitet der Weiße Ring ein. Ebenso hilft die Organisation Geschädigten dabei, einen Anwalt zu bezahlen, falls die eigenen finanziellen Verhältnisse dafür nicht ausreichen. Die Hilfe finanziert sich in erster Linie aus Spenden. Schadensersatz oder Schmerzensgeld bezahlt der Weiße Ring jedoch nicht.

Zudem leistet der Weiße Ring menschlichen Beistand, berät und betreut die Opfer von Verbrechen. Die ehrenamtlich Tätigen arbeiten auch eng mit anderen Hilfsorganisationen zusammen und vermitteln die Geschädigten oder unterstützen sie bei der Kommunikation mit Behörden - zum Beispiel, wenn Sprachdefizite vorhanden sind.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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