Einzelhandel in Heilbronn

Stadtgalerie Heilbronn: Lockdown kaum noch tragbar – Einzelhändler vor dem Aus

  • Lisa Klein
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Den Einzelhandel trifft der Lockdown besonders hart. Die Centermanagerin der Stadtgalerie Heilbronn erzählt, wie lange die Situation noch tragbar ist.

Den Einzelhandel und die Gastronomie trifft die Corona-Pandemie besonders hart – auch in Heilbronn. Mehrere Geschäfte in der Heilbronner Innenstadt haben in dem vergangenen Jahr im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie Insolvenz angemeldet. Manche Einzelhändler mussten bereits nach dem ersten Lockdown schließen, andere konnten zwar den ersten Lockdown noch stemmen, den zweiten allerdings nicht mehr.

Ein Ende und eine Öffnungsperspektive – unabhängig der Inzidenz in Baden-Württemberg – ist momentan nicht in Sicht. Neckarsulm und Künzelsau haben sich erst kürzlich mit einem gemeinsamen eindringlichen Appell an Sozialminister Manne Lucha gewandt und eine Öffnungsperspektive gefordert. Auch in Heilbronn fehlt den Einzelhändlern und Gastronomen eine Perspektive.

Stadtgalerie Heilbronn: Lockdown für den Einzelhandel kaum noch tragbar

Die Centermanagerin der Stadtgalerie Heilbronn, Kitty Molnár, schildert auf echo24.de*-Anfrage, wie die Lage im Einzelhandel wirklich ist und wie lange die Situation so noch tragbar ist. Die Mietpartner der Stadtgalerie bangen um ihre Existenz: „Fünf Geschäfte mussten bisher in engen Zusammenhang mit der Pandemie ihre Türe schließen“, erzählt die Centermanagerin gegenüber echo24.de*. Dennoch versuch Kitty Molnár optimistisch zu bleiben: „Bisher ist es uns aber gut gelungen, gemeinsam mit unseren Mietern durch die Krise zu kommen und sie dabei nach Kräften zu unterstützen.“

Kitty Molnár berichtet von einer Umfrage, die durch die ECE, dem Betreiber der Stadtgalerie Heilbronn, bei den Einzelhandelsmietern in den knapp 100 Shoppingcentern des Unternehmens in Deutschland durchgeführt wurde. Das Ergebnis dieser Umfrage ist erschreckend:

  • 89 Prozent der Einzelhändler haben 2020 rote Zahlen geschrieben – oftmals in der Höhe mehrerer sonst üblicher Jahresgewinne.
  • 75 Prozent haben bislang keinerlei Fördermittel erhalten. Durch die engen EU-Höchstgrenzen werden die Fördermittel laut Kitty Molnár bei mittleren und größeren Händlern perspektivisch nicht ausreichen.
  • 80 Prozent sehen sich durch einen Lockdown über den 8. März hinaus in ihrer Existenz bedroht.
  • 75 Prozent der Einzelhändler planen eine Ladenschließungen.
  • Rund 75 Prozent wollen Arbeitsplätze in einem erheblichen Umfang abbauen.

Stadtgalerie Heilbronn: Wie lange ist die Situation für den Einzelhandel noch tragbar?

Auf die Frage, wie lange die Situation noch tragbar ist, betont Kitty Molnár: „Die Situation für die Händler wird aufgrund der anhaltenden Umsatzausfälle immer existenzbedrohender. Gleichzeitig muss die neu georderte Frühjahrsware bezahlt werden. Der Handel ist damit einer Doppelbelastung ausgesetzt und verliert weiter stark an Liquidität – es drohen daher weitere Geschäftsaufgaben, Insolvenzen und der Verlust von Arbeitsplätzen sowie der Vielfalt unserer Innenstadt in Heilbronn.“

Kitty Molnár möchte zudem klarstellen: „Wir halten eine Öffnung des Handels unter Auflagen nach wie vor für vertretbar – und für den Handel ist sie auch existenziell notwendig. Der anhaltende Lockdown belastet große Teile des Handels einseitig, obwohl das Infektionsrisiko in den Geschäften gering ist. Der handelsbezogene Lockdown verlängert das Leiden der Händler immer weiter. Es ist daher wichtig, endlich einen Weg aus dem Lockdown zu finden, etwa durch eine Beschleunigung der Impfkampagne, eine umfassende Teststrategie sowie eine verbesserte Kontaktnachverfolgung, und den Einzelhandel nicht weiter einseitig durch Schließungen zu belasten.“

Einzelhändler bedroht: „Click & Collect“ ist keine vergleichbare Alternative

Hand aufs Herz: „Click & Collect“ – wie sinnvoll ist das Angebot für die Einzelhändler wirklich? „Die aktuell „Click & Collect“-Angebote oder vergleichbare Ideen sind keine Alternative – im Gegenteil. Die Kosten für Personal und Ladenbetrieb sind zumeist höher als die Umsätze, sodass derartige Angebote die aktuellen Verluste nur weiter erhöhen“, erklärt die Centermanagerin Molnár.

Stadtgalerie Heilbronn

Das Einkaufszentrum wurde am 5. März 2008 in der Heilbronner Innenstadt eröffnet. In der Stadtgalerie befinden sich insgesamt 13.000 m² Verkaufsfläche auf drei Ebenen, insgesamt 75 Geschäfte finden darin Platz.

Der Betreiber der Stadtgalerie Heilbronn ist die ECE Group GmbH & Co. KG – ein deutsches Unternehmen mit Hauptsitz in Hamburg, welches bereits 1965 gegründet wurde. ECE verwaltet derzeit laut eigenen Angaben 200 Shoppingcenter, ist in 13 Ländern aktiv und beschäftigt etwa 3.400 Mitarbeiter.

Und weiter: „Die Angebote werden von den Kunden nicht gut angenommen. Wo bei einem normalen Betrieb über 200 Kunden am Tag einkaufen, sank die Anzahl der Kunden bei Click&Meet auf ca. 50, in der aktuellen Situation mit Click& Collect hat dieser Laden heute gerade vier Kunden bedient.“ Ein wichtiger Aspekt ist auch die fehlende Beratung in den Geschäften.

Stadtgalerie Heilbronn: Existenz der Einzelhändler bedroht – Fördermittel fehlen

Doch wie können die Einzelhändler unterstützt werden? „Da es absehbar ist, dass der Lockdown weitere Wochen oder Monate andauern wird, ist es jetzt wichtig, dass die Fördermittel zur Entschädigung der betroffenen Händler endlich in ausreichender Höhe fließen“, stellt Kitty Molnár klar. „Bislang kommen die versprochenen Förderungen bei den Händlern nicht an und sind bei weitem nicht ausreichend, um die Ausfälle zu kompensieren. Für die Händler wäre es daher wichtig, dass die Fördermittel schneller und unbürokratischer fließen und die Kompensation der hohen Ausfälle durch den anhaltenden Lockdown mit staatlichen Fördermitteln deutlich ausgeweitet wird.“

Um die Heilbronner Stadtgalerie macht sich die Centermanagerin weniger Sorgen: „Unser Center wird es auch morgen und übermorgen noch geben. Denn Shopping-Center sind eine sehr stabile und wandlungsfähige Immobilienart und haben sich schon immer verändert, weiterentwickelt und gewandelt.“ Zuletzt hat Kitty Molnár noch eine gute Nachricht: Die Heilbronner Stadtgalerie darf im ersten Halbjahr 2021 zwei neue Mieter begrüßen. „Am 18. März hat Bijou Brigitte bei uns eröffnet und die nächste Eröffnung steht schon an. Im Mai zieht das Konzept Eyes&More in die Stadtgalerie ein.“

Einzelhandel bedroht: Stadt Heilbronn investiert vier Millionen Euro in die Innenstadt

Der Stadt Heilbronn ist bewusst, in welcher prekären Situation sich die Einzelhändler befinden. „Die dritte Welle sorgt erneut für Unsicherheit, wie es in der Corona-Pandemie weitergeht. Dennoch bin ich aufgrund der fortschreitenden Impfungen und stetig steigender Testmöglichkeiten optimistisch, dass bald weitere Lockerungen möglich sein werden. Sobald dies der Fall ist, wollen wir mit einem Maßnahmenpaket, einem Kraftpaket für die Innenstadt, Handel und Gastronomie den nötigen Rückenwind verschaffen, um die Auswirkungen der Pandemie zu überwinden und die Innenstadt schnell zu beleben“, erklärte Oberbürgermeister Harry Mergel laut Pressemitteilung der Stadt Heilbronn bei einem Pressegespräch. „Dafür investiert die Stadt Heilbronn insgesamt vier Millionen Euro in die Innenstadt.“

Die Stadt Stadt Heilbronn investiert vier Millionen Euro in die Innenstadt.

1,4 Millionen Euro fließen davon in kurzfristige Maßnahmen, 2,6 Millionen Euro in mittel- und langfristige Maßnahmen. Der 5-Punkte-Plan umfasst die Themenfelder „Stärkung der Aufenthaltsqualität in der Innenstadt“, „Mobilitätspaket“, „Gastronomie“, „Heilbronn Marketing GmbH“ und „Kulturbunte Stadt“. Darüber hinaus plant die Stadt Heilbronn im Herbst dieses Jahres einen Kongress zum Thema „Die Zukunft unserer Innenstadt“, bei dem alle wichtigen Aspekte der künftigen Innenstadtentwicklung beleuchtet und alle relevanten Akteure zu Wort kommen sollen. „Ziel ist es, Anregungen, zusätzliche konkrete Instrumente und Maßnahmen zur weiteren Entwicklung und Attraktivierung der Heilbronner Innenstadt zu erhalten“, sagte Mergel.

Tübinger Modell: Auch eine Option für Heilbronn?

Zum Thema Tübinger-Modellprojekt hat sich Oberbürgermeister Harry Mergel bereits geäußert. Der Verlauf des Modellversuchs beobachte er „mit großem Interesse, Sympathie“ und er sei „sehr gespannt auf die Ergebnisse“, heißt es in einer Pressemitteilung. Anders als Neckarsulm und Künzelsau hält Harry Mergel es nicht für „nicht logisch und auch keineswegs zielführend“ denselben Versuch in Heilbronn zu starten.

„Der Tübinger Modellversuch wird wissenschaftlich begleitet und ausgewertet. Das ist ein ganz wesentliches Qualitätsmerkmal dieses Modells, das nicht ohne Weiteres kopiert werden kann. Gerade nach den Pannen der Vergangenheit und der weiter steigenden Inzidenz müssen die künftigen Maßnahmen eine hohe Qualität haben – Aktionismus bringt uns da nicht weiter“, stellt Harry Mergel klar.

Heilbronns Oberbürgermeister Harry Mergel hofft auf Erkenntnisse aus dem Tübinger Modellversuch.

Die Stadt Heilbronn möchte das Ergebnis des Tübinger Modells abwarten: „Das erklärte Ziel ist es, mit den fundierten Erkenntnissen aus Tübingen umgehend eine landesweite Strategie, mit einem klaren Kriterienkatalog hinterlegt, zu etablieren. Dieser kann auf dem in Tübingen bewährten Instrumentarium aufbauen und eventuell auch durch spezielle lokale Maßnahmen ergänzt werden“, erklärt der Oberbürgermeister.

Und weiter: „Sollten die Ergebnisse des Tübinger Modells Grundlage für das weitere Vorgehen des Landes geeignet sein, was ich hoffe, ist die Stadt Heilbronn in der Lage, das Tübinger Instrumentarium sofort umzusetzen.“

Rubriklistenbild: © Pixabay

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