Wenig Lust - viel Frust

Darum laufen diesem Heilbronner Fußballverein in Klingenberg die Spieler weg

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Die Mannschaften des SSV Klingenberg haben nur wenig Freude an ihrem Fußballplatz.
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Der SSV steckt seit acht Jahren in einem Dilemma: Ein neu angelegter Fußballplatz offenbart innerhalb kürzester Zeit eklatante Mängel.

Eigentlich hätte alles so gut werden sollen. Philipp Trick, Fußball-Abteilungsleiter des SSV Klingenberg, erinnert sich: "2011 wurde für uns ein Fußball-Platz komplett neu angelegt." Doch die Freude währte nicht lange. "Bereits während der Bauphase haben wir immer wieder auf Mängel hingewiesen", erklärt der 39-Jährige.

Beispielsweise wurde gute Erde abgebaut und dafür sehr sandhaltige Erde als Untergrund aufgefüllt. Zudem wurde auf den Einbau einer Bewässerungsanlage verzichtet. Eine fatale Kombination. Der Rasen wuchs nicht richtig an. "Wir bekamen als Tipp, dass wir mehr wässern sollten." Das tat der SSV Klingenberg dann auch.

SSV Klingenberg bekommt keinen Schadensersatz

Das Wasser versickerte schnell im Boden, die Drainage tat ihr Übriges. "Wir haben viel gewässert und auch versucht, die Unebenheiten und Löcher auszugleichen und aufzufüllen. Der Boden war an einigen Stellen so weich, da konnte man problemlos einen Unterarm reinstecken", erklärt Trick. Zusätzlich liefen viele Tausend Euro an Wasserkosten für den SSV Klingenberg auf.

So schön könnte es sein - und das ist die Realität: Statt in sattem Grün, präsentiert sich der SSV-Platz (links) braun, trist und öde.

Unterstützung von der Stadt? Fehlanzeige. Trick: "In Gesprächen mit dem Grünflächenamt der Stadt Heilbronn fiel 2015 dann mehrfach die Aussage, dass der Platz falsch gebaut worden sei." Aber Regressansprüche konnten nicht mehr gestellt  oder Ausbesserungsarbeiten angefordert werden, da die mit dem Platzbau beauftragte Firma mittlerweile in Insolvenz gegangen war.

Der SSV Klingenberg fühlt sich im Stich gelassen

Schnell verwandelte sich der Platz an vielen Stellen in Ödland, ähnelte vielfach einem Acker. Doch der SSV musste ihn nutzen: "Er ist unser einziger Platz mit Flutlicht. Gerade im Herbst und Winter müssen dort alle Mannschaften trainieren und spielen." Und das sind zwei Aktiven-und vier Nachwuchs-Teams.

Ein vertrautes Bild: Die Rasensprenger auf dem SSV-Platz.

Des Öfteren verletzen sich Spieler, weil sie stolpern oder umknicken. Bänderrisse und -dehnungen, Knieschäden - alles ist der schlechten Oberfläche geschuldet. Etliche Spieler haben dem Verein mittlerweile den Rücken gekehrt, sind zu anderen Vereinen gegangen. Trick: "Wir fühlen uns - im Vergleich zu anderen Vereinen -  im Stich gelassen, da keine grundlegenden Änderungen vorgenommen werden." Immerhin hat das Grünflächenamt im Frühjahr neuen Rasen gesät. Der ist gut angewachsen - was während der Saison passiert, das weiß noch niemand.

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