Sporthaus Saemann gibt es seit 1989

Insolvenz angemeldet! Traditions-Geschäft in Heilbronn fällt Corona zum Opfer

  • vonLisa Klein
    schließen

Das Heilbronner Traditionssporthaus Saemann hat Insolvenz angemeldet. Grund dafür sind ausbleibende Umsätze durch die Corona-Pandemie und den Lockdown.

Seit 1898 besteht das Sporthaus Saemann in Heilbronn. Nun musste das Unternehmen zum 15. Dezember 2020 Insolvenz anmelden, wie das Unternehmen in einer Pressemitteilung verkündete. Das Heilbronner Sporthaus Saemann beschäftigt insgesamt 38 Mitarbeiter an fünf Standorten: die Filiale Intersport Profimarkt am Europaplatz und Saemann Sportkultur in der Kaiserstrasse, sowie die Golfshops in Friedrichsruhe, Liebenstein und Bad Rappenau.

Das Heilbronner Traditionssporthaus Saemann war 1956 das Gründungshaus von Intersport und eröffnete 1995 Deutschlands ersten Sportfachmarkt am Europaplatz. Intersport ist die größte mittelständische Verbundgruppe im weltweiten Sportfachhandel mit 5.562 zusammengeschlossenen Standorten in 56 Ländern.

Heilbronn: Traditions-Geschäft Sporthaus Saemann wegen Corona pleite - Insolvenz angemeldet

Das Unternehmen hatte bereits Schwierigkeiten seit den Bauarbeiten am Europaplatz im Geschäftsjahr 2017/18, heißt es in der Pressemitteilung. Dazu kamen massive Umsatzausfälle im ersten Corona-Lockdown im Frühjahr. Ein Umsatzaufschwung blieb auch nach dem ersten Lockdown in Deutschland aus. Aktuelle Umsätze gibt es laut Unternehmen derzeit kaum, Hilfen von der Bank wurden nicht gewährt.

Das Sporthaus Saemann in Heilbronn verzeichnete Umsatzeinbrüche von mehr als 1,5 Mio. Euro durch die fast 20-monatige Baustelle am Europaplatz mit Sperrung der Karl-Nägele-Brücke im Jahr 2017/18. Bereits damals geriet die Firma in Schieflage.

Traditionssporthaus Saemann in Heilbronn: Drastische Umsatzeinbrüche durch Corona-Pandemie und Lockdown

Die zusätzlichen massiven Umsatzausfälle während und nach dem ersten Lockdown im März/April 2020 durch die Corona-Pandemie kamen weitere drastische Umsatzeinbrüche hinzu. Der „Lockdown light“ Anfang Oktober verschlechterte die Situation weiterhin. Letztendlich trieben die Umsatzausfälle in diesem Jahr durch die Corona-Pandemie in Höhe von insgesamt weiteren zwei Millionen Euro das Unternehmen in die Insolvenz.

Ein wesentlicher Grund für fehlende Umsätze ist der ausbleibende Verkauf von Wintersportartikeln aufgrund der aktuellen Lage durch die Corona-Pandemie. Normalerweise bringen Wintersportartikel mit den größten Umsatz im Sportwarengeschäft. Zudem fehlen nun die letzten Tage des Weihnachtsgeschäfts durch den zweiten Lockdown. Von der Hausbank in Aussicht gestellte und dringend benötigte Liquiditätshilfen wurden dem Unternehmen überraschenderweise doch nicht gewährt. Dies führte letztlich zur Zahlungsunfähigkeit.

Heilbronn: Traditionssporthaus Saemann meldet Insolvenz an - Geschäftsführer ist erschüttert

Der Geschäftsführer Thomas Gauß, der seit 2009 Vorsitzender der Stadtinitiative ist, wird sein Amt, sowie das Amt des Vizepräsidenten der IHK Heilbronn-Franken, mit sofortiger Wirkung niederlegen. „Ein Geschäft mit 122-jähriger Tradition, als eines der letzten verbliebenen familiengeführten Unternehmen in Heilbronn, aufgrund von nicht durch uns zu beeinflussenden Faktoren wie Baustellen und Corona-Pandemie schließen zu müssen, schmerzt mich sehr. Vor allem auch im Hinblick auf unser tolles Team, welches auch in schwierigen Zeiten immer einen herausragenden Job gemacht hat“, sagt Thomas Gauß.

Allgemein ist nicht nur in Heilbronn der Einzelhandel sehr stark durch die Corona-Pandemie betroffen. Deutschlands letzte große Warenhaus-Kette Galeria Karstadt Kaufhof musste bereits im Frühjahr Insolvenz anmelden. Deutschlandweit mussten viele Geschäfte schließen.

Rubriklistenbild: © dpa/Felix Kästle

Das könnte Sie auch interessieren