Zahl der Neuinfektionen steigt weiter

Heilbronn: Immer mehr Corona-Patienten in SLK-Klinikum – Mitarbeiter kommen an ihre Grenzen

  • Isabel Ruf
    vonIsabel Ruf
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Trotz des Teil-Lockdowns steigen die Infektionszahlen weiter an. Heilbronn hat die höchste Inzidenz in Baden-Württemberg. Die Mitarbeiter am SLK-Klinikum kommen an ihre Grenze.

Wann hört diese folgenschwere Entwicklung endlich auf? Das fragen sich aktuell die Menschen in Baden-Württemberg angesichts der täglich steigenden Zahl an Neuinfektionen mit dem Coronavirus. Wann hört das auf? Schließlich gilt doch bereits seit dem 2. November im ganzen Land ein Teil-Lockdown mit verschärften Corona-Regeln. Immer wieder hieß es, man müsse mindestens zwei Wochen warten, damit sich dessen Effekt auf die Infektionszahlen auswirkt. Doch diese zwei Wochen sind vorbei und noch immer sind es über 3.100 neue Corona-Fälle innerhalb eines Tages in Baden-Württemberg.

Heilbronn: Zahl der Corona-Patienten am SLK-Klinikum steigt stetig

Wie das Landesgesundheitsamt am Donnerstagabend mitteilte, sind nach Daten des DIVI-Intensivregisters derzeit 2.381 Intensivbetten von betreibbaren 3.016 Betten belegt. Das entspricht 79 Prozent Auslastung der Intensivkapazitäten in Baden-Württemberg. 56 Prozent der Covid-19-Patienten, die derzeit in den Krankenhäusern im Land behandelt werden, müssen invasiv beatmet werden. Diese Zahlen machen deutlich, dass nicht mehr viel Zeit bleibt, bis die Krankenhäuser an ihr Limit kommen.

Der Stadtkreis Heilbronn ist der Meldekreis mit der höchsten Sieben-Tage-Inzidenz in ganz Baden-Württemberg. Über 2.100 Menschen haben sich hier seit Beginn der Corona-Pandemie mit dem Virus infiziert (Stand 19. November). Allein am Donnerstag kamen 80 weitere Fälle dazu, die Sieben-Tage-Inzidenz stieg auf 237,0! Die extreme Entwicklung wirkt sich natürlich auf das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn aus. Dort steigt die Zahl der Corona-Patienten kontinuierlich, seit dem 2. November gilt deswegen auch ein Besucherstopp in den SLK-Kliniken.

Mitarbeiter am SLK-Klinikum in Heilbronn wegen Corona an Belastungsgrenze

„Wir kommen an unsere Grenzen“, sagt Marcus Hennersdorf, Direktor für Innere Medizin am SLK-Klinikum Heilbronn, gegenüber dem SWR. Der Unterschied dieser zweiten Corona-Welle zur ersten im Frühjahr: Statt eines plötzlichen Anstieges an Corona-Fällen würden es derzeit kontinuierlich mehr. Das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen befinde sich am Limit. Man sei an der oberen Auslastung dessen, „was wir als erste Stufe der Covid-Versorgung definiert haben“, erklärt Hennersdorf laut SWR. Man müsse auch das medizinische Personal und die Gefahr einer Überarbeitung im Blick haben. Ein beatmeter Covid-19-Patient braucht allein bis zu fünf Schwestern oder Pfleger, wie die dpa berichtet.

In Heilbronn ist es aber noch möglich, weitere Intensivbetten freizuhalten. Dafür müssten geplante Operationen – sofern medizinisch vertretbar – verschoben werden. Das ist laut SWR-Bericht derzeit noch nicht der Fall. Zum Vergleich: Im Frühjahr waren alle Kliniken in Deutschland aus dem Regelbetrieb genommen worden. Zuletzt teilte eine Sprecherin der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft gegenüber der Deutschen Presse-Agentur mit, dass in den Krankenhäusern im Südwesten derzeit über 1.000 Operationen, die nicht notwendig seien, wegen der Corona-Pandemie verschoben werden würden.

In den Krankenhäusern in Baden-Württemberg werden über 1.000 nicht dringend notwendige Operationen wegen Corona verschoben. (Symbolbild)

Heilbronn: Mitarbeiter an SLK-Klinikum erwarten weitere Corona-Auswirkungen

Die SLK-Kliniken hatten bereits im Frühjahr ein Versorgungskonzept entwickelt, das festhält, was theoretisch an Betten-Kapazitäten in Heilbronn möglich ist. Man setzt dabei aber voraus, dass sämtliche planbaren OPs verschoben würden und kein Personal aufgrund von Krankheit oder Quarantäne fehlen dürfte. In diesem Fall hätten die SLK-Kliniken in der Lungenklinik Löwenstein und dem Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn insgesamt 600 Betten auf Normalstationen zur Verfügung. Dazu kämen 200 Betten auf Intensivstationen.

Anfang November hatte die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) in Person von Präsident Uwe Janssens bereits gefordert: „Die Krankenhäuser mit einem hohen Aufkommen an Covid-19-Patienten müssen jetzt – umgehend – aus dem Regelbetrieb herausgenommen und auf Notbetrieb umgestellt werden!“ Eine Entspannung der Corona-Lage ist vorerst nicht in Sicht. Auch in Heilbronn stellen sich die Experten an den SLK-Kliniken laut SWR darauf ein, dass das Coronavirus noch lange Auswirkungen auf ihren Alltag haben wird.

Rubriklistenbild: © Roland Weihrauch/dpa/Archivbild

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