Intensivbetten für Corona-Patienten

SLK-Kliniken: Corona-Station in Heilbronn ist voll! Gibt es noch genug Intensivbetten?

  • vonLisa Klein
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Die Corona-Neuinfektionen steigen weiterhin drastisch an. Wie ist die aktuelle Lage in den SLK-Kliniken Heilbronn? Gibt es noch genügend Intensivbetten in der Region?

  • In Deutschland gibt es seit Beginn der Pandemie 1.391.086 gemeldete Coronavirus-Infektionen, wovon schätzungsweise 1.031.721 Personen bereits genesen und 23.544 Personen in Verbindung mit Sars-CoV-2 verstorben sind (Stand: 16. Dezember 2020).
  • In Heilbronn wurden bisher 3.379 infizierte Personen gemeldet, wovon 2.075 Menschen bereits wieder genesen sind sowie 50 Personen verstorben.
  • Die 7-Tage-Inzidenz pro 100.000 Einwohner in Heilbronn beträgt derzeit 354,7.

Die Corona-Neuinfektionen steigen in ganz Deutschland. Das Robert-Koch-Institut (RKI) meldete das erste Mal seit Beginn der Corona-Pandemie 950 Corona-Tote in Deutschland innerhalb von 24 Stunden. Laut Medienberichten mussten Ärzte im sächsischen Zittau bereits mehrfach entscheiden, welcher Patient beatmet werden soll und wer nicht – und somit gleichzeitig auch, wer die Chance bekommt, weiterzuleben und wer stirbt. Eine Entscheidung, vor die niemand gestellt werden möchte.

Auch in Baden-Württemberg und in Heilbronn steigen die Zahlen der Corona-Neuinfektionen weiterhin drastisch. Doch wie ist die aktuelle Lage in den SLK-Kliniken Heilbronn, wie viele Intensivbetten sind (noch) verfügbar?

Coronavirus-Pandemie: Versorgungskonzept der SLK-Kliniken Heilbronn

Der Verbund der SLK-Kliniken Heilbronn hat bereits zu Beginn der Corona-Pandemie ein Versorgungskonzept aufgestellt. Im äußersten Notfall, also nur im absoluten Krisenmodus, könnte das Klinikum 600 Betten auf der Normalstation sowie 200 Betten auf der Intensivstation zur Verfügung stellen. Insgesamt 80 bis 120 Patienten könnten dann laut der SLK-Kliniken beatmet werden. Allerdings sind diese Kapazitäten vorerst nur in der Theorie verfügbar, denn um die Versorgung dieser insgesamt 800 Patienten zu gewährleisten, braucht es genügend Personal – welches bereits seit Monaten an seine Grenzen stößt.

SLK-Kliniken

Der Verbund der SLK-Kliniken Heilbronn ist der größte Gesundheitsdienstleister der Region Heilbronn-Franken. Zu den SLK-Kliniken gehören das Heilbronner Klinikum am Gesundbrunnen, das Klinikum am Plattenwald in Bad Friedrichshall und die Geriatrische Rehaklinik in Brackenheim.

Als hundertprozentige Tochtergesellschaft gehört die Lungenklinik Löwenstein ebenfalls zum SLK-Verbund.

Verfügbare Intensivbetten in den SLK-Kliniken Heilbronn

Corona-Patienten werden lediglich in der Klinik am Gesundbrunnen sowie der Lungenklinik Löwenstein untergebracht. Aktuell (Stand 16. Dezember) gibt es im Gesundbrunnen 42 Intensivbetten wovon 16 Betten für COVID-19-Patienten zur Verfügung stehen. In der Lungenklinik Löwenstein sind es 20 Intensiv-Betten, wovon sechs für Corona-Patienten vorgesehen sind. Bei allen könnte laut Klinikum eine Beatmungsunterstütze geleistet werden. 

Im gesamten SLK-Klinik-Verbund sind momentan 119 Corona-Patienten in stationärer Behandlung, 23 davon befinden sich auf Intensivstation – das ist einer mehr als momentan eigentlich verfügbar. Auf eine Person mehr oder weniger kommt es derzeit laut Herrn Burkhardt zum Glück noch nicht an. „Derzeit betreiben wir in der Klinik am Gesundbrunnen vier Corona-Stationen mit insgesamt 80 Betten. Wir haben zwei Stationen in Reserve, die wir für weitere Patienten rasch öffnen könnten“, erklärt der Pressesprecher der SLK-Kliniken Mathias Burkhardt gegenüber echo24.de. Stand 16. Dezember sind alle dieser 80 Betten im Gesundbrunnen derzeit bereits voll. Vier Corona-Patienten wurden bereits in andere Kliniken verlegt.

Heilbronn: Zahl der verfügbaren Intensivbetten kann sich schnell ändern

Die Zahl der verfügbaren Betten kann sich rasch ändern. Zu Beginn der Corona-Pandemie wurde der Regelbetrieb in den SLK-Kliniken Heilbronn weitestgehend heruntergefahren. Das ist momentan nicht der Fall, der Betrieb in den Kliniken ist zwar gedrosselt, läuft aber dennoch weiter. Wenn die Zahl der Intensivpatienten allerdings weiterhin steigen sollte, wird der reguläre Betrieb weiter heruntergefahren.

„Im Frühjahr im Zuge der ersten Welle kam die Ansage von der Politik, der Regelbetrieb solle deutlich herunterzufahren werden. Damals wurde der Betrieb um 50 Prozent gedrosselt. Es war medizinisch vertretbar, einige Operationen zu verschieben und auch absehbar, dass die OPs in maximal zwei Monate stattfinden können. Wenn wir jetzt wieder so stark herunterfahren würden, wäre das schwieriger. Wir müssten Operationen um bis zu sechs Monate verschieben“, erklärt Mathias Burkhardt. „Seit Ende November wurde der normale Krankenhausbetrieb am Gesundbrunnen bereits zwischen 35 und 40 Prozent heruntergefahren.“

Corona-Pandemie: Auslastung der Intensivbetten in ganz Deutschland

Das DIVI-Intensivregister erfasst täglich die freien und belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin in Deutschland. Betrieben wird das Register durch das RKI und die Deutsche interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Nofallmedizin (DIVI). Im Rahmen der SARS-CoV-2-Pandemie werden zudem auch aktuelle Fallzahlen intensivmedizinisch behandelter COVID-19-Patienten aufgezeichnet. Stand 15. Dezember haben 1.290 Krankenhäuser in Deutschland ihre aktuellen Zahlen gemeldet – da nicht alle Krankenhäuser in Deutschland täglich ihre Zahlen melden, sind die Angaben nicht exakt und nur Momentaufnahmen.

Derzeit sind in Deutschland 22.471 aller Intensivbetten belegt. Demnach stehen nur noch 4.682 Betten derzeit zur Verfügung. Das sind rund 20,8 Prozent aller Intensivbetten. Vor fünf Tagen waren noch 30,4 Prozent frei. Die Zahl der verfügbaren Intensivbetten in Deutschland sinkt. Das ist der aktuelle Stand der intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten in Deutschland laut DIVI-Intensivregister (Stand: 15. Dezember):

IntensivbettenLow-CareHigh-CareECMOITS-Betten gesamt
aktuell belegt13.8798.57435822.471
aktuell frei1.2283.4544134.682

Low-Care bedeutet eine dauerhafte Überwachung, allerdings ohne invasive Behandlung und ohne Organersatztherapie. High-Care-Patienten benötigen eine invasive Beatmung sowie eine Organersatztherapie. ECMO bedeutet „extrakorporale Membranoxygenierung“ und wird zur Behandlung bei Patienten mit akutem Lungenversagen eingesetzt. Nach aktuellen Forschungen liegt die Sterberate bei ECMO-Patienten bei 40 Prozent.

Coronavirus in Deutschland: Laut DIVI-Intensivregister - Über 4.000 Corona-Patienten auf Intensivstation

Derzeit befinden sich laut DIVI-Intensivregister 4.735 Corona-Patienten in intensivmedizinischer Behandlung. Davon werden 2.679 Patienten invasiv beatmet, das sind 57 Prozent aller intensiv-behandelten Patienten. Innerhalb eines Tages wurden deutschlandweit 721 neue COVID-19-Patienten auf Intensivstationen aufgenommen und gemeldet.

Seit Beginn der Pandemie wurden in Deutschland 39.632 Corona-Patienten intensivmedizinisch behandelt, wovon 9.640 Personen verstorben sind. Das bedeutet eine Sterblichkeitsrate für alle, die ein Intensivbett benötigen von 24 Prozent. Anders gesagt: Fast jeder vierte, der aufgrund von Corona auf der Intensivstation landet, stirbt.

Auch wenn in Deutschland derzeit noch Intensivbetten verfügbar sind, werden es immer weniger. Das Pflegepersonal ist schon lange überlastet und in den ersten Regionen in Deutschland herrscht bereits Triage. Als Triage wird ein Verfahren zur Priorisierung medizinischer Hilfeleistung bezeichnet. Sprich: Wem zuerst geholfen werden soll und wer vielleicht sowieso kaum Überlebenschancen hat. Bleibt nur zu hoffen, dass der deutschlandweite Lockdown besser hilft als der Teillockdown. Und dass der Corona-Impfstoff ein baldiges Ende der Corona-Pandemie bringt.

Rubriklistenbild: © Waltraud Grubitzsch/dpa

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