Gesamtes Personal extrem betroffen

Bewegendes Video: Dramatische Corona-Situation im SLK-Klinikum – Mitarbeiter können nicht mehr

Bei Coronatests hat sich der Verdacht erhärtet, die Coronavirus-Mutation aus Großbritannien hat sich auch nach Gießen ausgebreitet
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Im SLK-Klinikum in Heilbronn kommt es zu dramatischen Situationen wegen Corona (Symbolbild).
  • Julia Thielen
    vonJulia Thielen
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Im SLK-Klinikum in Heilbronn arbeiten die Mitarbeiter wegen des Coronavirus „am Limit“. In einem bewegenden Video erzählen sie dramatische Einzelheiten. Aber nicht nur das.

Maske ab, Maske auf. Wohl nicht umsonst ist das die deutlichste Geste in einem bewegenden Video der SLK-Klinik in Heilbronn. Mehrere Mitarbeiter schildern hier, wie dramatisch die Situation im Krankenhaus wegen des Coronavirus ist. So ehrlich und direkt das Personal, so schmerzhaft ist der Inhalt größtenteils. Von Einzelfällen bis zum großen Ganzen - das Personal zeigt einen schonungslosen Einblick in den belastenden Klinikalltag. Doch es gibt immer wieder auch warme Worte.

Heilbronn: Bewegendes Video aus Klinik - dramatische Situation wegen Corona

„Wir haben ein Video gedreht, das einen Eindruck vermitteln soll von der Situation hier vor Ort auf den Covid-Stationen“, erklärt Klinikpfarrer Siegfried Fischer zu Beginn des Videos, das auf Youtube veröffentlicht wurde. Fischer ist verantwortlich für das Video, in dem Ärzte und Pfleger zu Wort kommen und die Arbeit in der SLK-Klinik in Heilbronn seit dem vergangenen Jahr beleuchten. Der Seelsorger verdeutlicht, wie nah Freud und Leid bei Patienten mit Corona beieinander liegen können. „Manchen geht es gut, manche können kaum Kontakt zu mir aufnehmen“, sagt Fischer.

„Es ist wie ein zweites Leben“ habe eine Frau „nach drei Wochen Corona“ gesagt, als sie das SLK-Klinikum am Gesundbrunnen in Heilbronn genesen verlassen durfte. Immer wieder dürfen geheilte Corona-Patienten zurück nach Hause. Manche Infizierte verlassen das Krankenhaus aber nicht mehr lebendig. Diese traurige Wahrheit wird im Video besonders greifbar.

Heilbronn: Bewegendes Video aus SLK-Klinik - „Patienten leiden und leiden und sterben“

Ein Ehepaar, schildert Siegfried Fischer, sei kurz hintereinander im Zusammenhang mit dem Coronavirus in der SLK-Klinik in Heilbronn verstorben. Erst die Frau, dann auch ihr Mann. „Als der Arzt bei dem Sohn anrufen wollte, um ihm zu sagen, dass auch sein Vater verstorben ist, sagte dieser: ‚Ich bin gerade auf dem Weg zur Beerdigung der Mutter“, erklärt Fischer. Es ist ein erschütterndes Beispiel das zeigt, mit welcher Last Ärzte, Pfleger, aber auch Angehörige seit Monaten leben müssen.

Die Patienten hier leiden und leiden und es sterben jeden Tag ein Paar.

Hong Thoung Brinkmann, Pflegerin und Bereichsleitung in der SLK-Klinik

„Es sind so viele, die um ihr Leben ringen“, macht Fischer deutlich. Auf vier Stationen werden in der SLK-Klinik in Heilbronn Corona-Patienten behandelt. Dem Personal vor Ort - das ist im Video deutlich zu sehen - gehen die vielen Schicksale nahe. „Die Patienten hier leiden und leiden und es sterben jeden Tag ein paar“, erklärt Pflegerin Hong Thoung Brinkmann im Youtube-Video. „Die aktuelle Situation bedrückt und macht betroffen, weil wir unseren Patienten nicht so gut helfen können, wie wird das gerne wollten“, erklärt Oberarzt Dr. Günter Schiele.

Heilbronn: Ärzte und Pfleger in SLK-Klinik „am Limit“ - bewegendes Video

Es sei schlimm, dass man den Patienten nicht so nah sein könnte. Vor allem psychisch nicht. Hinzu kämen laut Prof. Dr. Marcus Hennersdorf, Direktor der Klinik für Innere Medizin I im SLK-Krankenhaus, „große strukturelle Probleme“. Personal müsste anders verteilt werden. Der pflegerische Aufwand sei oft höher. Aber auch Reinigungspersonal sei beispielsweise von den wegen Corona ergriffenen Maßnahmen betroffen. Hinzu käme „immer die Sorge, sich selbst anstecken zu können. Das belastet, ist emotional anstrengend, psychisch, aber auch physisch.“

Doch nicht nur das Personal, das direkt mit Corona-Patienten in Kontakt kommt, ist von der dramatischen Situation im SLK-Klinikum in Heilbronn betroffen. Hennersdorf: „Das ganze Krankenhaus ist in einem Spagat zwischen der Versorgung der nicht coronakranken Patienten, aber auch der Versorgung der schwer infektiologisch erkrankten Patienten.“

Notfälle blieben eben auch in der Corona-Pandemie nicht aus, macht Pflegerin Tanja Kübler deutlich. Sie versorgt intensivmedizinische Patienten, die nicht an Covid-19 erkrankt sind. Seit einem Jahr arbeite man auch hier aber „am Limit“. Der Grund, warum sie persönlich jeden Tag mit Sorge zur Schicht oder nach Hause gehe. „Ich hoffe, dass ich nichts vergesse, nichts übersehe und Patienten überleben oder nicht durch mich zu Schaden kommen.“

Heilbronn: SLK-Klinik „am Limit“ - bewegendes Video mit Appell und Optimismus

Dass die Situation - sicherlich längst nicht nur in der SLK-Klinik in Heilbronn - seit einem Jahr extrem ist, zeigt das Video auf Youtube deutlich. Ärzte und Pfleger appellieren deshalb an alle, sich an die geltenden Corona-Regeln zu halten. Masken auf, Abstand halten - diese Maßnahmen sind laut Hong Thoung Brinkmann „eine große Hilfe für uns alle“.

Allen, die schon jetzt zu einer Abmilderung des Infektionsgeschehens beitrügen, sprechen die SLK-Mitarbeiter ein großes „Dankeschön“ aus. Und nicht nur das. Der Wille der Betroffenen, die Corona-Pandemie weiter mit allen Kräften zu bekämpfen, wird deutlich. Ihren Optimismus haben Ärzte und Pfleger offenbar nicht verloren. Denn die Schlussbotschaft von Schiele im Video ist trotz aller heftigen Schwierigkeiten und der unermüdlichen und aufreibenden Arbeit dank der Corona-Impfungen und der aktuell sinkenden Infektionszahlen positiv: „Ganz weit am Ende des Tunnels wird das Licht Tag für Tag heller.“

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