Großes Konflikt-Potenzial

Zwischenfälle in Schwimmbädern: Häufigste Ursache ist erschreckend

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In der Heilbronner Neckarhalde ist im Hochsommer mächtig was los.
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In Freibädern kommt es immer wieder zu Zwischenfällen. Das hat eine ganz besondere Ursache.

+++ Update 16. August +++ Schwimmbad-Regeln werden missachtet und gebrochen

Freibäder sind ein Spiegelbild der Gesellschaft, ist sich Edgar Koslowski, Vorsitzender des Verbandes Deutscher Schwimmmeister in Baden-Württemberg, sicher. Entsprechend enttäuschend ist eine Erkenntnis: Regeln und Vorschriften werden immer wieder missachtet und gebrochen. Nicht umsonst werden in Heilbronn neben dem Badepersonal in diesem Jahr auch Mitarbeiter einer Sicherheitsfirma eingesetzt. 

Auch in anderen Schwimmbädern der Region sind immer wieder Verstöße zu verzeichnen: Grillen auf der Liegewiese, Shisha rauchen oder Baden ohne entsprechende Bekleidung. Vor allem Jugendlichen, die Shorts mit Taschen oder auch T-Shirt tragen und damit ins Wasser wollen, müsse diese aus Gründen der Hygiene geltende Vorschrift immer wieder erklärt werden, sagt Koslowski. 

Achtung: Kinder brauchen besondere Aufmerksamkeit im Schwimmbad

"Der einzige Weg ist, deutlich und für alle verständlich auf die Vorschriften hinzuweisen und auf deren Einhaltung zu achten." Seine Einschätzung: Probleme werden dadurch verschärft, dass im Südwesten die Zahl der Einwohner steigt, vor allem in den Städten. Die Zahl kommunaler Bäder gehe aber tendenziell zurück. So drängten sich im Sommer mehr Menschen auf weniger Raum. Die Folge sind Konflikte.

+++ Update 14. August +++ Schmuddel-Schnappschüsse: Droht ein Handy-Verbot im Schwimmbad?

Es ist der Albtraum eines jeden Badegastes: Man möchte eigentlich nur im Freibad die Sonne genießen. Und plötzlich wird man ungefragt fotografiert. Dank der sozialen Medien ist das Bild auch schnell im Internet verbreitet. Ohne dass man davon was ahnt. In vielen Freibäder herrscht inzwischen Fotoverbot, doch wie schaut es in der Neckarhalde und den anderen Heilbronner Schwimmbädern aus?

"Die Nutzung ist grundsätzlich erlaubt", erklärt die Heilbronner Bäderleiterin Ursula Stiefken. Eine Ausnahme gilt hingegen im Saunabereich. Dort ist das Telefon verboten. Anders als in anderen Schwimmbädern, wo alternativ zu einem Verbot oftmals auch Sticker für die Kameras verteilt werden, sieht Stiefken hierfür keine Veranlassung."Ein Verbot ist kein Thema. Wir haben die Probleme nicht. Daher denken wir auch nicht darüber nach."

Heilbronner Schwimmbäder: Bislang keine Probleme mit heimlichen Handybildern

Wenn ein Badegast das Schwimmbad doch mit einem Fotostudio verwechseln sollte, kann das Personal der Neckarhalde das Handy nicht einfach beschlagnahmen. "Einkassieren können wir nicht, da muss die Polizei dazu genommen werden", erläutert die Leiterin der Heilbronner Badeanstalten.

Bislang gab es in der Heilbronner Neckarhalde jedoch keine Probleme mit heimlichen Handybildern. Stiefken versichert aber: "Unsere Mitarbeiter achten darauf." Aber wenn Oma mit den Enkeln schwimmen geht und Bilder macht, ist das keine Bedrohung.

Heilbronn: Diskussion um Handy-Verbot im Schwimmbad 

Das sehen auch andere Bäderleiter so. Es gilt der Konsens: Man kann es kaum verbieten, wenn Eltern ihre Kinder bei den ersten Schwimmzügen oder beim ersten Sprung vom Drei-Meter-Brett fotografieren. Diese Ereignisse sind ein klarer Fall fürs Familienalbum.

Neu ist die Gefahr durch Handy-Kameras und die Diskussion um ein Verbot in den Schwimmbädern nicht. 2017 waren die echo24.de-Leser gespaltener Meinung. Zahlreiche Heilbronner äußerten sich positiv über ein mögliches Handyverbot. So auch Lea Brenner: "Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass so ein Verbot erfolgen könnte. Ohne Wissen von Fremden fotografiert zu werden, um dann im Internet zu landen, geht überhaupt nicht. Ich denke, gerade Menschen, die vielleicht nicht Model-Maße haben, könnten da lächerlich gemacht werden, und das darf absolut nicht sein!"

Heilbronner Schwimmbäder: Handysticker als Lösung?

Wie viele Verbote stößt jedoch auch der Handy-Bann nicht bei jedem auf Gegenliebe. Benjamin Schellong sprach sich gegen ein Verbot aus. "Ich unterstütze das in dieser Form nicht, weil ich in meiner Freiheit eingegrenzt werde. Ich finde eine Alternative viel besser! Man könnte doch am Eingang Aufkleber verteilen, um die Kameralinse abzudecken", sagt der Heilbronner, der aber Verständnis für die Diskussion hat. "Klar ist das eine Sache, die kontrolliert werden muss, aber die Durchsetzung des Verbotes ist nicht einfach, bei zig Gästen."

Die Lösung mit den Stickern für die Kamera kennt vermutlich jeder aus dem Bekanntenkreis. Meist findet man diese auf den Webcams der Laptops, damit man nicht ausspioniert wird. Deutschlandweit in einigen Schwimmbädern kommen solche Sticker nun auch für Handys zum Einsatz. Sie bilden ein Art Kompromisslösung. Somit fällt ein schwer zu kontrollierendes Smartphone-Verbot weg und die Badegäste fühlen sich wieder sicher. In Heilbronn sei ein solcher Einsatz laut Stiefken aber noch nicht geplant.

Von Simon Mones

+++ Update 31. Juli +++: Bevor es eskaliert: Securities in der Heilbronner Neckarhalde

Es war ein Eklat, wie ihn sich wohl die wenigsten in ihrer Freizeit wünschen: Im Rheinbad im Norden von Düsseldorf haben im Juni Hunderte Besucher eine Familie bedroht, wie Merkur.de berichtet. Die Polizei musste anrücken, das Bad räumen und weit über 1.000 Badegäste nach Hause schicken. Dabei kam sogar Pfefferspray zum Kontakt. Und nun sind auch im Heilbronner Freibad Neckarhalde Security-Kräfte unterwegs. Drohen auch in Heilbronn Düsseldorfer Verhältnisse?

"Die beiden Sicherheitsleute in der Heilbronner Neckarhalde sind vor allem am Wochenende im Einsatz", erklärt Ursula Stiefken, Leiterin der Heilbronner Bäder. Einen konkreten, schlimmen Vorfall in Heilbronn für den Einsatz der Sicherheitsleute gebe es nicht. Aber man sei rund um die gestiegene Aggressivität in Schwimmbädern mit anderen Einrichtungen im Austausch. Stiefken: "Wir wollen einfach ein besseres Sicherheitsgefühl für die Besucher der Neckarhalde vermitteln und unsere Mitarbeiter unterstützen." Der Security-Einsatz ist bisher rein vorsorglich.

Heilbronner Schwimmbad: Security-Kräfte sind klar erkennbar

Mit ihrer schwarzen Kluft sind die beiden Securities auch als solche erkennbar. Sie führen Kontrollen gegen Regelverstöße auf der Liegewiese durch und schlichten bei Ärger, etwa wenn Badegäste andere Besucher bedrängen. Und auch gegenüber den Schwimmmeistern haben die Respektlosigkeiten und Provokationen in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen, sodass zusätzliches Sicherheitspersonal offenbar kein übertriebener Luxus ist.

Uuund platsch: Hitze-Flucht ins Freibad

Bisher sind die Securities nur im Heilbronner Freibad Neckarhalde unterwegs. Stiefken: "Das kleinere Schwimmbad in Heilbronn-Kirchhausen ist überschaubarer. Und im Freibad Gesundbrunnen sind vornehmlich Familien zu Gast."

Heilbronner Neckarhalde: Keine Düsseldorfer Verhältnisse

Das Schwimmbad an der Neckarhalde zieht aber vor allem viele Jugendliche und junge Erwachsene an - auch wegen der Sprungtürme. Stiefken: "An Tumulten sind vornehmlich junge Männer mit Migrationshintergrund beteiligt, aber bei Weitem nicht ausschließlich." Stiefken betont aber ganz klar: "Wir haben hier in Heilbronn bei Weitem noch keine Düsseldorfer Verhältnisse."

Und wie fallen die Reaktionen der Heilbronner Sonnenanbeter aus? Stiefken berichtet: "Die Rückmeldungen sind bislang durchweg positiv. Die Badegäste finden es gut, dass nun Securities unterwegs sind und fühlen sich sicherer." Gerade solche, die schon aggressives Treiben beobachtet haben.

+++ Ursprungsartikel 23. Juli +++ Aggression statt Abkühlung: Immer mehr Gewalt in Heilbronner Schwimmbädern?

Park-Chaos und anschließende Aggression am Breitenauer See, wüster Zoff im Gemminger Schwimmbad - und in einem Freibad in Stuttgart eskaliert ein Streit sogar zu einer Massenschlägerei mit 50 Beteiligten. Randale, Konflikte und Pöbeleien in Schwimmbädern sind bei Weitem kein Einzelfall. Schließlich treffen im Becken und auf der Liegewiese unterschiedliche Kulturen und soziale Schichten aufeinander. Und wenn nackte Haut im Spiel ist, lassen gerade durchtrainierte junge Männer auch mal die hart erarbeiteten Muskeln spielen.

Täuscht der Eindruck, dass es in den Schwimmbädern der Region immer rauer zugeht?

Werden Freibäder etwa verstärkt zu sozialen Brennpunkten, an denen sich die Besucher nicht mehr sicher fühlen können? Aufgeheizte Stimmung statt Abkühlung? Bei Kehl mussten sogar 200 junge Männer des Freibads verwiesen werden, als ein Streit zwischen zwei Jugendgangs eskalierte. Haben Schwimmmeister die Lage in den Freibädern überhaupt noch im Griff?

Heilbronner Schwimmbäder: Wenn es eskaliert, kommt die Polizei

"Von einem generellen Anstieg der Aggressionen würden wir nicht sprechen", erklärt die Heilbronner Bäderleiterin Ursula Stiefken. "Vielmehr treten verstärkt aggressionsbereite einzelne Gruppen auf. Zu Eskalationen größeren Ausmaßes kam es bisher allerdings nicht." Offenbar sind die Fälle in Gemmingen und Stuttgart eher die Ausnahme - in Heilbronner Schwimmbädern sei die Sicherheit der Bäderbesucher offenbar nicht außergewöhnlich gefährdet. Stiefken: "Wenn es zu Übergriffen kommt, sind meist Jugendliche und junge Erwachsene involviert."

Bildergalerie: Badespass im Heilbronner Freibad Neckarhalde

Und wie reagieren die Heilbronner Schwimmmeister, wenn es zu Regelverstößen oder gar kriminellen Handlungen kommt? Laut Stiefken versuchen diese frühzeitig schlichtend einzugreifen und Ruhe zu bewahren. "Es sind immer mehrere Aufsichtskräfte im Einsatz, die sich gegenseitig unterstützen. Wenn es droht zu eskalieren, wird die Polizei hinzugerufen."

Heilbronn: Immer weniger Respekt im Schwimmbad

Gerade gegenüber Polizisten und Sanitätern wird der Ton in der Öffentlichkeit immer rauer. Wird da die Autorität eines Heilbronner Schwimmmeisters von den Badegästen überhaupt noch anerkannt? Stiefken: "Man kann nicht von einem generellen Autoritätsverlust sprechen. Es gibt aber durchaus Gästegruppen, die sich unangemessen und respektlos gegenüber unserem Personal verhalten. Hier ist tatsächlich ein Anstieg in den vergangenen Jahren zu vermerken. Wenn alle Schlichtungsversuche und Argumentationen nicht fruchten, wird von dem Hausrecht Gebrauch gemacht und kann zum Verweis aus den Bädern führen."

In der Heilbronner Neckarhalde ist im Hochsommer mächtig was los.

Bei schwerwiegenden Verstößen gegen die Haus- und Bäderordnung werden die entsprechenden Gäste des Bades verwiesen. Wie Stiefken betont, auch mit Unterstützung der Polizei. Erst recht, wenn jemand heimlich mit dem Handy freizügige Aufnahmen oder gar Nacktbilder von anderen Badegästen macht. Schließlich müssen ja nicht immer Fäuste im Spiel sein, wenn andere verletzt werden. Und bevor heimlich gemachte Freizügig-Fotos eine Schlägerei und Selbstjustiz hervorrufen, sollen sich doch besser die Beamten um den Widerling kümmern.

Bilder: Badespaß im Öhringer Freibad und an der Neckarhalde

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