Was kommt nach den Sommerferien?

Heilbronn: Schul-Chaos nach den Sommerferien? Ein Schulleiter spricht Klartext

  • Lisa Klein
    VonLisa Klein
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Viele blicken mit Sorge auf das kommende Schuljahr. Der Schulleiter des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums in Böckingen erzählt, wie sich die Schule auf ein unplanbares Schuljahr vorbereitet.

In Baden-Württemberg stehen die Sommerferien 2021 kurz bevor. Aktuell lässt es die Infektionslage zu, dass der Unterricht in allen Land- und Stadtkreisen in Präsenz stattfinden darf. Doch das könnte nach den Sommerferien aufgrund der zahlreichen Reiserückkehrer und der sich rasant ausbreitenden Delta-Variante schon wieder ganz anders aussehen. Die Sorge vor erneuten Schulschließungen ist groß. 

Auch in den Heilbronner Schulen wird sich bereits ausgiebig Gedanken zum kommenden Schuljahr gemacht – über Hygienekonzepte, Aufarbeitung von Lernlücken sowie Präsenz-, Wechsel- und Fernunterricht. Christoph Zänglein, Schulleiter des Elly-Heuss-Knapp-Gymnasiums blickt zuversichtlich auf das kommende Schuljahr, allerdings nicht unbedingt mit überschwänglichem Optimismus.

Heilbronner Schulen bereiten sich auf ein unplanbares Schuljahr vor

Auf die Frage, ob das kommende Schuljahr etwas planbarer ablaufen wird, erzählt der Schulleiter gegenüber *echo24.de: „Hätten Sie mir diese Frage vor drei Wochen gestellt, hätte ich klar mit einem ,Ja‘ geantwortet. Im Moment weiß niemand, welche Auswirkung die Delta-Variante haben wird. Inwieweit wir ,normal‘ werden arbeiten können, hängt meines Erachtens erheblich von den Impfzahlen ab.“

Und weiter: „Je mehr Erwachsene und Kinder ab 12 Jahren geimpft sein werden, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass halbwegs „normal“ gearbeitet werden kann. Regierung und Regierungspräsidium reagieren auf die Pandemieentwicklung und geben dann Vorgaben an die Schulen weiter. Keiner hat das Virus gewollt, und wir wissen, dass wir flexibel bleiben müssen.“ Auch gegen die Delta-Variante sollen die in Deutschland zugelassenen Impfstoffe scheinbar wirksam sein.

In Baden-Württemberg sind inzwischen 57,6 Prozent der Bevölkerung mindestens einmal geimpft, 43,3 Prozent bereits vollständig (Stand: 14. Juli). Kinder dürften darunter allerdings noch nicht viele sein, denn: Der Impfstoff von Biontech ist erst seit dem 28. Mai auch für Kinder ab 12 Jahren zugelassen. Am 7. Juni wurde die Impfpriorisierung in Deutschland aufgehoben – seitdem dürfen sich auch Kinder zwischen 12 und 16 im Impfzentrum impfen lassen.

Vorbereitung auf das neue Schuljahr in Böckingen: Hygienekonzept steht

Abgesehen von der Hoffnung auf eine hohe Impfquote gibt es bereits ein Hygienekonzept für das kommende Schuljahr am Elly-Heuss-Knapp-Gymnasium: „Für die ersten Wochen nach den Ferien gilt schon jetzt Maskenpflicht im gesamten Schulgebäude. Wir haben mit dem Krisenteam der Schule unser Hygienekonzept überarbeitet und an die aktuelle Situation angepasst.“ Dazu zählen Beschilderungen, wie viele Personen sich in einem Raum aufhalten dürfen und eine Einbahnstraßenregelung im Schulhaus, um Schülerströme zu kanalisieren.

„Viele Hygieneartikel sind angeschafft worden, um Versorgungsengpässen vorzubeugen. Wir werden nach wie vor alle Schülerinnen und Schüler zweimal die Woche testen sowie alle nicht geimpften Lehrkräfte“, erzählt Christoph Zänglein. Auch das baden-württembergische Sozialministerium setzt weiterhin auf Corona-Tests. Zum Thema Luftfilter in Klassenräumen kann der Schulleiter nicht viel sagen, außer: „Die hätten wir gerne, aber darüber gibt es keine konkreten Zusagen.“

Vorbereitungen für neue Schuljahr: Corona hat die Digitalisierung deutlich vorangebracht

Auch wenn sich derzeit zahlreiche Politiker dazu äußern, dass Schulschließungen die allerletzte Option sein sollen, ist das Gymnasium bereits gut vorbereitet auf eine mögliche Rückkehr zum Fernunterricht – denn ob es im Herbst eine vierte Welle geben wird und welche Ausmaße diese haben wird, lässt sich schwer vorhersagen. Experten warnen allerdings bereits vor einer vierten Welle im Herbst 2021.

„Wir haben das Glück, dass wir im Juli 2021 an das Glasfaser der Stadt Heilbronn angeschlossen wurden. Es stehen uns somit de facto unbegrenzte Datenmengen zur Verfügung, sodass Unterricht gehalten und gleichzeitig gestreamt werden kann, damit auch alle Kinder aus jedem Unterrichtsraum im Internet arbeiten können. Wir haben unser Kollegium geschult und fortgebildet, sodass jederzeit von Präsenzunterricht auf Fernunterricht umgeschaltet werden kann und umgekehrt.“

Der Schulleiter sieht in puncto Digitalisierung einen klaren Vorteil: „Der Unterricht kann auch für Kinder, die zum Beispiel mit einem Beinbruch zu Hause sitzen müssen, gestreamt werden. Diese Kenntnisse, diese technischen Möglichkeiten, die Hardware, das alles hätte es ohne Corona nie gegeben.“

Zuversicht in puncto Unterricht: Förderkurse sollen Lernlücken schließen

Was den Fachkräftemangel angeht, hat das Gymnasium in Böckingen Glück und kann somit durch kleine Klassen in den Hauptfächern die Schüler effektiv fördern und Lernlücken aufarbeiten: „Wir sind für das kommende Schuljahr gut mit Lehrern versorgt. Demzufolge können wir viele unserer größeren Klassen in einzelnen Fächern (vor allem Deutsch und Englisch) teilen, sodass wir mit kleineren Lehrgruppen gezielter differenzieren und Lücken besser nacharbeiten können.“

Darüber hinaus soll es auch in anderen Fächern und Jahrgängen Förderkurse geben, „die freiwillig gewählt werden können und am Nachmittag stattfinden werden. Von der Lehrerzuteilung haben wir darauf geachtet, dass möglichst viele Lehrkräfte ihre Klassen weiterführen und haben Lehrerwechsel minimiert. Jede Lehrkraft weiß, welche Inhalte nicht umfassend behandelt werden konnten. Hier kann gezielt nachgearbeitet werden. Ich bin zuversichtlich, dass Lernlücken bis zum Halbjahr geschlossen werden können – wenn es die Pandemie erlaubt.“

Schule in Pandemie-Zeiten: Lehrer, Schüler und Eltern sind erschöpft

Neben den Lernlücken bereitet dem Schulleiter etwas anderes Sorgen: „Problematischer sehe ich die sozialen und seelischen Schäden, die die Pandemie bei einigen Schülerinnen und Schüler hinterlassen hat. Unter Vereinsamung haben doch Kinder oft mehr gelitten, als das öffentlich diskutiert wird.“

Christoph Zänglein berichtet von viel Verständnis in der Corona-Pandemie: „Es gab viel Loyalität bei Schülern, Lehrern und Eltern für die Maßnahmen, die zum Schutz der Schulgemeinschaft getroffen werden mussten. Aber ich vernehme eine Erschöpfung bei Lehrern, den Kindern und ihren Eltern, wie ich sie in 35 Dienstjahren noch nie gegen Schuljahresende erlebt habe.“

Rubriklistenbild: © Sebastian Gollnow/dpa/Symbolbild

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