Krankheitsüberträger breiten sich immens aus

Ratten-Plage im Corona-Lockdown: Heilbronn hat ein „extrem gefährliches Problem“

  • Olaf Kubasik
    vonOlaf Kubasik
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In Heilbronn haben sich einem Schädlingsbekämpfer zufolge Ratten extrem vermehrt. Dadurch drohen gefährliche Krankheiten.

Zuerst hören die Mitarbeiter eines Lebensmittelherstellers im Raum Heilbronn nur ein leises Kratzen - und denken sich nichts dabei. Zunächst! Doch von Tag zu Tag werden die Geräusche aus der Decke des Büro-Gebäudes lauter und lauter. Als sich dann auch noch sichtbar gelbe Flecken bilden, wird schnell klar, was über den Köpfen der Mitarbeiter sein Unwesen treibt: Ratten, viele Wanderratten. Schädlingsbekämpfer Johann Ekov, der zusammen mit Timur Zhukenov Inhaber der Firma Effective Concept in Heilbronn ist, entdeckt vier Nester, Unmengen von Kot sowie Urin-Spuren, von denen eine auch für den Fleck an der Decke verantwortlich ist. Jetzt muss schnell gehandelt werden. Denn Ratten vermehren sich sehr schnell und sind hochgradig gefährlich für Menschen. Vor allem ihre Ausscheidungen. Zudem kann ihr Nagetrieb zu Kurzschlüssen an Elektroleitungen führen.

Bei der Besichtigung des Unternehmens im Raum Heilbronn wird dem erfahrenen Schädlingsbekämpfer schnell klar, wie der Wanderratten-Befall zustande gekommen ist: Die Allesfresser wurden von Lebensmittelabfällen auf dem Gelände angelockt. Während der Produktionsbereich den Hygiene-Bedingungen entsprechend abgesichert ist, konnten die Ratten über einen Träger durch eine Spalte in den Deckenbereich des Bürotrakts eindringen. Und dort ihre Nester bauen. Johann Ekov muss das volle Programm aufbieten. „Wir haben den betroffenen Bereich abgesichert, die Schadnager akut bekämpft, ihren Kot beseitigt sowie alles desinfiziert.“ Nachkontrollen erfolgen.

Ratten-Plage im Corona-Lockdown: Schädlingsbekämpfer aus Heilbronn warnt vor Hantavirus

Gründliche Desinfektion ist im Rahmen einer solchen Maßnahme extrem wichtig, da Ratten mehr als 100 Infektionskrankheiten übertragen können. Dazu zählt auch eine Erkrankung durch Hantaviren, zu denen auch das extrem gefährliche und mittlerweile in Deutschland angekommene Seoulvirus gehört. Johann Ekov erklärt: „Die Übertragung findet hauptsächlich über aufgewirbelten Staub von Kot und Urin von Ratten statt.“ Aber auch ein Biss oder Kontakt mit dem Speichel oder dem Blut der Tiere kämen als Übertragungsweg infrage. Das Hantavirus kann lang anhaltende Grippe-Symptome hervorrufen. Geschwächte Menschen können daran sogar sterben. Und zwar an akutem Nierenversagen.

Noch vor wenigen Jahren hieß es, dass auf jeden Einwohner zwei Ratten kommen, jetzt ist mittlerweile von drei oder mehr Ratten pro Einwohner die Rede.

Johann Ekov, Schädlingsbekämpfer aus Heilbronn

Die Bekämpfung von Ratten macht momentan 50 Prozent der Arbeit der Schädlingsbekämpfer von Effective Concept aus. Während wegen des Corona-Lockdowns zum Beispiel der Bettwanzen-Befall stark abgenommen hat, sieht es bei den Schadnagern ganz anders aus. Johann Ekov spricht von einer regelrechten Plage in größeren Städten wie Heilbronn. Drei bis vier Anfragen erhält seine Firma täglich. Ein Drittel davon stammt von Unternehmen, zwei Drittel stammen von Privatpersonen. Ekov erklärt: „Noch vor wenigen Jahren hieß es, dass auf jeden Einwohner zwei Ratten kommen, jetzt ist mittlerweile von drei oder mehr Ratten pro Einwohner die Rede.“

Eine von Kot übersäte Waschmaschine in einem von Ratten befallenem Privathaushalt.

Ratten-Plage in Heilbronn: Corona-Lockdown treibt Schädlinge in Wohnungen und Firmen

Dass es in größeren Städten wie Heilbronn zu Ratten-Plagen kommt, führt Spezialist Ekov auf „unzureichende Kanalbeköderung und nicht ausreichende Kontrollen dieser“ zurück. Obwohl das vom Umweltbundesamt eigentlich vorgeschrieben ist. Hinzukommt, dass die Ratten wegen des Corona-Lockdowns in den Innenstädten weniger Nahrung finden, da Gaststätten nur noch für den Abholservice geöffnet haben dürfen. Und dann hat die Vermüllung zum Beispiel an Container-Standorten drastisch zugenommen. Folge: Das treibt die Ratten bei Kälte in die angrenzenden Gebäude. Eine verheerende Kombination! Ekov: „Wenn wir Spezialisten, keine Scharlatane unserer Branche den Überlebenskünstlern nicht gezielt Einhalt gebieten, haben wir bald ein extrem gefährliches Problem!“

Verlauf einer schweren Infektion mit dem Hantavirus

Erstes Kennzeichen ist hohes Fieber, das für drei bis vier Tage anhält. Dazu treten grippeähnliche Symptome auf wie Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost. Anschließend kann es zu Kreislauf- und Nierenproblemen kommen. Im schlimmsten Fall kann eine Infektion zum dialysepflichtigen Nierenversagen bis zum Tod führen.

Rubriklistenbild: © Johann Ekov/Effective Concept

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