Wer die Dateien herunterlädt, macht sich schon strafbar

Polizei Heilbronn: Widerliche Inhalte und schlimme Bilder - das passiert in den Chatgruppen unserer Kinder

  • Daniel Hagmann
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Die Polizei Heilbronn sieht eine Welle von Strafverfahren. Kinder und Jugendliche sehen oft die Gefahren und Risiken hinter verbotenen und abstoßenden Bildern und Videos in Chatgruppen nicht.

  • Bilder und Videos, die nicht für Kinderaugen bestimmt sind, verbreiten sich in Chat-Gruppen immer mehr.
  • Polizei Heilbronn warnt von sorglosem Umgang mit Social Media von Kindern und Jugendlichen.
  • Gerade Massen-Chat-Gruppen, in denen sich die Mitglieder nicht persönlich kennen, werden zum Problem.

Sich mit Freunden verabreden, Meinungen austauschen oder sich witzige Fotos, Memes oder Videos zuschicken: Messenger-Dienste wie WhatsApp sind grundsätzlich eine gute Sache. Wenn aber die zugesandten Dateien nicht mehr witzig sind, sondern anstößigen oder gar verbotenen Inhalt haben, dann wird's nicht nur verstörend - mit möglichen langfristigen Folgen für die Psyche von Kindern und Jugendlichen - sondern unter Umständen sogar kriminell. Darauf weist die Polizei Heilbronn nun hin.

In Schüler-Chat-Gruppen und unter Jugendlichen werden immer häufiger auch Nacktbilder von Kindern und Jugendlichen geteilt. "Was da auf uns zurollt, ist eine Welle von Strafverfahren", sagte Kriminalhauptkommissar Dieter Ackermann vom Heilbronner Haus des Jugendrechts. "Und es betrifft die ganze Gesellschaft, weil es in allen Schichten Kinder gibt." Nach seiner Einschätzung haben bereits 80 Prozent der Kinder und Jugendlichen Kontakt zu strafrechtlich relevanten Inhalten über Social-Media-Kanäle gehabt.

Polizei Heilbronn: Volksverhetzung in Social-Media als Gefahr für Kinder und Jugendliche

Nach der polizeilichen Kriminalstatistik ist die Zahl der Tatverdächtigen unter 21 Jahren bei Straftaten gegen die sexuelle Selbstbestimmung im vergangenen Jahr um 45,6 Prozent auf 2.063 gestiegen, wie das baden-württembergische Innenministerium mitteilt. Das liege vor allem an der enormen Zunahme von Fällen im Bereich der Verbreitung im Bereich der Verbreitung erotischer Darstellungen in Chat-Gruppen sowie dem Verbreiten, Erwerb, Besitz und Herstellen von Bildern und Videos, die etwa Kindesmissbrauch zeigen.

Besorgniserregend sei unter anderem, dass sich vor allem Kinder und Jugendliche etwa in WhatsApp-Gruppen oder auf Social-Media-Plattformen aufhielten, in denen sich bis zu 1.000 weitere Teilnehmer eingebucht hätten, sagte Ackermann. Stellt etwa eines der Gruppen-Mitglieder verbotenes Material online, ist dies im Sinne des Strafgesetzbuchs eine Verbreitung. Ackermann aus Heilbronn: "Alle in der Gruppe sind dadurch im Besitz dieser Datei und machen sich ebenso strafbar." Die Mitglieder der Chat-Gruppen seien "juristisch im Besitz der Datei und dann gibt's kein Zurück mehr", sagte auch Stefan Schwab vom Polizeipräsidium Heilbronn. Extreme Meinungen und Volksverhetzung seien in großen Chat-Gruppen in Social Media oft nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel.

Chat-Gruppen: Wer verbotenes Material weiterverbreitet, macht sich strafbar

Nach den Erfahrungen des Landeskriminalamts Baden-Württemberg (LKA) sind sich die meisten Jugendlichen ihrer Lage nicht bewusst: Sie haben kaum Unrechtsbewusstsein, wenn es um Bildmaterial geht. "Sie sehen das Opfer hinter dem Bild nicht, sondern nur die 'atemberaubende' Botschaft des Bildes an sich", sagte ein LKA-Sprecher. Hier müssten Kinder und Jugendliche stärker aufgeklärt werden. Zuletzt hat in Heilbronn der Fall eines Erziehers für Aufsehen gesorgt, der wegen des Missbrauchs von Kindern zu mehreren Jahren Haft verurteilt wurde.

"Das Problem ist nicht das Smartphone selbst, sondern, dass Kinder einen verantwortungsbewussten Umgang damit lernen müssen", erklärte der Kölner Medienrechtler Christian Solmecke. Auch online solle man sich so verhalten wie in der analogen Welt. Nach den Erfahrungen des Leiters des Hauses des Jugendrechts ist die Kontrolle der Eltern immer weniger vorhanden: "Viele Eltern erkennen die Tragweite nicht", sagte Ackermann von Haus des Jugendrechts in Heilbronn.

Anwalt Solmecke empfiehlt, bei verbotenem Material in WhatsApp-Chat-Gruppen das Material nach Erhalt unverzüglich zu löschen. "Keinesfalls sollte man selbst die Bilder weiterverbreiten", erklärte er. Geahndet werden könnten alle Inhalte, die gegen Gesetze verstoßen, darunter auch Volksverhetzung, der Aufruf zu Straftaten, die>t und das Verwenden verfassungsfeindlicher Symbole. Die Polizei rät Eltern zudem, Kinder und Jugendliche im Umgang mit Social Media anzuleiten und zu begleiten. Doch auch in der realen Welt kommt es immer wieder zu Belästigungen von Kindern. Kürzlich etwa hat sich in Nordheim ein Mann vor Kindern schamlos entblößt.

Rubriklistenbild: © Julian Stratenschulte/dpa

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